Militärisch26.03.20266 Min. Lesezeit

KSK PFV bestehen: Sporttest, Härtephase und Vorbereitung

KSK PFV bestehen: Sporttest, Härtephase und Vorbereitung

Das KSK Potentialfeststellungsverfahren schafft weniger als jeder Zehnte — gemessen von der Erstbewerbung bis zum fertigen Kommandosoldaten. Das PFV selbst bestehen rund 20 bis 25 Prozent der Teilnehmer. Die meisten scheitern, weil sie den tatsächlichen Ablauf nicht kennen und sich auf die falschen Dinge vorbereiten. Hier sind die verifizierten Anforderungen.

Das PFV wurde 2023 reformiert. Der alte EFV-Aufbau ist weg. Stattdessen drei Phasen, die physische Fitness, kognitive Leistungsfähigkeit und psychische Belastbarkeit getrennt messen. Die Universität der Bundeswehr München ist wissenschaftlicher Begleiter des Verfahrens.

Voraussetzungen: Wer kann sich bewerben?

Das KSK rekrutiert ausschließlich aus der Bundeswehr, kein Direkteinstieg für Zivilisten. Zugelassen sind alle Teilstreitkräfte: Heer, Luftwaffe, Marine, Streitkräftebasis, CIR.

  • Aktiver Soldat der Bundeswehr (alle Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche)
  • Mannschaften: mindestens 3 Jahre Dienstzeit
  • Feldwebel: Laufbahnausbildung abgeschlossen
  • Offiziere: Laufbahnausbildung abgeschlossen
  • Höchstalter Mannschaften: 32 Jahre bei Dienstantritt im KSK
  • Höchstalter Unteroffiziere mit Portepee: 35 Jahre bei Dienstantritt
  • Deutsche Staatsangehörigkeit
  • Sicherheitsüberprüfung durch den MAD (Ü2/Ü3)
  • Gesundheitliche Eignung: Verwendungsfähigkeitscode 111/111
  • Bewerbung über den Dienstweg: Zugführer → Kompaniechef → BAPersBw Köln (spätestens 8 Wochen vor PFV-Beginn)

Eine Fallschirmspringerqualifikation ist keine Voraussetzung. Militärisches Freifallspringen (HALO/HAHO) wird in der zweijährigen Basisausbildung nach dem PFV erlernt.

KSK Auswahlverfahren: Die drei PFV-Phasen im Überblick

Das reformierte PFV hat zwei Phasen für Mannschaften und Unteroffiziere, drei für Offiziere. Die Phasen finden nicht am Stück statt, zwischen ihnen kehren die Kandidaten in ihre Einheiten zurück.

PhaseDauerInhaltFür wen
Phase 1ca. 4 Tage12 Teststationen: physische Grundeignung + kognitive LeistungsdiagnostikAlle Bewerber
Phase 2ca. 5 TageHärtephase: Schlafentzug, Rucksackmärsche (25–35 kg), Orientierung, TeamaufgabenAlle Bewerber
Phase 33 TageFührungsprüfung unter Extrembedingungen: taktische Lagebeurteilung, GruppenführungNur Offiziere

Phase 1: Die 12 Teststationen im Detail

Phase 1 dauert etwa vier Tage. Eine nicht bestandene Station bedeutet sofortiges Ausscheiden. Die Stationen bauen auf Grundfitness auf, die Anforderungen liegen aber deutlich darüber. Der frühere 7.000m-Gepäcklauf wurde durch einen 20-km-Marsch ersetzt.

StationDisziplinMindestanforderung
1CAT — Cooper Ausdauertest (12 min Lauf)Offizieller Mindestwert nicht publiziert — Zielwert: 3.000m+
25×1.000m-IntervallläufeSollzeiten: 4:30 / 4:20 / 4:10 / 4:00 / 3:50 min (3 min Pause je Lauf)
3Überziehen[UNKLAR] — genaue Ausführung und Mindestanzahl nicht öffentlich
4KlimmzügeMinimum: 7 Klimmzüge (Obergriff, vollständig ausgehängt)
5Bauchkraftfolge (Sit-ups)Genaue Mindestanzahl nicht öffentlich kommuniziert
6LiegestützeGenaue Mindestanzahl nicht öffentlich kommuniziert
7Psycho-Motorik-Test (PMT)Hallenhindernisparcours, Koordination und Körperbeherrschung unter Zeitdruck
8NahkampfprüfungGrundlegende Nahkampfelemente — [UNKLAR] genaue Inhalte nicht publiziert
9Koordinationsstation[UNKLAR] — koordinative Aufgaben, Inhalte variieren
10VerwundetentransportTransport eines Kameraden (Schlepplauf) — Distanz und Zeitlimit nicht publiziert
11Schwimmtest500m Zeitschwimmen (laut mehrerer Quellen im Kampfanzug)
12Marsch mit Kampfgepäck20 km Marsch mit ca. 20 kg Gepäck

Hinweis zu den Mindestwerten: Das KSK veröffentlicht bewusst nicht alle genauen Grenzwerte, um reine Mindest-Vorbereitung zu verhindern. Verifiziert über mehrere Quellen sind: Klimmzüge (7), die Intervallzeiten (4:30–3:50) und der Marsch (20 km / 20 kg). Angaben zu Sit-ups, Liegestützen, Überziehen und Nahkampf sind [UNKLAR] — trainiere diese Elemente deutlich über einem Minimum.

Der wichtigste Test: 5×1.000m-Intervalllauf

Der 5×1.000m-Intervalllauf ist der häufigste Ausscheidegrund in Phase 1. Die Sollzeiten steigen mit jeder Runde: In Runde 5 muss man schneller sein als in Runde 1, mit vier Läufen in den Beinen.

  • Runde 1: maximale Sollzeit 4:30 min/km
  • Runde 2: maximale Sollzeit 4:20 min/km
  • Runde 3: maximale Sollzeit 4:10 min/km
  • Runde 4: maximale Sollzeit 4:00 min/km
  • Runde 5: maximale Sollzeit 3:50 min/km
  • Pause zwischen den Läufen: jeweils 3 Minuten

Wer die Sollzeit überschreitet, scheidet sofort aus. Wer genau auf der Grenze trainiert, hat in Runde 5 unter PFV-Bedingungen keinen Spielraum mehr. Ziel ist mindestens 15 Sekunden Puffer pro Runde.

Phase 2: Die Härtephase

Phase 2 ist der Hauptausscheidegrund. Die meisten, die Phase 1 bestehen, scheitern hier. Fünf Tage, mit einem Unterschied zu Phase 1: Die konkreten Testinhalte wechseln von Durchgang zu Durchgang, damit sich niemand auf einzelne Stationen vorbereiten kann.

Was sich nicht ändert: mehrtägige Belastung unter Schlafentzug, lange Märsche mit Kampfgepäck (25–35 kg), Orientierung mit Karte und Kompass, Teamaufgaben, Beurteilung von Durchhaltevermögen und Entscheidungsfähigkeit unter Erschöpfung.

Neu im reformierten PFV: Kandidaten werden während Phase 2 medizinisch überwacht. Standort und physiologische Daten laufen in Echtzeit, in Zusammenarbeit mit der Uni der Bundeswehr München. Das erhöht die Sicherheit und macht die Leistungsbeurteilung objektiver.

Wichtige Regelung: Wer während Phase 2 freiwillig abbricht, erhält eine zweijährige Sperre für das PFV. Bei nachgewiesenem Betrug folgt der dauerhafte Ausschluss.

Kognitive Tests: Der unterschätzte Selektionsfaktor

Phase 1 endet nicht mit dem Marsch. Der KSK-Psychologische Dienst führt kognitive Tests durch, teils unmittelbar nach körperlichen Belastungen. Was genau gemessen wird, ist nicht vollständig öffentlich. Klar ist: Das KSK sucht Leute, die unter maximaler Erschöpfung noch klar denken, entscheiden und navigieren können. Reine Athleten kommen hier an ihre Grenzen.

Im PFV folgen kognitive Anforderungen auf körperliche Belastung, genau wie im Einsatz. Wer Kognition und Sport im Training trennt, merkt das spätestens in Phase 1.

Phase 3 (nur Offiziere): Führungsprüfung

Offiziere, die Phase 1 und 2 bestehen, absolvieren zusätzlich eine dreitägige Führungsprüfung: Entscheidungsfindung unter Extrembedingungen, taktische Lagebeurteilung, Gruppenführung. Für Mannschaften und Unteroffiziere entfällt Phase 3.

Was passiert nach dem PFV?

Rund 20 bis 25 Prozent der Phase-1-Teilnehmer bestehen das PFV. Kommandosoldat ist man damit noch nicht. Es folgt die rund zweijährige Basisausbildung: über 20 Lehrgänge an mehr als 17 Schulen weltweit, Arktis bis Dschungel.

Das Sonderabzeichen Kommandosoldat verleiht der KSK-Kommandeur persönlich. Danach folgt die Zuweisung in eine der drei aktiven Kommandokompanien, mindestens 6 Jahre Verpflichtung. Wer von der Erstbewerbung bis zum fertigen Kommandosoldaten durchzählt, kommt auf unter 10 Prozent.

Vorbereitung: Was du 12 bis 18 Monate vor dem PFV trainieren musst

Das KSK empfiehlt 12 bis 18 Monate Vorbereitung. Das PFV testet Qualitäten, die spezifisch trainiert werden müssen — Standardfitness reicht nicht aus. Den vollständigen KSK PFV Trainingsplan gibt es im Guide.

Intervallläufe: Die wichtigste Einzeldisziplin

Trainiere den 5×1.000m-Intervalllauf wöchentlich, Ziel: alle 5 Runden unter 3:40 min. Wer auf 3:50 zielt, hat unter Stress und Erschöpfung keinen Spielraum. Ergänze mit 400m-Sprints und 2-km-Tempoläufen.

Marsch und Rucksacktraining

Start: 10 kg über 10 km, rauf auf 25–35 kg über 25+ km. Gelände, nicht Asphalt. Orientierung mit Karte und Kompass unter Last ist eine eigene Fähigkeit, die trainiert werden muss.

Klimmzüge und Körperkraft

Ziel sind 12 bis 15 saubere Klimmzüge (Obergriff). Mit 7 hat man keinen Puffer. Liegestütze und Sit-ups täglich im Volumen, die genauen Mindestwerte sind nicht publiziert, aber Mengen deutlich über 50 gelten als realistisch. [UNKLAR]: exakte PFV-Mindestzahlen.

Schwimmen

500m Freistil unter Zeitdruck muss sitzen. Dazu: Schwimmen im Kampfanzug oder mit Kleidung. Die Wasserlage ändert sich erheblich, und im PFV gibt es keine Eingewöhnungsrunde.

Kognition unter Erschöpfung

Denkaufgaben nach körperlicher Belastung: Kopfrechnen, Kartenlesen, Entscheidungsaufgaben direkt nach einem Lauf. Das ist die Lücke der meisten Bewerber. Kein reines Sporttraining löst das automatisch. Mehr auf der kognitiven Vorbereitungsseite.

Schlafentzug-Resistenz

Phase 2 arbeitet mit Schlafentzug. Wer das nie simuliert hat, wird in der Härtephase kalt erwischt. Regelmäßig nach 4–5 Stunden Schlaf trainieren, nicht als Dauerzustand, aber als gezieltes Element.

Sold: Was verdient ein Kommandosoldat?

Besoldet wird nach BBesG in den Gruppen A6 bis A13. Dazu eine monatliche Stellenzulage von 1.125 Euro (§23m EZulV), eine einmalige Qualifikationsprämie von 16.000 Euro nach der Basisausbildung und 9.000 Euro pro Jahr ab dem 7. Dienstjahr beim KSK. Sprung- und Taucherdienst sowie Auslandseinsätze bringen weitere Zulagen.

Häufige Fehler bei der PFV-Vorbereitung

  • Intervallläufe nur auf Mindestzeit trainieren — kein Puffer unter PFV-Bedingungen
  • Rucksackmärsche auf Straße statt im Gelände — Orientierung im Terrain nicht trainiert
  • Kognition und Sport trennen — kognitive Leistung unter Erschöpfung nie geübt
  • Zu kurze Vorbereitungszeit — unter 6 Monaten ist strukturell nicht ausreichend
  • Schwimmtest unterschätzen — 500m im Kampfanzug ist anders als Hallenbad-Kraulen
  • Phase 2 ignorieren — die meisten Vorbereitungsprogramme stoppen nach Phase 1
  • Schlafentzug nie simuliert — der stärkste Selektionsfaktor in Phase 2

Fazit

Das PFV selektiert in Stufen. Der Sporttest ist der erste Filter, nicht der entscheidende. Der Ablauf ist bekannt, die verifizierten Anforderungen sind trainierbar. Wer 12 bis 18 Monate strukturiert vorbereitet, hat deutlich bessere Chancen als der Ruf des PFV erwarten lässt.

Wer sich für das Kommando Spezialkräfte bewirbt, sollte auch die EGB-Einheit kennen. Die Spezialisierten Kräfte des Heeres haben ein eigenes Auswahlverfahren mit anderen Anforderungen. Den Vergleich gibt es auf der Auswahlverfahren-Übersicht.

Trainingsplan und Checkliste für das KSK PFV: KSK Guide. Kognitive Vorbereitung: Kognitive Vorbereitung.

Niklas Voss

Niklas Voss

Gründer PPF Germany · Ehemaliger Soldat

Niklas ist ehemaliger Soldat und Gründer von PPF Germany. Seit 2019 hat er mit seinem Team aus aktiven Spezialeinheitsangehörigen über 738 Athleten erfolgreich durch militärische und polizeiliche Auswahlverfahren begleitet.

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