PSA Auswahlverfahren
Polizeiliche Schutzaufgaben Ausland
Die Dienststelle Polizeiliche Schutzaufgaben Ausland (PSA) der Bundespolizei schützt deutsche Botschaften und Diplomaten in den gefährlichsten Krisengebieten der Welt. Kabul, Bagdad, Kyjiw — überall dort, wo konventionelle Sicherheitskonzepte versagen, sichern PSA-Beamte die außenpolitische Handlungsfähigkeit Deutschlands. Die Bestehensquote im Auswahlverfahren liegt bei 40 bis 60 Prozent.
Was ist die PSA?
Die PSA BPOL wurde 2008 gegründet, nachdem die GSG 9 durch dauerhaften Botschaftsschutz operativ überlastet war. Seitdem ist die Dienststelle der Bundespolizeidirektion 11 (BPOLD 11) in Sankt Augustin unterstellt — dem gleichen Standort, der auch die GSG 9 beherbergt. Einsatzkräfte werden für drei Monate an besonders gefährdete Auslandsvertretungen entsandt, gefolgt von einer sechsmonatigen Inlandsphase für Fortbildung und Wissenstransfer. PSA-Beamte genießen während des Auslandseinsatzes Diplomatenstatus und agieren im Rahmen der Wiener Übereinkommen über diplomatische und konsularische Beziehungen.
Im Oktober 2013 fiel in Jemen ein PSA-Beamter im Dienst — ein Beleg für den Charakter dieser Verwendung. PSA-Kräfte trainieren im engen Schulterschluss mit der GSG 9 und sind in das internationale Ausbildungsnetzwerk "Black Griffin" der EU eingebunden, das u.a. die niederländische BSB, das österreichische EKO Cobra und die US-amerikanische Mobile Security Deployments (MSD) des Department of State umfasst.
Der Schutzauftrag ist umfassend: unmittelbarer Personenschutz von Botschafterinnen und Botschaftern bei Außenterminen, physische Absicherung der Botschaftsliegenschaften gegen Angriffe und unbefugtes Eindringen, Sicherheitsberatung der Missionsleitung sowie Planung und Durchführung von Evakuierungsmaßnahmen für deutsches Personal. In Hochrisikolagen wie der Ukraine oder dem Irak ist die PSA die letzte Sicherheitslinie des deutschen diplomatischen Korps.
Standorte
Sankt Augustin (Hauptstandort)
Sitz der BPOLD 11 und operativer Heimatstandort der PSA. Auf demselben Gelände wie die GSG 9. Hier findet der Großteil des K-SAV-Lehrgangs und aller Fortbildungsmaßnahmen statt.
Pfullendorf
Ausbildungszentrum für spezielle Operationen der Bundeswehr. Ergänzende Module des K-SAV-Lehrgangs, insbesondere Einsatzfahren und erweiterte Schießausbildung.
Anforderungen & Voraussetzungen
- Ausgebildeter Polizeivollzugsbeamter (mittlerer oder gehobener Dienst)
- Mehrjährige Berufserfahrung im Polizeidienst
- Einwandfreies Führungszeugnis und erweiterte Sicherheitsüberprüfung
- Schwindelfreiheit (Pflichttest im EAV, K.O.-Kriterium)
- Gute Englischkenntnisse (Arbeitssprache in internationalen Einsätzen)
- Bereitschaft zu 3-monatigen Auslandseinsätzen in aktiven Krisengebieten
- Psychische Stabilität für extreme Dauerstresslagen und räumliche Trennung vom Heimatumfeld
PSA EAV: Prüfungsbestandteile
Ablauf des PSA Auswahlverfahrens im Detail
Phase 1: Kognitiver PC-Test
Standardisierte Computerverfahren prüfen räumliches Vorstellungsvermögen, Konzentrationsfähigkeit unter extremem Zeitdruck, Merkfähigkeit und verbale Intelligenz. Für PSA-Kräfte besonders relevant: die Fähigkeit, in gefährlichen Lagen Details präzise aufzunehmen und unter Stress korrekt abzurufen.
Phase 2: Sporttest
Neben den Standard-Bundespolizei-Kriterien gelten für Spezialkräfte-Verwendungen die GSG-9-orientierten Anforderungen: Cooper-Test ≥3.000 m (600 m über dem Standardwert), mindestens 10 strikte Klimmzüge aus dem vollständigen Hang, Bankdrücken mit mindestens 75 Prozent des eigenen Körpergewichts sowie ein Koordinationsparcours. Die Gesamtbelastung entspricht dem Niveau einer Eliteeinheit.
Phase 3: Höhentest
Überprüfung der Schwindelfreiheit. Ein nicht bestandener Höhentest führt zum sofortigen Ausscheiden aus dem Verfahren — unabhängig von allen anderen erbrachten Leistungen. PSA-Kräfte müssen in Krisengebieten regelmäßig auf Gebäuden, in Hubschraubern und in anderen Höhenlagen operieren.
Phase 4: Psychologische Eignungsdiagnostik
Persönlichkeitstests und Tiefeninterview mit Polizeipsychologen. Geprüft werden psychische Stabilität, Verantwortungsbereitschaft, Entschlusskraft und soziale Kontaktfähigkeit. Besonderes Gewicht liegt auf der Fähigkeit, monatelang unter permanenter Bedrohungslage psychisch stabil zu bleiben.
Phase 5: Strukturiertes Einzelinterview
Interview mit einem Psychologen und einem erfahrenen PSA-Vertreter. Themen: Motivation für Krisengebietseinsätze, Reaktion auf ethisch schwierige Einsatzlagen, Kenntnisse über Zielgebiete und deren Sicherheitslage, interkulturelle Kompetenz sowie aktive Englischkenntnisse.
Ausbildung nach bestandenem EAV
Nach bestandenem Auswahlverfahren folgt der 13-wöchige K-SAV-Lehrgang (Krisengebiet-Sicherheitsaufgaben Ausland/Verstärkt). Er findet überwiegend in Sankt Augustin statt, nutzt aber auch das Ausbildungszentrum für spezielle Operationen der Bundeswehr in Pfullendorf. Die Versagensquote im Lehrgang liegt bei ca. 25 Prozent.
Ausbildungsmodule im Detail
Einsatzlehre
Taktische Lagebeurteilung, Nahkampf in Gebäuden (CQB), Evakuierungsplanung, Objektschutzgrundsätze. Training in simulierten Botschaftsszenarien und urbanen Hochrisikoumgebungen.
Schießausbildung
Handhabung von G36, G8 und MP5. Stressschießen, Nachtkampf, taktisches Schießen aus Fahrzeugen. Alle Waffensysteme, die in Krisengebieten eingesetzt werden.
Taktische Einsatzmedizin (TCCC)
Ausbildung nach Tactical Combat Casualty Care-Prinzipien. Selbst- und Kameradenhilfe unter Beschuss, Tourniquet, Wound Packing, Atemwegssicherung. Ziel: Leben retten, bis professionelle medizinische Versorgung eintrifft.
Einsatzfahren
Beherrschung sondergeschützter (gepanzerter) Fahrzeuge, Off-Road-Training, Ausbruchstaktiken bei Hinterhalten im städtischen Raum und auf freier Strecke.
Personenschutz-Taktik
Formationen, Angriffsabwehr, Planung und Durchführung von Schutzbegleitungen im urbanen Raum. Protokoll mit diplomatischem Personal, Kommunikation unter Druck.
Einsatzrecht
Internationales Recht, Befugnisse im Rahmen der Wiener Übereinkommen (WÜD/WÜK), Notwehr- und Nothilferecht im Ausland, Regeln für den Schusswaffengebrauch in Drittstaaten.
Besoldung & Vergütung
Grundgehalt nach Bundesbesoldung A7–A9 (mittlerer/gehobener Dienst). Zusätzlich: Erschwerniszulage nach §22 EZulV (375 €/Monat). Auslandsverwendungszuschlag (AVZ) steuerfrei nach Gefährdungsstufe: Stufe 6 für Kriegsgebiete wie Kabul oder Bagdad = 153 €/Tag. Weitere mögliche Zulagen: Materialaufwand bis 715 €/Monat, immaterielle Belastungszulage bis 500 €/Monat.
PSA Vorbereitung: Tipps
- →Cooper-Test auf 3.000 m trainieren — das sind 600 m mehr als der Standard-Bundespolizei-Richtwert. Aufbauplan über 16–20 Wochen mit Tempoläufen und langen Dauerläufen.
- →Klimmzüge auf mindestens 10 strikte Wiederholungen bringen — vollständiger Hang, Kinn klar über die Stange, keine Schwungbewegungen.
- →Bankdrücken systematisch entwickeln bis 75 Prozent des Körpergewichts für mehrere Wiederholungen.
- →Höhensituation aktiv aufsuchen (Klettern, Abseilen), um sicherzustellen, dass Schwindelfreiheit kein Problem wird — bevor der Test kommt.
- →Englischkenntnisse aktiv verbessern: Das Interview testet sprachliche Ausdrucksfähigkeit in sicherheitsrelevanten Szenarien.
- →Kognitive Leistungsfähigkeit trainieren: Merkfähigkeit, Konzentration unter Zeitdruck, räumliches Denken — mit App-gestützten Trainings täglich 15–20 Minuten.
- →Mentale Vorbereitung: Die PSA sucht psychisch stabile, teamorientierte Beamte. Keine risikogeilen Einzelkämpfer — Zuverlässigkeit und Besonnenheit sind entscheidend.
Weitere Spezialeinheiten
GSG 9
Grenzschutzgruppe 9 der Bundespolizei
BundespolizeiBFE+
Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit Plus
PolizeiSEK
Spezialeinsatzkommando
BundeswehrKSK
Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr
BundeswehrEGB
Spezialisierte Kräfte des Heeres mit Erweiterter Grundbefähigung
ZollZUZ
Zentrale Unterstützungsgruppe Zoll
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