Was ist die PSA?
Die PSA BPOL wurde 2008 gegründet, nachdem die GSG 9 durch dauerhaften Botschaftsschutz operativ überlastet war. Seitdem ist die Dienststelle der Bundespolizeidirektion 11 (BPOLD 11) in Sankt Augustin unterstellt, dem gleichen Standort, der auch die GSG 9 beherbergt. Einsatzkräfte werden für drei Monate an besonders gefährdete Auslandsvertretungen entsandt, gefolgt von einer sechsmonatigen Inlandsphase für Fortbildung und Wissenstransfer. PSA-Beamte genießen während des Auslandseinsatzes Diplomatenstatus und agieren im Rahmen der Wiener Übereinkommen über diplomatische und konsularische Beziehungen.
Im Oktober 2013 fiel in Jemen ein PSA-Beamter im Dienst, ein Beleg für den Charakter dieser Verwendung. PSA-Kräfte trainieren im engen Schulterschluss mit der GSG 9 und sind in das internationale Ausbildungsnetzwerk "Black Griffin" der EU eingebunden, das u.a. die niederländische BSB, das österreichische EKO Cobra und die US-amerikanische Mobile Security Deployments (MSD) des Department of State umfasst.
Der Schutzauftrag ist umfassend: unmittelbarer Personenschutz von Botschafterinnen und Botschaftern bei Außenterminen, physische Absicherung der Botschaftsliegenschaften gegen Angriffe und unbefugtes Eindringen, Sicherheitsberatung der Missionsleitung sowie Planung und Durchführung von Evakuierungsmaßnahmen für deutsches Personal. In Hochrisikolagen wie der Ukraine oder dem Irak ist die PSA die letzte Sicherheitslinie des deutschen diplomatischen Korps.
Standorte
Sankt Augustin (Hauptstandort)
Sitz der BPOLD 11 und operativer Heimatstandort der PSA. Auf demselben Gelände wie die GSG 9. Hier findet der Großteil des K-SAV-Lehrgangs und aller Fortbildungsmaßnahmen statt.
Anforderungen & Voraussetzungen
- Ausgebildeter Polizeivollzugsbeamter (mittlerer oder gehobener Dienst)
- Mehrjährige Berufserfahrung im Polizeidienst
- Einwandfreies Führungszeugnis und erweiterte Sicherheitsüberprüfung
- Schwindelfreiheit (Pflichttest im EAV, K.O.-Kriterium)
- Gute Englischkenntnisse (Arbeitssprache in internationalen Einsätzen)
- Bereitschaft zu 3-monatigen Auslandseinsätzen in aktiven Krisengebieten
- Psychische Stabilität für extreme Dauerstresslagen und räumliche Trennung vom Heimatumfeld
PSA EAV: Prüfungsbestandteile
Ablauf des PSA Auswahlverfahrens im Detail
Phase 1: Kognitiver PC-Test
Standardisierte Computerverfahren prüfen räumliches Vorstellungsvermögen, Konzentrationsfähigkeit unter extremem Zeitdruck, Merkfähigkeit und verbale Intelligenz. Für PSA-Kräfte besonders relevant: die Fähigkeit, in gefährlichen Lagen Details präzise aufzunehmen und unter Stress korrekt abzurufen.
Phase 2: Sporttest
Neben den Standard-Bundespolizei-Kriterien orientieren sich die Anforderungen für Spezialkräfte-Verwendungen am GSG-9-Niveau. Die Bundespolizei veröffentlicht jedoch keine offiziellen PSA-Sportwerte — als PPF-Richtwert aus Kandidatenberichten gelten ein Cooper-Test um 3.000 m, rund 10 strikte Klimmzüge aus dem vollständigen Hang, Bankdrücken mit etwa 75 Prozent des eigenen Körpergewichts sowie ein Koordinationsparcours. Die Gesamtbelastung entspricht dem Niveau einer Eliteeinheit.
Phase 3: Höhentest
Überprüfung der Schwindelfreiheit. Ein nicht bestandener Höhentest führt zum sofortigen Ausscheiden aus dem Verfahren, unabhängig von allen anderen erbrachten Leistungen. PSA-Kräfte müssen in Krisengebieten regelmäßig auf Gebäuden, in Hubschraubern und in anderen Höhenlagen operieren.
Phase 4: Psychologische Eignungsdiagnostik
Persönlichkeitstests und Tiefeninterview mit Polizeipsychologen. Geprüft werden psychische Stabilität, Verantwortungsbereitschaft, Entschlusskraft und soziale Kontaktfähigkeit. Besonderes Gewicht liegt auf der Fähigkeit, monatelang unter permanenter Bedrohungslage psychisch stabil zu bleiben.
Phase 5: Strukturiertes Einzelinterview
Interview mit einem Psychologen und einem erfahrenen PSA-Vertreter. Themen: Motivation für Krisengebietseinsätze, Reaktion auf ethisch schwierige Einsatzlagen, Kenntnisse über Zielgebiete und deren Sicherheitslage, interkulturelle Kompetenz sowie aktive Englischkenntnisse.
Ausbildung nach bestandenem EAV
Nach bestandenem Auswahlverfahren folgt der 13-wöchige K-SAV-Lehrgang (Krisengebiet-Sicherheitsaufgaben Ausland/Verstärkt). Er findet in Sankt Augustin statt. Die Versagensquote im Lehrgang liegt bei ca. 25 Prozent.
Ausbildungsmodule im Detail
Einsatzlehre
Taktische Lagebeurteilung, Nahkampf in Gebäuden (CQB), Evakuierungsplanung, Objektschutzgrundsätze. Training in simulierten Botschaftsszenarien und urbanen Hochrisikoumgebungen.
Schießausbildung
Handhabung von G36, G8 und MP5. Stressschießen, Nachtkampf, taktisches Schießen aus Fahrzeugen. Alle Waffensysteme, die in Krisengebieten eingesetzt werden.
Taktische Einsatzmedizin (TCCC)
Ausbildung nach Tactical Combat Casualty Care-Prinzipien. Selbst- und Kameradenhilfe unter Beschuss, Tourniquet, Wound Packing, Atemwegssicherung. Ziel: Leben retten, bis professionelle medizinische Versorgung eintrifft.
Einsatzfahren
Beherrschung sondergeschützter (gepanzerter) Fahrzeuge, Off-Road-Training, Ausbruchstaktiken bei Hinterhalten im städtischen Raum und auf freier Strecke.
Personenschutz-Taktik
Formationen, Angriffsabwehr, Planung und Durchführung von Schutzbegleitungen im urbanen Raum. Protokoll mit diplomatischem Personal, Kommunikation unter Druck.
Einsatzrecht
Internationales Recht, Befugnisse im Rahmen der Wiener Übereinkommen (WÜD/WÜK), Notwehr- und Nothilferecht im Ausland, Regeln für den Schusswaffengebrauch in Drittstaaten.
Besoldung & Vergütung
Grundgehalt nach Bundesbesoldung A7–A9 (mittlerer/gehobener Dienst). Zusätzlich: Erschwerniszulage nach §22 EZulV (375 €/Monat). Auslandsverwendungszuschlag (AVZ) steuerfrei nach Gefährdungsstufe: Stufe 6 für Kriegsgebiete wie Kabul oder Bagdad = 153 €/Tag. Weitere mögliche Zulagen: Materialaufwand bis 715 €/Monat, immaterielle Belastungszulage bis 500 €/Monat.
PSA Vorbereitung: Tipps
- →Cooper-Test auf 3.000 m trainieren, das sind 600 m mehr als der Standard-Bundespolizei-Richtwert. Aufbauplan über 16–20 Wochen mit Tempoläufen und langen Dauerläufen.
- →Klimmzüge auf mindestens 10 strikte Wiederholungen bringen, vollständiger Hang, Kinn klar über die Stange, keine Schwungbewegungen.
- →Bankdrücken systematisch entwickeln bis 75 Prozent des Körpergewichts für mehrere Wiederholungen.
- →Höhensituation aktiv aufsuchen (Klettern, Abseilen), um sicherzustellen, dass Schwindelfreiheit kein Problem wird, bevor der Test kommt.
- →Englischkenntnisse aktiv verbessern: Das Interview testet sprachliche Ausdrucksfähigkeit in sicherheitsrelevanten Szenarien.
- →Kognitive Leistungsfähigkeit trainieren: Merkfähigkeit, Konzentration unter Zeitdruck, räumliches Denken, mit App-gestützten Trainings täglich 15–20 Minuten.
- →Mentale Vorbereitung: Die PSA sucht psychisch stabile, teamorientierte Beamte. Keine risikogeilen Einzelkämpfer, Zuverlässigkeit und Besonnenheit sind entscheidend.
Häufig gestellte Fragen zum PSA Auswahlverfahren
Was ist die PSA der Bundespolizei?
Die PSA (Polizeiliche Schutzaufgaben Ausland) ist eine Einheit der Bundespolizei, die deutsche Botschaften und diplomatische Vertretungen in Krisen- und Konfliktgebieten schützt, darunter Einsatzorte wie Kabul, Bagdad, Kyjiw und Islamabad. Gegründet 2008, Standort Sankt Augustin.
Welche Voraussetzungen braucht man für die PSA?
Voraussetzung ist eine abgeschlossene Ausbildung als Polizeivollzugsbeamter im mittleren oder gehobenen Dienst der Bundespolizei. Es gibt einen internen Auswahlprozess mit Sporttest (PPF-Richtwert: ~3.000 m Cooper und rund 10 Klimmzüge; die Bundespolizei veröffentlicht keine offiziellen PSA-Werte), Eignungsprüfung und Einzelgesprächen. Höchstalter typischerweise 40 Jahre.
Wie läuft das PSA-Auswahlverfahren ab?
Das PSA-Auswahlverfahren umfasst Sporttest, K-SAV-Lehrgang (Kompetenzerwerb für Schutzaufgaben im Ausland), medizinische Tauglichkeit, psychologische Eignung und Einzelgespräche. Nach Bestehen folgt die spezifische Ausbildung. Die Bestehensquote liegt bei 40–60 %.
Welche Bezahlung gibt es bei PSA-Einsätzen?
Zusätzlich zum Grundgehalt (Besoldungsgruppe Bundespolizei) gibt es Auslandsverwendungszuschlag (AVZ) von bis zu 153 €/Tag in Kriegsgebieten. Der Einsatzrhythmus beträgt typischerweise 3 Monate Auslandseinsatz / 6 Monate Inlandsphase.
Wie bereite ich mich auf das PSA-Auswahlverfahren vor?
Systematische Vorbereitung über 6–9 Monate: Cooper 3.000+ m, 10+ Klimmzüge, Kampfsport-Grundlagen, mentale Stabilität unter Stress. PPF Germany bereitet in 1:1-Coaching auf vergleichbare Auswahlverfahren vor, 738 dokumentierte Kandidaten, 70 % Bestehensquote (EAV-Report 2026).
Wie lange dauert ein PSA-Auslandseinsatz?
Standardrotation sind drei Monate Auslandseinsatz, gefolgt von sechs Monaten Inlandsphase mit Fortbildung, Lehrgängen und Wissenstransfer. Über mehrere Jahre wechseln PSA-Beamte zwischen verschiedenen Einsatzorten, Kabul, Bagdad, Kyjiw, Islamabad, Ramallah und weitere Hochrisikoländer.
In welchen Ländern ist die PSA aktiv?
Die PSA schützt deutsche Botschaften, Konsulate und diplomatische Vertretungen in Krisengebieten weltweit. Bekannte Einsatzorte sind unter anderem Afghanistan (Kabul), Irak (Bagdad), Ukraine (Kyjiw), Pakistan (Islamabad), Libanon (Beirut), Sudan, Jemen sowie weitere als gefährdet eingestufte Vertretungen. Die genauen Einsatzorte unterliegen dem Schutzbedarf des Auswärtigen Amtes.
Welche Sprachen muss ich für die PSA können?
Englisch auf verhandlungssicherem Niveau ist zwingend. Eine zweite Fremdsprache (Französisch, Russisch, Arabisch) ist je nach Einsatzland vorteilhaft, aber nicht überall Voraussetzung. Sprachkenntnisse werden im Auswahlverfahren überprüft und während der Inlandsphasen durch Lehrgänge ausgebaut.
Wie unterscheidet sich die PSA von der GSG 9?
Die GSG 9 ist eine offensive Antiterror-Einheit für Zugriff und Geiselbefreiung; die PSA ist eine defensiv ausgerichtete Schutzeinheit für stationäre Auslandsverwendungen. Beide sind in Sankt Augustin stationiert und gehören zur Bundespolizei. Die PSA wurde 2008 gegründet, um die GSG 9 vom dauerhaften Botschaftsschutz zu entlasten.
Wie ist die PSA bewaffnet?
Standardbewaffnung umfasst Pistole (HK P30/SFP9), Maschinenpistole (HK MP7) und Sturmgewehre (G36 / HK416) sowie Präzisionswaffen für Personenschutzaufgaben. Die genaue Ausstattung variiert je nach Einsatzland und Bedrohungslage. Schutzwesten, ballistische Helme und gepanzerte Fahrzeuge gehören zur Standardausrüstung.
Können sich Frauen bei der PSA bewerben?
Ja, die PSA steht allen Polizeivollzugsbeamten der Bundespolizei offen, unabhängig vom Geschlecht. Die Sport- und Eignungsanforderungen sind für alle Bewerber identisch. Frauenanteile in der PSA sind aufgrund der Einsatzcharakteristik gering, aber es gibt aktive PSA-Beamtinnen.
Kann ich von der PSA zur GSG 9 wechseln?
Ja, ein Wechsel ist möglich, da beide Einheiten zur Bundespolizei gehören und am selben Standort sitzen. Ein PSA-Hintergrund mit Auslandseinsatzerfahrung wird bei einer GSG-9-Bewerbung positiv gewertet, ersetzt aber nicht das eigenständige GSG-9-Eignungsauswahlverfahren mit eigenem Sport-, Schieß- und Belastungstest.
Was ist der Unterschied zwischen PSA, ASE BKA und MEK BKA?
Drei Personenschutz- und Spezialkomponenten, drei klar getrennte Aufträge: Die PSA (Bundespolizei) bewacht deutsche Botschaftsangehörige dauerhaft im Ausland, Standzeiten typischerweise drei bis neun Monate am Stück. Die ASE BKA (Auslands- und Spezialeinsätze) begleitet mobil reisende Schutzpersonen wie Bundesminister oder Verfassungsrichter in Krisengebiete, Einsatzdauer meist Tage bis wenige Wochen. Das MEK BKA arbeitet primär verdeckt im Inland: Langzeitobservation, verdeckte Festnahmen, Zeugenschutz. PSA und ASE sind operativ Personenschutz, MEK ist operativ Observation und Zugriff.
Warum ist die PSA dauerhaft im Ausland, die ASE BKA aber nur tageweise?
Beide Einheiten haben unterschiedliche Schutzaufträge. Die PSA ist an die Schutzpersonen-Liegenschaft gebunden, also eine deutsche Auslandsvertretung mit den dort akkreditierten Personen. Solange diese Vertretung Schutz braucht, bleibt die PSA vor Ort, typischerweise in Drei-bis-Neun-Monats-Rotationen. Die ASE BKA ist an Schutzpersonen gebunden, und die reisen. Sobald ein deutscher Minister oder Verfassungsrichter wieder das Krisengebiet verlässt, geht auch die ASE-Begleitgruppe zurück. Ergebnis: PSA = stationär lang, ASE = mobil kurz.
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