EGB Abzeichen
BundeswehrDeutschland

EGB Potenzialfeststellungsverfahren

Spezialisierte Kräfte des Heeres mit Erweiterter Grundbefähigung

Die Spezialisierten Kräfte des Heeres mit Erweiterter Grundbefähigung (EGB) schließen die Fähigkeitslücke zwischen regulären Fallschirmjägern und dem KSK. Seit 2023 wurde das Auswahlverfahren zum Potenzialfeststellungsverfahren reformiert. Die anschließende Pipeline-Ausbildung dauert rund 12 Monate.

~12 Mon.
Pipeline-Dauer
5
Pflichtmodule
3
Standorte
4
EGB-Kompanien

Was ist die EGB?

Die EGB-Kräfte wurden 2007 aufgestellt und gehören zur Luftlandebrigade 1 der Division Schnelle Kräfte. Ihre Aufgaben umfassen direkte taktische Unterstützung von Spezialkräften, Geiselbefreiungsunterstützung, Jagdkampf und Panzerabwehr hinter feindlichen Linien sowie Ausbildung verbündeter Kräfte. Vier EGB-Kompanien existieren in der Bundeswehr: die 2. und 3. Kompanie des Fallschirmjägerregiments 26 (Zweibrücken) und des Fallschirmjägerregiments 31 (Seedorf).

Das bisherige Auswahlverfahren stammte von 2008 und wurde durch das Fallschirmjägerregiment 31 in Seedorf grundlegend überarbeitet. Die Sudan-Evakuierung im April 2023, bei der EGB-Fallschirmjäger eine zentrale Rolle bei der Extraktion spielten, unterstrich den Bedarf an mehr qualifiziertem Personal. Der zentrale Unterschied des neuen Potenzialfeststellungsverfahrens: Statt eines reinen Bestehen-oder-Scheitern-Tests wird das Gesamtbild der gesamten Auswahlwoche bewertet. Das Ziel ist, keinen geeigneten Kandidaten zu verlieren, nur weil er in einem einzelnen Testfenster nicht auf Spitzenleistung war.

Ein weiteres Kernelement der Reform: Kandidaten erfahren nicht, ob sie einzelne Zeitvorgaben bestanden haben oder nicht. Erst das Gesamtbild der Woche entscheidet über Bestehen oder Nichtbestehen. Jede Kandidatengruppe wird durchgehend von einem OC-Team (Observer and Controller) aus zwei erfahrenen EGB-Soldaten begleitet, die Verhalten, Charakter und Leistungsfähigkeit dokumentieren.

Nach bestandenem Potenzialfeststellungsverfahren folgt die rund 12-monatige Pipeline-Ausbildung, größtenteils am Ausbildungszentrum Spezielle Operationen (AusbZSpezlOp) in Pfullendorf. Erst nach Abschluss aller fünf Pflichtmodule erhält ein Soldat das EGB-Sonderabzeichen.

Standorte

Seedorf (FschJgRgt 31)

Das Fallschirmjägerregiment 31 in Seedorf (Niedersachsen) beherbergt zwei EGB-Kompanien (2. und 3. Kompanie). Das Regiment hat das reformierte Potenzialfeststellungsverfahren entwickelt und erprobt.

Zweibrücken (FschJgRgt 26)

Das Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken (Rheinland-Pfalz) stellt ebenfalls zwei EGB-Kompanien (2. und 3. Kompanie). Beide Regimenter gehören zur Luftlandebrigade 1.

Pfullendorf (AusbZSpezlOp)

Das Ausbildungszentrum Spezielle Operationen in der Staufer-Kaserne Pfullendorf ist der Hauptausbildungsstandort für die Pipeline. Hier finden Nahkampf, Schießtechnik, Gefechtsdrillschießen, SERE und CFR-B statt.

Anforderungen & Voraussetzungen

  • Aktiver Soldat der Bundeswehr
  • Abgeschlossene AGA und SGA (Allgemeine und Spezielle Grundausbildung)
  • Sprungtauglichkeit (Fallschirmspringer-Tauglichkeit / ärztliche Freigabe)
  • Erfahrung im Truppendienst
  • Uneingeschränkte Diensttauglichkeit für jedes Einsatzgebiet
  • Sicherheitsüberprüfung durch den MAD (Militärischer Abschirmdienst)
  • Keine Höhenangst (Ausschlusskriterium)
  • Überdurchschnittliche körperliche Fitness und psychische Belastbarkeit

EGB EAV: Prüfungsbestandteile

017 km Gepäckmarsch (Gelände): max. 52 Minuten mit 20 kg Gepäck, Kampfstiefeln und Feldanzug
02Kleiderschwimmen: 200 m in max. 8 Minuten, anschließend Kleidung im Wasser ausziehen
03Hindernisbahn (Einzeln): max. 2 Minuten 20 Sekunden mit Helm, Waffe und Schutzbrille
04Hallenhindernisparcours: max. 3 Minuten 20 Sekunden
0510 km Eilmarsch (2x): einmal einzeln, einmal als Gruppe, max. 80 Minuten, nur 2 Stunden Pause dazwischen
06Combat-Mindset-Gasse: abgedunkelter Korridor mit 50 Liegestützen, 50 Hock-Strecksprüngen, Pendellauf 5x10m
07Tape Drill: Freund-Feind-Erkennung unter Stress in 60 Sekunden (abgedunkelter Raum mit Taschenlampe)
08Nahkampfstation: 60 Sekunden Sandsackarbeit, kontrollierte Aggression und Durchhaltevermögen
0970 km Durchschlagemarch: mehrtägig mit Abseilen (15m), Verwundetentransport, Flossbau und Gewässerüberwindung
10Gruppenhindernis: mit Trage, Funkgerät und Handwaffen als Team

Ablauf des EGB Auswahlverfahrens im Detail

01

Phase 1: Vorbereitungs- und Einweisungsphase (2 Wochen)

Die ersten zwei Wochen dienen der Vorbereitung und Einweisung. Körperliche Fitness wird vorausgesetzt und nicht gezielt trainiert. Jede Kandidatengruppe erhält ein OC-Team aus zwei erfahrenen EGB-Soldaten, die die Bewerber durchgehend begleiten und Verhalten, Charaktereigenschaften sowie physische und psychische Leistungsfähigkeit dokumentieren.

02

Phase 2: Prüfungswoche (5 Tage)

Die eigentliche Auswahlwoche mit allen Teststationen: Gepäckmarsch, Kleiderschwimmen, Hindernisbahnen, Eilmärsche, Combat-Mindset-Gasse, Tape Drill, Nahkampfstation und der 70 km Durchschlagemarch. Tag 3 ist der härteste Tag: kein Essen, Wecken vor 04:00 Uhr, durchgehende maximale Einzelbelastung ohne Erholungsphasen. Kandidaten erfahren nicht, ob sie einzelne Zeitvorgaben erfüllt haben. Erst das Gesamtbild der Woche entscheidet.

03

Pipeline-Ausbildung: Nahkampf EGB (2 Wochen)

Erstes Pflichtmodul der 12-monatigen Pipeline. Zwei Wochen Nahkampfausbildung in verschiedenen Techniken zur Selbstverteidigung und Festnahme von Zielpersonen ohne Schusswaffen. Training am AusbZSpezlOp Pfullendorf.

04

Pipeline-Ausbildung: Schießtechnik EGB

Schießausbildung auf Spezialkräfte-Niveau. Die Grundlagen werden am AusbZSpezlOp Pfullendorf von Grund auf neu erlernt. Kandidaten lernen, in Winkeln von nur 5 Grad an Kameraden vorbeizuschießen. Dieses Ausbildungsniveau gibt es in der Bundeswehr sonst nur beim KSK in Calw.

05

Pipeline-Ausbildung: Gefechtsdrillschießen EGB

Taktische Scharfschießübungen: Schießen unter Bewegung, unter Stress und in realistischen Gefechtsszenarien. Aufbauend auf der Schießtechnik-Ausbildung.

06

Pipeline-Ausbildung: SERE Level C (inkl. RtoI)

Survival, Evasion, Resistance and Extraction: Überleben, Ausweichen, Widerstand und Rettung. Beinhaltet Resistance to Interrogation (Widerstand gegen Verhör). Gilt als eine der physisch und psychisch forderndsten Ausbildungsphasen, die an die Grenzen des im Training Möglichen geht.

07

Pipeline-Ausbildung: Combat First Responder Bravo (CFR-B)

Erweiterte medizinische Ausbildung. Jeder EGB-Soldat muss intravenöse Zugänge legen, Tourniquets anlegen und schwere Blutungen mit Spezialtechniken versorgen können. Im EGB-Einsatz ist der nächste Arzt oder Sanitäter oft weit entfernt.

Ausbildung nach bestandenem EAV

Nach bestandenem Potenzialfeststellungsverfahren beginnt die rund 12-monatige Pipeline-Ausbildung. Sie umfasst fünf Pflichtmodule: Nahkampf EGB, Schießtechnik EGB, Gefechtsdrillschießen EGB, SERE Level C (inkl. Resistance to Interrogation) und Combat First Responder Bravo. Zusätzlich werden Aufklärung, Sprengmittelhandhabung, Zugangstechniken, Sprachen, Taktik, Fernmeldeausbildung und Abseilen/Fast-Roping aus Hubschraubern ausgebildet. Erst nach Abschluss aller fünf Pflichtmodule erhält ein Soldat das EGB-Sonderabzeichen (Basecap). Die erste Fallschirmjägerin des FschJgRgt 31 hat die vollständige EGB-Ausbildung erfolgreich abgeschlossen.

Besoldung & Vergütung

Während der Pipeline-Ausbildung erhalten Kandidaten eine EGB-Zulage von 250 Euro monatlich. Nach erfolgreichem Abschluss der Pipeline steigt die Zulage auf 500 Euro monatlich. Hinzu kommen die reguläre Besoldung nach Bundesbesoldungsgesetz, Fallschirmspringerzulage und ggf. Auslandsverwendungszuschlag. Die EGB-Qualifikation verbessert die Chancen auf den Berufssoldatenstatus erheblich.

EGB Vorbereitung: Tipps

  • Trainiere den 7 km Gepäckmarsch mit 20 kg regelmäßig: Zielzeit deutlich unter 52 Minuten
  • Kleiderschwimmen üben: 200 m in Uniform, danach Kleidung im Wasser ausziehen und über den Beckenrand werfen
  • Hindernisbahn-Training: Tempo und Technik an Standardhindernissen der Bundeswehr perfektionieren
  • Eilmarsch-Ausdauer aufbauen: 10 km unter 80 Minuten, dann direkt anschließend Belastungsübungen
  • Rucksackmärsche über 30+ km als Grundlagenausdauer für den 70 km Durchschlagemarch
  • Nahkampf-Grundlagen trainieren: kontrollierte Aggression und Durchhaltevermögen am Sandsack
  • Schwimmfähigkeit: mindestens 2x pro Woche Ausdauer- und Kleiderschwimmen
  • Mentale Vorbereitung: übe, unter Erschöpfung und Nahrungsentzug klar zu denken und zu handeln

Häufig gestellte Fragen zum EGB Auswahlverfahren

Was ist der Unterschied zwischen EGB und KSK?

Die EGB-Kräfte schließen die Fähigkeitslücke zwischen regulären Fallschirmjägern und dem KSK. Sie unterstützen das KSK direkt bei Operationen, führen aber auch eigenständige Aufgaben wie Jagdkampf und Panzerabwehr hinter feindlichen Linien durch. Die Ausbildung ist kürzer als beim KSK (12 Monate vs. 2 Jahre), aber deutlich anspruchsvoller als bei regulären Truppen.

Welche Testwerte muss ich beim EGB-Auswahlverfahren schaffen?

Die zentralen Werte: 7 km Gepäckmarsch in max. 52 Minuten mit 20 kg, 200 m Kleiderschwimmen in max. 8 Minuten, Hindernisbahn in max. 2:20, Hallenparcours in max. 3:20, 10 km Eilmarsch in max. 80 Minuten. Dazu kommen Combat-Mindset-Gasse, Tape Drill, Nahkampfstation und der 70 km Durchschlagemarch.

Was hat sich beim EGB-Auswahlverfahren seit der Reform geändert?

Das alte Verfahren von 2008 wurde zum Potenzialfeststellungsverfahren reformiert. Kernunterschied: Nicht ein einzelner Test entscheidet über Bestehen oder Scheitern, sondern das Gesamtbild der gesamten Auswahlwoche. Kandidaten erfahren nicht, ob sie einzelne Zeitvorgaben erreicht haben. Neue Stationen wie die Combat-Mindset-Gasse und Tape Drill wurden eingeführt. Strukturierte Erholungsphasen sollen verletzungsbedingte Ausfälle reduzieren.

Wie hoch ist die Bestehensquote beim EGB-Auswahlverfahren?

Die Bestehensquote variiert je nach Durchgang. Beim reformierten Verfahren bestanden in einem dokumentierten Durchgang 96 von 118 Kandidaten (ca. 81%), da das neue System auf Potenzialerkennung statt auf Aussieben ausgelegt ist. Die eigentliche Selektion erfolgt dann während der 12-monatigen Pipeline-Ausbildung.

Können sich auch Frauen für die EGB bewerben?

Ja. Die erste Fallschirmjägerin des FschJgRgt 31 in Seedorf hat die vollständige EGB-Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und das EGB-Abzeichen erhalten. Es gelten dieselben Anforderungen und Testwerte für alle Bewerber.

Wie lange dauert die gesamte EGB-Ausbildung?

Das Auswahlverfahren umfasst 2 Wochen Vorbereitung plus 1 Woche Prüfung. Danach folgt die rund 12-monatige Pipeline am AusbZSpezlOp Pfullendorf mit fünf Pflichtmodulen: Nahkampf, Schießtechnik, Gefechtsdrillschießen, SERE Level C und Combat First Responder Bravo.

Brauche ich eine Fallschirmspringerqualifikation für die EGB?

Ja, Sprungtauglichkeit ist eine Grundvoraussetzung. Im Gegensatz zum KSK muss die Fallschirmspringer-Tauglichkeit bereits vor dem Auswahlverfahren vorliegen, da die EGB-Kompanien zu den Fallschirmjägerregimentern gehören.

Was ist Tag 3 im EGB-Auswahlverfahren?

Tag 3 ist der härteste Tag der Prüfungswoche. Er simuliert einen realen EGB-Einsatz: kein Essen für den gesamten Tag, Wecken vor 04:00 Uhr, durchgehende maximale Einzelbelastung ohne Erholungsphasen. Hier zeigt sich, wer unter extremer Erschöpfung noch funktionsfähig bleibt.

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