Du kannst dir in zwei Minuten von ChatGPT einen Trainingsplan fürs Auswahlverfahren bauen lassen. Kostenlos, sofort, sieht professionell aus. Die Frage ist nur: Reicht das? Die ehrliche Antwort lautet weder 'KI ist Müll' noch 'KI ersetzt den Coach'. Sie liegt dazwischen, und die Forschung ist dazu inzwischen ziemlich klar.
Was die Forschung zu KI-Trainingsplänen zeigt
Eine Forschungsgruppe der TU München (Havers und Kollegen) hat KI-generierte Trainingspläne systematisch von erfahrenen Coaches bewerten lassen und die Ergebnisse 2024 und 2025 in der Fachzeitschrift Biology of Sport veröffentlicht. Eine dritte, unabhängige Studie (Genc und Kollegen, 2025) kam zum gleichen Bild. Die Kernbefunde:
- KI ist konsistent, aber nicht stark: Bei identischen Eingaben liefert die KI reproduzierbare Pläne, deren Qualität die Experten aber als 'nicht optimal' einstuften. Mehrere Bewertungskriterien lagen häufig unter 3 von 5 Punkten, Spitzenbewertungen waren selten.
- Mehr Kontext, besserer Plan: Der wichtigste Hebel. Je detaillierter die Eingabe (Vorerfahrung, Zielwerte, Verfügbarkeit, Schwächen), desto signifikant besser die Bewertung. Ein knapper Prompt liefert einen knappen Plan.
- Typische Schwachstellen: fehlende oder unpräzise Intensitätssteuerung, schwache Progressionslogik (Steigerungen werden empfohlen, ohne echte Fortschritte zu messen), kaum individuelle Anpassung und teilweise erfundene oder veraltete Quellenangaben.
- Klares Fazit der Forscher: KI-Pläne taugen als erstes Gerüst, aber die fachliche Aufsicht bleibt entscheidend. Wörtlich heißt es, generative KI sei 'noch nicht in der Lage, menschliche Expertise vollständig zu ersetzen'.
Wichtig zur Einordnung: Diese Studien haben Kraft- und Muskelaufbau-Pläne getestet, nicht die Vorbereitung auf ein Auswahlverfahren. Die Übertragung auf den EAV-Kontext ist unsere Schlussfolgerung aus der Coaching-Praxis, nicht das Ergebnis der Studien. Und sie beziehen sich auf ältere Modellversionen (Stand 2024). Neuere Modelle können in Teilen besser abschneiden. Am grundsätzlichen Muster ändert das wenig.
Warum ein generischer KI-Plan fürs Auswahlverfahren nicht reicht
Wenn KI schon bei einem simplen Kraftplan schwächelt, wird die Lücke bei einer mehrdisziplinären Wettkampfvorbereitung größer, nicht kleiner. Aus unserer Coaching-Praxis sehen wir vier Stellen, an denen generische KI-Pläne regelmäßig brechen:
- Periodisierung über Monate: Ein Auswahlverfahren verlangt, dass du am Testtag in Form bist, nicht im Trainingslager. Eine KI baut dir gern Woche für Woche mehr Volumen auf, ohne Tapering, ohne Regenerationsphasen, ohne Peak zum richtigen Zeitpunkt.
- Mehrere Fähigkeiten gleichzeitig: Laufen, Tragen, Klettern, Schwimmen, Kraft, Kognition, oft am selben Tag und unter Ermüdung. Ein KI-Plan optimiert meist eine Sache und ignoriert die Wechselwirkungen (der Interferenz-Effekt zwischen Kraft und Ausdauer ist real).
- Einheiten-Spezifik: Eine KI kennt die konkreten Testwerte deiner Zieleinheit nicht zuverlässig und erfindet im Zweifel plausibel klingende Zahlen. Wer auf falschen Werten trainiert, trainiert am Ziel vorbei.
- Das Mentale: Der Teil, an dem die meisten scheitern, taucht in KI-Plänen gar nicht erst auf. Belastung unter Schlafmangel, Stressresistenz, Entscheidungsfähigkeit nach Erschöpfung lassen sich nicht weg-prompten.
Wie du KI trotzdem klug einsetzt
- Gib maximalen Kontext: Vorerfahrung, aktuelle Werte, Zieleinheit, verfügbare Zeit, Schwächen, Verletzungshistorie. Das ist der einzige in Studien belegte Hebel für bessere Ausgaben.
- Nutze KI für Teilaufgaben, nicht fürs Ganze: Eine einzelne Laufeinheit erklären lassen, eine Übung verstehen, eine Mahlzeit planen, ja. Die gesamte Mehrmonats-Periodisierung blind übernehmen, nein.
- Prüfe jede Zahl: Schreibt die KI einer Einheit einen Cooper-Test zu, die gar keinen hat (etwa dem KSK oder den Kampfschwimmern der Marine), hat sie halluziniert. Gleiche Werte immer mit der offiziellen Ausschreibung oder einer verlässlichen Quelle ab.
- Hol dir ein erfahrenes Gegenüber: Den größten Sprung macht nicht der bessere Prompt, sondern jemand, der das Verfahren selbst durchlaufen hat und deinen Plan auf die Realität dieses einen Testtags hin korrigiert.
Was ein Plan können muss, den dir keine KI baut
Übungen kann dir jeder geben, ChatGPT in zwei Minuten. Was im Auswahlverfahren zählt, ist etwas anderes: die Reihenfolge über Wochen, die Regel für die Woche, in der der Dienstplan alles umwirft, und der Bezug auf die Werte deiner Zieleinheit. Genau an diesen drei Stellen brechen generische Pläne, egal ob aus dem Internet oder aus der KI.
- Reihenfolge: Welche Disziplin wann Vorrang hat, wie Kraft und Laufen in einer Woche zusammenpassen und wann der Umfang runtergeht, damit du am Testtag in Form bist und nicht drei Wochen davor.
- Anpassungsregel: Was du tust, wenn die Nachtschicht kommt, eine Woche ausfällt oder der Eingangstest schlechter ausfällt als gedacht. Ein Plan ohne diese Regel ist nach der ersten Störung wertlos.
- Einheitenbezug: Nulltest gegen die Anforderungen deiner Einheit, Retest nach einigen Wochen. Nicht gegen plausibel klingende Zahlen, sondern gegen die, die am Testtag gelten.
Unsere Pläne & Systeme sind dafür gebaut und unten verlinkt. Sie ersetzen keinen Coach, der dich wöchentlich korrigiert, aber sie nehmen dir die drei Entscheidungen ab, die ein KI-Plan dir überlässt. Preis steht dran, Zugang sofort, Umsetzung bei dir.
Wie wir bei PPF mit KI arbeiten
Wir lehnen KI nicht ab, wir setzen sie gezielt ein, aber immer unter erfahrener Steuerung. Für die kognitive Vorbereitung nutzen unsere Athleten eine eigene Trainings-App, und die wöchentlichen Check-ins werden KI-gestützt ausgewertet, damit kein Trend übersehen wird. Der entscheidende Unterschied zu einem nackten ChatGPT-Plan: Die Werkzeuge sind auf echte Auswahlverfahren ausgerichtet und werden von Coaches kuratiert, die selbst durch diese Verfahren gegangen sind. KI liefert die Geschwindigkeit, die Erfahrung liefert die Richtung. Genau diese Kombination fehlt dem KI-Plan, den du dir allein zusammenbaust.
Hinweis: Die genannten Studien (Havers et al., Biology of Sport 2024/2025; Genc et al., BMC Sports Science, Medicine and Rehabilitation 2025) bewerteten Kraft- und Hypertrophie-Trainingspläne, nicht die Vorbereitung auf Auswahlverfahren. Die Übertragung auf den EAV-Kontext ist unsere Einschätzung aus der Trainingspraxis.