Was ist die BFE+?
Die BFE+ (Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit Plus) wurde 2015 als Reaktion auf die Terroranschläge jenes Jahres aufgestellt und im Dezember 2015 öffentlich vorgestellt; voll einsatzbereit ist sie seit Juni 2017. Das Bundesinnenministerium unter Thomas de Maizière erkannte, dass zwischen den regulären Einsatzhundertschaften der Bundespolizei und der GSG 9 eine kritische Fähigkeitslücke bestand: Bei gleichzeitigen Terroranschlägen an mehreren Orten, wie in Paris am 13. November 2015 mit sechs koordinierten Angriffen, reichte die GSG 9 mit ihren rund 400 Einsatzkräften allein nicht aus. Die BFE+ schließt diese Lücke als schnell verfügbare Anti-Terror-Komponente, die an fünf Standorten dezentral über das gesamte Bundesgebiet verteilt stationiert ist und innerhalb von 30 bis 60 Minuten einsatzbereit sein kann. Die Einheit ist organisatorisch in die bestehenden BFE-Hundertschaften der Bundespolizei eingebettet und untersteht den jeweiligen Bundespolizeidirektionen. Im Alltag nehmen BFE+ Beamte reguläre BFE-Aufgaben wahr, qualifizierte Zugriffe, Beweissicherung bei Großlagen, Absicherung von Fußballspielen und robuste Kontrollstellen an Bahnhöfen und Flughäfen. Bei terroristischen Bedrohungslagen werden sie jedoch als geschlossene Anti-Terror-Einheit aktiviert. Mit insgesamt rund 250 speziell ausgebildeten Beamten an fünf Standorten ergänzt die BFE+ die Kapazitäten der GSG 9 erheblich. Die taktische Ausbildung erfolgt teilweise direkt durch die GSG 9 am Standort Sankt Augustin/Hangelar, um die Interoperabilität beider Einheiten sicherzustellen. Für viele ambitionierte Bundespolizisten ist die BFE+ zudem ein wichtiger Karriereschritt auf dem Weg zur GSG 9, die erweiterte Schieß- und CQB-Ausbildung sowie die Anti-Terror-Erfahrung verschaffen einen messbaren Vorteil im anspruchsvollen GSG-9-Auswahlverfahren.
Die Entstehungsgeschichte der BFE+ ist eng mit der europäischen Sicherheitslage seit 2015 verknüpft. Am 13. November 2015 verübten islamistische Terroristen koordinierte Anschläge an sechs verschiedenen Orten in Paris, das Bataclan-Theater, das Stade de France und mehrere Restaurants wurden gleichzeitig angegriffen. Die französische Polizei stand vor dem Problem, dass ihre Spezialeinheiten (RAID und BRI) nicht an allen Tatorten gleichzeitig eingreifen konnten. Diese Erkenntnis traf auch Deutschland: Die GSG 9 mit rund 400 Einsatzkräften ist zwar hochspezialisiert, kann aber bei simultanen Terrorlagen an mehreren Orten nicht überall gleichzeitig sein. Die Verlegung von Sankt Augustin an einen Einsatzort dauert je nach Entfernung mehrere Stunden. Bereits im Dezember 2015, nur einen Monat nach den Pariser Anschlägen, beschloss das Bundesinnenministerium die Aufstellung der BFE+ als dezentrale Anti-Terror-Komponente der Bundespolizei.
Die BFE+ rekrutiert ausschließlich aus den bestehenden 15 Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten (BFE) der Bundespolizei. Diese regulären BFE sind Teil der Einsatzhundertschaften und zuständig für qualifizierte Zugriffe, Beweissicherung bei Großlagen und Festnahmen. Die BFE+ Beamten durchlaufen über die BFE-Grundausbildung hinaus eine Ergänzungsfortbildung unter Federführung der GSG 9, die laut Bundespolizei von anfangs sechs auf inzwischen 14 Wochen gewachsen ist. Inhalte sind Close Quarter Battle (CQB), erweiterte Schießausbildung mit Maschinenpistolen und Sturmgewehren, Anti-Terror-Taktik und taktische Verletztenversorgung (TECC). Die Ausbildung wird regelmäßig evaluiert und an aktuelle Bedrohungsszenarien angepasst, seit 2022 mit verstärktem Fokus auf Active-Shooter-Lagen und CBRN-Szenarien (chemische, biologische, radiologische und nukleare Bedrohungen).
Im Unterschied zur GSG 9 ist die BFE+ keine eigenständige Verbandsstruktur, sondern in die bestehenden Bundespolizeidirektionen integriert. Die fünf BFE+ Einheiten sind jeweils einer BFE-Hundertschaft zugeordnet und können im Alltag reguläre BFE-Aufgaben wahrnehmen. Bei terroristischen Lagen werden sie jedoch als geschlossene Einheit eingesetzt und operieren mit erweiterter Bewaffnung und Ausrüstung. Die GSG 9 hat bei der taktischen Führung in Terrorlagen den Vorrang, die BFE+ fungiert als Unterstützungsebene und kann eigenständig Erstmaßnahmen einleiten, bis die GSG 9 eintrifft. Dieses abgestufte Konzept (BFE → BFE+ → GSG 9) ist in der deutschen Sicherheitsarchitektur einzigartig und wird von anderen EU-Staaten als Vorbild betrachtet.
Die Bewaffnung der BFE+ geht deutlich über die der regulären BFE hinaus: Neben der Dienstpistole (HK P30) führen BFE+ Beamte Maschinenpistolen (HK MP5 oder MP7) und das Sturmgewehr G36C in der kompakten Variante. Auch die Schutzausrüstung ist erweitert, ballistische Helme mit Gehörschutz und Kommunikationssystem, Plattenträger mit Schutzklasse IV, taktische Beleuchtung und Blendgranaten gehören zur Standardausstattung. Im Vergleich: Reguläre BFE-Beamte führen in der Regel nur Dienstpistole und im Einzelfall eine MP5, während die GSG 9 über ein noch deutlich breiteres Waffenspektrum inklusive Scharfschützengewehren, Sprengmitteln und spezialisierten Türöffnungsgeräten verfügt.
Der Karriereweg BFE → BFE+ → GSG 9 ist keine Pflicht, aber ein bewährter Pfad. Wer in der BFE+ überdurchschnittliche Leistungen zeigt, hat im GSG-9-Auswahlverfahren statistisch bessere Chancen, die CQB-Erfahrung, die erweiterte Schießausbildung und die Routine im Umgang mit terroristischen Szenarien sind ein klarer Vorteil gegenüber Bewerbern aus regulären Polizeieinheiten. Gleichzeitig gilt: Die BFE+ ist eine spezialisierte Einheit, keine Spezialeinheit im engeren Sinne. Ihr Hauptgeschäft bleibt die reguläre BFE-Arbeit, qualifizierte Zugriffe, Beweissicherung bei Großlagen, Fußballeinsätze und robuste Kontrollstellen. Die Anti-Terror-Komponente ist eine Zusatzfähigkeit, die bei Bedarf aktiviert wird.
Auf Länderebene existieren vergleichbare Strukturen in verschiedenen Bundesländern. Auch die Landespolizeien unterhalten BFE-Einheiten mit eigenen Eingangsvoraussetzungen. Diese Landes-BFE haben jedoch nicht den Anti-Terror-Auftrag der Bundes-BFE+ und verfügen nicht über die erweiterte Bewaffnung. In Bayern übernimmt das USK (Unterstützungskommando) eine ähnliche Funktion wie die BFE auf Bundesebene. Die BFE+ bleibt damit die einzige polizeiliche Einheit auf Bundesebene, die zwischen regulärer Einsatzhundertschaft und GSG 9 positioniert ist.
BFE+ EAV: Prüfungsbestandteile
01Erweiterter Sporttest: Ausdauer, Klimmzüge, Bankdrücken, Sprint, Hindernisparcours (Werte nicht veröffentlicht, uns aus der Kandidatenbegleitung bekannt)
02Schießprüfung unter Belastung mit Dienstpistole und Maschinenpistole
03Taktische Szenarien zur Überprüfung von Entscheidungsfähigkeit, Stressresistenz und Teamorientierung
04Taktische Szenarien: Gebäudedurchsuchung und Zugriffssimulationen
05Auswahlgespräch vor Kommission (Führungskräfte BFE/GSG 9)
06Medizinische Eignungsuntersuchung
Analysegespräch zur BFE+-Vorbereitung
In einem kostenlosen 30-Minuten-Gespräch analysieren wir deinen aktuellen Stand, zeigen die kritischen Lücken zum Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit Plus-Auswahlverfahren auf und sagen dir konkret, was du in den nächsten Wochen anders machen solltest. Keine Verkaufsshow, keine Verpflichtung.

TÜV-geprüftZertifizierter EAV-Anbieter