SEK Auswahlverfahren
Spezialeinsatzkommando
Das SEK ist die taktische Spezialeinheit der Landespolizeien. Jedes der 16 Bundesländer hat mindestens ein SEK. Zuständig für bewaffnete Zugriffe, Geiselbefreiungen und Terrorismusbekämpfung. Weniger als 20 Prozent der Bewerber bestehen das mehrtägige Auswahlverfahren.
Was ist das SEK?
Die Spezialeinsatzkommandos (SEK) wurden als Konsequenz aus dem Olympia-Attentat 1972 in München gegründet. Die Innenministerkonferenz beschloss 1974 das Konzept für Spezialeinheiten auf Landesebene. Jedes SEK hat 40 bis 70 Operator und ist je nach Bundesland dem LKA, der Bereitschaftspolizei oder dem Innenministerium zugeordnet. Nur aktive Polizeibeamte mit abgeschlossener Polizeiausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung können sich bewerben.
Die Einsatzzahlen sind beachtlich: Das Berliner SEK absolviert rund 500 Einsätze pro Jahr, die NRW-SEK-Einheiten kommen auf etwa 900 jährlich. Die Aufgaben reichen von der Festnahme bewaffneter Straftäter über Geiselbefreiungen bis hin zu Anti-Terror-Einsätzen. In Bayern, Hessen und NRW gibt es jeweils mehrere SEK-Einheiten, während kleinere Bundesländer ein zentrales SEK in der Landeshauptstadt betreiben.
Einige SEK-Einheiten haben Sonderfähigkeiten: Das SEK Baden-Württemberg ist als einziges SEK im europäischen ATLAS-Netzwerk vertreten, das SEK Südbayern hat eine Alpine Komponente, und die SEK-Einheiten in Hamburg und Bremen verfügen über maritime Einsatzfähigkeiten. Hamburg ist ein Sonderfall: Dort übernimmt das MEK auch klassische SEK-Aufgaben in sogenannten integrierten Gruppen.

SEK-Operator im Einsatz: Taktische Ausrüstung und volle Vermummung gehören zum Standard
Anforderungen & Voraussetzungen
- Abgeschlossene Polizeiausbildung (mittlerer oder gehobener Dienst)
- Mindestens 2 bis 3 Jahre Berufserfahrung im Wach- und Wechseldienst oder einer Einsatzhundertschaft (variiert nach Bundesland)
- Höchstalter für den Einstieg: in der Regel 34 Jahre (Berlin: 32 Jahre)
- Überdurchschnittliche körperliche Fitness in Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit
- Psychische Belastbarkeit, Teamorientierung und Entscheidungsfähigkeit unter Druck
- Einwandfreies Führungszeugnis und Sicherheitsüberprüfung
- Bewerbung auf dem Dienstweg (keine externen Bewerbungen möglich)
SEK EAV: Prüfungsbestandteile
Ablauf des SEK Auswahlverfahrens im Detail
Phase 1: Polizeiärztliche Untersuchung
Erweiterte medizinische Eignungsprüfung, die über die Standard-PDV-300-Anforderungen hinausgeht. Geprüft werden Herz-Kreislauf-Belastbarkeit, Sehvermögen, Gehör und allgemeine Einsatzfähigkeit. Chronische Erkrankungen oder körperliche Einschränkungen führen zum Ausschluss.
Phase 2: Sporttest
Der körperliche Leistungstest variiert nach Bundesland, enthält aber typischerweise: Cooper-Test (Richtwert ca. 2.800 m), 100-m-Sprint (unter 13 Sekunden), mindestens 10 Klimmzüge, Bankdrücken mit 3/4 des Körpergewichts, 50 Sit-ups, Hindernisparcours mit 1,80-m-Mauer sowie einen Abseiltest zur Höhentoleranz. In einigen Bundesländern kommt ein Schwimmtest hinzu.
Phase 3: Kognitive und psychologische Tests
Intelligenztest (verbal, numerisch, figural), Konzentrationstest unter Zeitdruck (ca. 10 Minuten, Geschwindigkeit und Genauigkeit), Reaktionszeittests und Persönlichkeitsdiagnostik. Ergänzt durch Gruppenaufgaben, taktische Simulationen (Planspiele) und bewusst herbeigeführte Stresssituationen durch die Prüfer.
Phase 4: Taktische und Schießprüfung
Waffenhandhabung mit der Dienstpistole und ggf. Maschinenpistole. Schießen unter Belastung und Zeitdruck. Taktische Szenarien, in denen Entscheidungsfähigkeit und Lagebeurteilung unter Stress geprüft werden.
Phase 5: Auswahlgespräch (Kommission)
Strukturiertes Interview vor einer Kommission aus Polizeipsychologen und erfahrenen SEK-Beamten. Themen: Motivation, Umgang mit Gefahrensituationen, Einstellung zu kalkuliertem Risiko, Teamfähigkeit. Sogenannte Rambo-Typen werden gezielt aussortiert. Gesucht werden teamorientierte Bewerber mit Sozialkompetenz und Verantwortungsbewusstsein.

Einsatzbereit: SEK-Beamter in voller Schutzausrüstung neben einem Polizei-Einsatzfahrzeug
Ausbildung nach bestandenem EAV
Nach bestandenem Auswahlverfahren folgt ein sechsmonatiger Basislehrgang mit Sport, Taktik, Recht, Schießausbildung und Überraschungsübungen. Fehlzeiten werden nicht toleriert, Verletzungen können zur Entfernung führen. Danach beginnt eine sechsmonatige Probezeit in einem Stammkommando, in der die Integration ins Team im Mittelpunkt steht. Wer die Probezeit nicht besteht, kehrt in den regulären Polizeidienst zurück. In NRW dauert die Gesamtausbildung für SEK/MEK/VG ein Jahr am LAFP in Selm-Bork.
Ausbildungsmodule im Detail
Schießausbildung
Intensive Ausbildung an allen Waffensystemen: Dienstpistole (z.B. HK SFP9), Maschinenpistole (HK MP5/MP7), Sturmgewehr (HK G36, SIG MCX oder FN SCAR je nach Bundesland), Präzisionsgewehr. Schießen unter Belastung, bei Dunkelheit und in CQB-Szenarien.
Gebäude- und Fahrzeugzugriffe
Taktisches Eindringen in Gebäude und Fahrzeuge. Türöffnungstechniken (mechanisch, hydraulisch, Sprengung), Raumkampf, Geiselbefreiung in geschlossenen Räumen. Training unter maximaler Belastung.
Höhenzugang und Abseilen
Kletterausbildung, Abseilen von Gebäuden und aus Hubschraubern, Fast Roping. Einsatz von Spezialausrüstung für vertikale Zugriffe auf Hochhäuser, Brücken und andere erhöhte Positionen.
Fahrsicherheit und taktisches Fahren
Fahrtechnik unter Extrembedingungen: Verfolgungsfahrten, taktisches Annähern an Einsatzorte, Fahrzeugzugriffe aus der Bewegung. Training mit gepanzerten und ungepanzerten Fahrzeugen.
Nahkampf
Kampfsportausbildung (u.a. Jiu-Jitsu), Festnahmetechniken, Entwaffnung, Einsatz von Hilfsmitteln. Fokus auf kontrollierte Gewaltanwendung und Verhältnismäßigkeit im Polizeieinsatz.
Stressresistenztraining
Gezielte Belastungsübungen, die körperliche Erschöpfung mit Entscheidungsdruck kombinieren. Simulation von Gefahrenlagen, Zeitdruck und unerwarteten Lageänderungen.
Besoldung & Vergütung
SEK-Beamte werden nach dem Besoldungsgesetz ihres Bundeslandes besoldet, abhängig von Dienstgrad und Erfahrungsstufe. Das Grundgehalt liegt bei Einstieg zwischen 2.800 und 3.500 Euro brutto, erfahrene Beamte mit höherem Dienstgrad bei über 4.000 Euro. Hinzu kommt eine Sonderzulage für Spezialeinheiten von 150 bis 400 Euro monatlich je nach Bundesland (in NRW seit 2016 auf 300 Euro angehoben). Trotz des deutlich höheren Risikos ist der finanzielle Unterschied zu regulären Polizeibeamten gleichen Dienstgrades gering.
SEK Vorbereitung: Tipps
- →Beginne mindestens 12 Monate vor dem EAV mit gezielter Vorbereitung
- →Cooper-Test auf mindestens 3.000 m trainieren, besser 3.200+ m
- →Klimmzüge (Obergriff) auf mindestens 15 Wiederholungen steigern
- →Hindernisparcours mit 1,80-m-Mauer regelmäßig üben
- →Kognitive Tests unter Zeitdruck und nach körperlicher Belastung trainieren
- →Höhentraining: Klettern und Abseilen frühzeitig in den Trainingsplan aufnehmen
- →Informiere dich über die spezifischen Anforderungen deines Bundeslandes
- →Hole dir Feedback von aktiven SEK-Beamten oder nutze professionelle Vorbereitung
Häufig gestellte Fragen zum SEK Auswahlverfahren
Wer kann sich für das SEK bewerben?
Ausschließlich aktive Polizeibeamte mit abgeschlossener Polizeiausbildung (mittlerer oder gehobener Dienst) und mindestens 2 bis 3 Jahren Berufserfahrung. Externe Bewerbungen sind nicht möglich. Die Bewerbung erfolgt auf dem Dienstweg über den Vorgesetzten.
Wie unterscheidet sich das SEK-EAV zwischen den Bundesländern?
Die Grundstruktur (Sporttest, kognitive Tests, Schießen, Interview) ist vergleichbar, aber die konkreten Anforderungen und Grenzwerte variieren. Bayern und Hessen haben jeweils zwei SEK-Einheiten, NRW hat mehrere. Berlin setzt typischerweise mindestens 10 Jahre Diensterfahrung voraus, andere Bundesländer akzeptieren Bewerber ab 2 bis 3 Jahren.
Wie lange dauert die SEK-Ausbildung nach bestandenem EAV?
In der Regel 6 Monate Basislehrgang plus 6 Monate Probezeit in einem Stammkommando. In NRW dauert die Gesamtausbildung für SEK/MEK/VG ein Jahr am LAFP in Selm-Bork. Während des gesamten Zeitraums kann die Ausbildung jederzeit beendet werden, wenn die Standards nicht erfüllt werden.
Gibt es eine Altersgrenze für den SEK-Dienst?
Ja. Die Altersgrenze für aktiven SEK-Einsatzdienst liegt bei 40 bis 45 Jahren je nach Bundesland. In Berlin gilt eine Grenze von 42 Jahren (gerichtlich bestätigt als nicht diskriminierend), in NRW liegt sie bei 45 Jahren mit Verlängerungsmöglichkeit. Danach erfolgt die Rückkehr in den regulären Polizeidienst.
Kann man vom SEK zur GSG 9 wechseln?
Ja, der Wechsel ist möglich. Polizeibeamte mit abgeschlossener Ausbildung können sich unabhängig von ihrer aktuellen Dienststelle bei der GSG 9 bewerben. SEK-Erfahrung ist dabei von Vorteil, aber keine Voraussetzung. Das GSG 9 Auswahlverfahren muss in jedem Fall vollständig bestanden werden.
Welche Waffen nutzt das SEK?
Die Bewaffnung variiert nach Bundesland: Als Pistole kommt z.B. die HK SFP9 zum Einsatz, als Maschinenpistole die HK MP5 oder MP7. Als Sturmgewehr werden je nach Bundesland HK G36, SIG MCX (Berlin), FN SCAR-L (Bayern) oder HK416 verwendet. Für Präzisionsschützen stehen HK G27 und G28 zur Verfügung.
Welche Spezialisierungen gibt es beim SEK?
Nach der Grundausbildung können sich SEK-Beamte spezialisieren als: Präzisionsschütze (Sniper), Höhenspezialist (Klettern und Abseilen), Rettungssanitäter (taktischer Sanitäter), Technik-Experte (Zugangsöffnung, Kommunikation, Sprengmittel). Einige SEK-Einheiten bilden zusätzlich Taucher aus.
Wie viel verdient ein SEK-Beamter?
Das Grundgehalt richtet sich nach Dienstgrad und Bundesland. Berufseinsteiger beim SEK verdienen ca. 2.800 bis 3.500 Euro brutto monatlich, erfahrene Beamte über 4.000 Euro. Hinzu kommt eine Sonderzulage für Spezialeinheiten von 150 bis 400 Euro monatlich. In NRW wurde diese Zulage 2016 auf 300 Euro angehoben.
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