Militärisch26.03.20267 Min. Lesezeit

EGB Auswahlverfahren: Ablauf, Testwerte & Vorbereitung 2026

EGB Auswahlverfahren: Ablauf, Testwerte & Vorbereitung 2026
© Bundeswehr/Carl Schulze

Die Spezialisierten Kräfte des Heeres mit Erweiterter Grundbefähigung (EGB) sind keine Spezialeinheit, die viele kennen. Genau das unterschätzen die meisten Bewerber. Das EGB Auswahlverfahren wurde im April 2023 grundlegend reformiert. Was früher ein klassisches Bestehen-oder-Scheitern-Verfahren war, ist heute ein Potenzialfeststellungsverfahren, das eine ganze Woche dauert und jeden Kandidaten ganzheitlich bewertet.

Dieser Artikel basiert auf den offiziellen Einheitsdaten und dem Informationsstand der Bundeswehr (Stand 2026).

Was sind die EGB Kräfte und wofür existieren sie?

Die EGB Kräfte wurden 2007 aufgestellt. Sie gehören zur Luftlandebrigade 1 der Division Schnelle Kräfte und schließen die Fähigkeitslücke zwischen regulären Fallschirmjägern und dem KSK. Vier EGB-Kompanien existieren in der Bundeswehr: je die 2. und 3. Kompanie des Fallschirmjägerregiments 31 (Seedorf, Niedersachsen) und des Fallschirmjägerregiments 26 (Zweibrücken, Rheinland-Pfalz).

Die Aufgaben der EGB Kräfte: direkte taktische Unterstützung von Spezialkräften, Geiselbefreiungsunterstützung, Jagdkampf und Panzerabwehr hinter feindlichen Linien sowie Ausbildung verbündeter Kräfte. Im April 2023 spielten EGB-Fallschirmjäger eine zentrale Rolle bei der Evakuierung deutscher Staatsbürger aus dem Sudan. Dieser Einsatz unterstrich den Bedarf an mehr qualifiziertem Personal und beschleunigte die Reform des Auswahlverfahrens.

Voraussetzungen: Was du mitbringen musst

  • Aktiver Soldat der Bundeswehr, offen für alle Truppengattungen und Organisationsbereiche (Heer, Luftwaffe, Marine, SKB, Sanität, CIR). Man muss nicht bereits Fallschirmjäger sein.
  • Abgeschlossene AGA und SGA (oder DPA)
  • Sprungtauglichkeit (Fallschirmspringer-Tauglichkeit / ärztliche Freigabe). Muss vor dem Auswahlverfahren vorliegen oder im Rahmen der Versetzung erworben werden
  • Keine starre Altersgrenze seit 2021. In der Praxis bis ca. 35 Jahre realistisch, da die Regenerationsfähigkeit in der Pipeline zum Faktor wird
  • Uneingeschränkte Diensttauglichkeit für jedes Einsatzgebiet
  • Sicherheitsüberprüfung durch den MAD (Militärischer Abschirmdienst)
  • Keine Höhenangst (Ausschlusskriterium)
  • Überdurchschnittliche körperliche Fitness und psychische Belastbarkeit

Der wichtigste Unterschied zum KSK: Die Fallschirmspringer-Tauglichkeit muss vor Beginn des PFV vorliegen, da die EGB-Kompanien direkt den Fallschirmjägerregimentern unterstellt sind. Das Verfahren findet 2–3 Mal pro Jahr statt.

Das Potenzialfeststellungsverfahren: Das Neue an der EGB-Auswahl

Das bisherige Auswahlverfahren stammte von 2008. Das Fallschirmjägerregiment 31 in Seedorf hat es komplett überarbeitet. Der größte Unterschied: Statt eines reinen Bestehen-oder-Scheitern-Tests wird das Gesamtbild der gesamten Auswahlwoche bewertet. Das Ziel laut Bundeswehr: keinen geeigneten Kandidaten zu verlieren, nur weil er in einem einzelnen Testfenster nicht auf Spitzenleistung war.

Jede Kandidatengruppe wird permanent von einem OC-Team (Observer and Controller) aus zwei erfahrenen EGB-Soldaten begleitet. Sie dokumentieren Verhalten, Charaktereigenschaften sowie physische und psychische Leistungsfähigkeit. Das läuft über die gesamte Laufzeit des Verfahrens.

Kritisch zu verstehen: Kandidaten erfahren während des Verfahrens nicht, ob sie einzelne Zeitvorgaben bestanden haben oder nicht. Erst das Gesamtbild der Woche entscheidet über Bestehen oder Nichtbestehen. Wer nach einem schlechten Einzelergebnis aufgibt, verliert. Unabhängig davon, ob er die Zeit technisch gerissen hat oder nicht.

Ablauf: Phase 1 — Vorbereitungs- und Einweisungsphase (2 Wochen)

Die ersten zwei Wochen dienen der Vorbereitung und Einweisung. Körperliche Fitness wird nicht gezielt trainiert. Sie wird vorausgesetzt. In dieser Phase werden die Kandidatengruppen gebildet, die OC-Teams zugeteilt und das Verfahren erklärt. Wer hier zeigt, dass er nicht teamfähig ist oder sich bereits in der Einweisungsphase mental aufgibt, hat schlechte Karten.

Ablauf: Phase 2 — Prüfungswoche (5 Tage)

Die eigentliche Auswahlwoche. Alle Teststationen werden in dieser Woche durchgeführt. Die Reihenfolge ist strukturiert, aber der Gesamtstress ist gewollt kumulativ. Wer nach drei Tagen im Rückstand ist, muss trotzdem weitermachen und liefern.

Tag 3: Der härteste Tag

Tag 3 gilt als der härteste Tag der Prüfungswoche. Er simuliert einen realen EGB-Einsatz: Wecken vor 04:00 Uhr, kein Essen für den gesamten Tag, konstante maximale Einzelbelastung ohne Erholungsphasen. Wer hier noch funktionsfähig denkt und handelt, zeigt genau das, was die EGB Kräfte suchen.

Alle Teststationen im Überblick

StationAnforderung
7 km Gepäckmarsch (Gelände)Max. 52 Minuten mit 20 kg Gepäck, Kampfstiefel, Feldanzug
Kleiderschwimmen200 m in max. 8 Minuten, danach Kleidung im Wasser ausziehen
Hindernisbahn (Einzeln)Max. 2:20 mit Helm, Waffe und Schutzbrille
HallenhindernisparcoursMax. 3:20
10 km Eilmarsch (2x)Max. 80 Minuten, einmal einzeln, einmal als Gruppe. Nur 2 Stunden Pause dazwischen
Combat-Mindset-GasseAbgedunkelter Korridor: 50 Liegestütze, 50 Hock-Strecksprünge, Pendellauf 5x10m
Tape DrillFreund-Feind-Erkennung unter Stress in 60 Sekunden (abgedunkelter Raum, Taschenlampe)
Nahkampfstation60 Sekunden Sandsackarbeit: kontrollierte Aggression und Durchhaltevermögen
GruppenhindernisMit Trage, Funkgerät und Handwaffen als Team

Der 70 km Durchschlagemarch ist das Abschlusselement. Er dauert mehrere Tage und kombiniert körperliche Ausdauer mit technischen Fähigkeiten: Abseilen aus 15 Metern Höhe, Transport von Verwundeten, Flossbau und Gewässerüberwindung. Jeder, der bis hierhin durchhält, hat bewiesen, dass er das Niveau hat.

Die Pipeline-Ausbildung: 12 Monate nach dem EAV

Das bestandene Potenzialfeststellungsverfahren ist erst der Anfang. Die rund 12-monatige Pipeline-Ausbildung findet größtenteils am Ausbildungszentrum Spezielle Operationen (AusbZSpezlOp) in der Staufer-Kaserne Pfullendorf statt. Fünf Pflichtmodule müssen vollständig abgeschlossen werden:

  • Nahkampf EGB (2 Wochen): Techniken zur Selbstverteidigung und Festnahme von Zielpersonen ohne Schusswaffen
  • Schießtechnik EGB: Ausbildung auf Spezialkräfte-Niveau. Schießen in Winkeln von 5 Grad an Kameraden vorbei. Dieses Niveau gibt es in der Bundeswehr sonst nur beim KSK in Calw.
  • Gefechtsdrillschießen EGB: Schießen unter Bewegung, unter Stress und in realistischen Gefechtsszenarien
  • SERE Level C (inkl. Resistance to Interrogation): Überleben, Ausweichen, Widerstand gegen Verhör. Gilt als eine der physisch und psychisch forderndsten Ausbildungsphasen
  • Combat First Responder Bravo (CFR-B): Erweiterte Notfallmedizin: IV-Zugänge legen, Tourniquets, schwere Blutungen versorgen

Zusätzlich zu den fünf Pflichtmodulen werden in der Pipeline weitere Fähigkeiten ausgebildet: Aufklärung, Sprengmittelhandhabung, Zugangstechniken, Sprachen, Taktik, Fernmeldeausbildung und Abseilen/Fast-Roping aus Hubschraubern.

Die Pipeline-Abbruchquote liegt nach Schätzungen bei 30–50%. Erst nach Abschluss aller Pflichtmodule erhält ein Soldat das EGB-Sonderabzeichen: zwei silberfarbene Eichenlaubblätter auf grünem Grund mit goldener Umrandung. Dazu gibt es einen nummerierten Coin und das EGB-Basecap.

Vergütung: Was EGB-Soldaten erhalten

Während der Pipeline-Ausbildung erhalten Kandidaten eine EGB-Zulage von 250 Euro monatlich. Nach erfolgreichem Abschluss der Pipeline steigt die Zulage auf 500 Euro monatlich. Hinzu kommen reguläre Besoldung nach Bundesbesoldungsgesetz, Fallschirmspringerzulage und bei Auslandseinsätzen der Auslandsverwendungszuschlag. Die EGB-Qualifikation verbessert die Chancen auf den Berufssoldatenstatus deutlich.

Vorbereitung: So gehst du ins EGB-Auswahlverfahren

Das EGB-Auswahlverfahren verzeiht keine Schwächen, auch wenn das Potenzialfeststellungsverfahren auf Gesamtbewertung ausgelegt ist. Bei deutlichem Rückstand in mehreren Stationen wird trotzdem aussortiert. Die Vorbereitung muss spezifisch sein.

  • 7 km Gepäckmarsch: Regelmäßig mit 20 kg trainieren. Zielzeit deutlich unter 52 Minuten, nicht knapp darunter
  • Kleiderschwimmen: 200 m in Uniform, danach Kleidung im Wasser ausziehen und über den Beckenrand werfen. Mindestens 2x pro Woche
  • Hindernisbahn: Tempo und Technik an Standardhindernissen der Bundeswehr. Ziel: unter 2 Minuten
  • Eilmärsche: 10 km unter 80 Minuten, danach direkt Belastungsübungen. Die zweite Wiederholung mit nur 2 Stunden Pause entscheidet
  • Langer Grundlagenmarsch: Rucksackmärsche über 30+ km als Basis für den 70 km Durchschlagemarch
  • Nahkampf-Grundlagen: Kontrollierte Aggression und Durchhaltevermögen am Sandsack
  • Mentale Vorbereitung: Übe, unter Erschöpfung und Nahrungsentzug klar zu denken. Das ist der Kern von Tag 3

Für eine strukturierte Vorbereitung speziell auf das EGB-Auswahlverfahren mit Trainingsplänen, Zeitvorgaben-Progressionen und mentalen Techniken für Tag 3 steht der EGB-Report zur Verfügung.

Standorte der EGB

  • Seedorf, Niedersachsen (FschJgRgt 31): 2. und 3. Kompanie. Das Regiment hat das reformierte Potenzialfeststellungsverfahren entwickelt und erprobt.
  • Zweibrücken, Rheinland-Pfalz (FschJgRgt 26): 2. und 3. Kompanie. Beide Regimenter gehören zur Luftlandebrigade 1.
  • Pfullendorf, Baden-Württemberg (AusbZSpezlOp): Hauptausbildungsstandort für alle fünf Pflichtmodule der Pipeline.

EGB vs. KSK: Die entscheidenden Unterschiede

MerkmalEGBKSK
UnterstellungLuftlandebrigade 1 / Division Schnelle KräfteKommando Spezialkräfte, direkt Heeresführung
Ausbildungsdauer (nach EAV)~12 Monate Pipeline~2 Jahre
Fallschirmspringer-TauglichkeitVor EAV erforderlichWird in der Pipeline erworben
Zulage (nach Pipeline)500 €/Monat[UNKLAR]
Schießausbildungs-NiveauSpezialkräfte-Niveau (AusbZSpezlOp)Höchstes Niveau in der Bundeswehr (KSK Calw)
AufgabenUnterstützung SK, Jagdkampf, PanzerabwehrDirekte Aktionen, Auslandsoperationen, SR/HVA

Ein Wechsel von EGB zum KSK ist möglich. EGB-Soldaten müssen das KSK-PFV regulär bestehen. Teile der bereits absolvierten Ausbildung (z.B. SERE C, CFR-B) können auf die zweijährige Kommandoausbildung angerechnet werden. Mehr zum KSK Auswahlverfahren.

Häufige Fehler bei der EGB-Vorbereitung

  • Falsches Pacing am ersten Tag: Wer beim 7-km-Marsch alles raushaut und danach drei Tage nicht regeneriert, scheitert nicht am Sport, sondern an der Einteilung
  • Den Gepäckmarsch ohne Gewicht trainieren. Die 20 kg verändern Schritttechnik und Energieverbrauch komplett
  • Das Kleiderschwimmen unterschätzen. Im Erschöpfungszustand mit nasser Uniform ist es deutlich schwerer als im Becken ohne Ausrüstung
  • Den 70 km Durchschlagemarch als reinen Ausdauertest begreifen. Es sind technische Elemente dabei, die sich nicht ignorieren lassen
  • Mentale Vorbereitung auf Tag 3 vernachlässigen. Nahrungsentzug und Schlafmangel müssen im Training simuliert werden
  • Die Gesamtbewertung falsch interpretieren: Das Potenzialfeststellungsverfahren bedeutet nicht, dass Testwerte egal sind. Es bedeutet, dass ein schlechter Tag nicht automatisch disqualifiziert

Erste Frau mit EGB-Abzeichen — betreut vom PPF Trainer Team

Eine vom PPF Trainer Team betreute Athletin hat als dritte Frau das EGB-Auswahlverfahren bestanden — und als erste Frau überhaupt die anschließende Pipeline-Ausbildung abgeschlossen. Sie hat damit das EGB-Sonderabzeichen erhalten. Im Interview berichtet sie über die Vorbereitung, das Verfahren und was ihr während des Auswahlverfahrens mental geholfen hat.

EGB Sonderabzeichen — zwei silberfarbene Eichenlaubblätter auf grünem Grund
Das EGB-Sonderabzeichen: zwei silberfarbene Eichenlaubblätter auf grünem Grund mit goldener Umrandung

EGB Auswahlverfahren als Frau bestanden — Feedback Interview PPF Germany Coaching

PPF Germany und die EGB Kräfte

PPF Germany hat in der Vergangenheit mit den EGB Kräften für ein Vorbereitungsprojekt zusammengearbeitet und einen ganzen Zug Fallschirmjäger auf das Auswahlverfahren vorbereitet, wovon ein Großteil das AV dann auch bestanden hat und zum Teil auch noch heute als Operator aktiv sind. Mehr zu diesem Projekt kannst du im YouTube Video unten erfahren.

Zusammenarbeit mit Behörden: EGB Vorbereitung durch PPF Germany

Nächster Schritt

Das EGB Auswahlverfahren ist machbar, aber nur mit einer Vorbereitung, die auf die spezifischen Anforderungen ausgerichtet ist. Die kognitiven Anforderungen sind zwar geringer als bei Polizei-Spezialeinheiten, aber die physische und mentale Belastung über eine ganze Woche ist das, was die meisten Kandidaten unterschätzen. Mehr zur kognitiven Vorbereitung auf Auswahlverfahren. Auch wenn der EGB-Fokus klar auf dem körperlichen und mentalen Bereich liegt, hilft kognitive Schärfe bei Tape Drill und Entscheidungsfindung unter Stress.

Für den strukturierten Einstieg in die Vorbereitung: EGB-Report herunterladen. Kostenlos, direkt per WhatsApp.

Niklas Voss

Niklas Voss

Gründer PPF Germany · Ehemaliger Soldat

Niklas ist ehemaliger Soldat und Gründer von PPF Germany. Seit 2019 hat er mit seinem Team aus aktiven Spezialeinheitsangehörigen über 738 Athleten erfolgreich durch militärische und polizeiliche Auswahlverfahren begleitet.

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