KSK Potentialfeststellungsverfahren (PFV)
Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr
Das Kommando Spezialkräfte (KSK) ist die militärische Spezialeinheit der Bundeswehr mit Sitz in Calw. Das Potentialfeststellungsverfahren (PFV) wurde 2023 grundlegend reformiert und besteht aus zwei Phasen (drei für Offiziere). Von der Bewerbung bis zum fertigen Kommandosoldaten schaffen es weniger als 10 Prozent der Kandidaten.
Was ist das KSK?
Das KSK ist die einzige militärische Spezialeinheit Deutschlands auf Verbandsebene. Es wurde 1996 aufgestellt und ist dem Heer unterstellt. Hauptaufgaben sind Kommandooperationen, Aufklärung in der Tiefe des gegnerischen Raums, Geiselbefreiung, Militärberatung und Evakuierungsoperationen. Über 1.500 Soldaten gehören zum KSK, davon etwa 300 Kommandosoldaten in derzeit drei aktiven Kommandokompanien.
Das Potentialfeststellungsverfahren (PFV) ist das Auswahlverfahren für angehende Kommandosoldaten. Das PFV wurde 2023 auf Initiative des damaligen Kommandeurs grundlegend reformiert. Es besteht jetzt aus mehreren getrennten Phasen, die physische Fitness, kognitive Leistungsfähigkeit und psychische Belastbarkeit systematisch prüfen.
Das reformierte PFV findet zweimal jährlich statt, jeweils im April und Oktober. Die Durchführung liegt beim KSK selbst in Calw. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt durch die Universität der Bundeswehr München, die das Verfahren kontinuierlich evaluiert und weiterentwickelt.
Nach bestandenem PFV folgt die rund zweijährige Basisausbildung zum Kommandosoldaten. Erst nach deren erfolgreichem Abschluss wird ein Soldat einer der Kommandokompanien zugewiesen.

Belastungsmarsch: Ein zentraler Bestandteil des KSK Potentialfeststellungsverfahrens
Aufbau & Einsatzeinheiten
011. Kommandokompanie
Eine der vier operativen Kommandokompanien des KSK. Jede Kompanie besteht aus mehreren Kommandozügen zu je vier Kommandotrupps. Die Kompanien sind in der Lage, das gesamte Einsatzspektrum abzudecken.
022. Kommandokompanie (2020 aufgelöst)
Die 2. Kommandokompanie wurde 2020 im Zuge der KSK-Reform aufgelöst und bisher nicht wiederaufgestellt. Die Aufgaben wurden auf die verbleibenden Kompanien verteilt.
033. Kommandokompanie
Dritte operative Kompanie. Die Kommandokompanien rotieren in Bereitschaftszyklen, sodass immer mindestens eine Kompanie in hoher Einsatzbereitschaft steht.
044. Kommandokompanie
Vierte Kommandokompanie. Nach der Basisausbildung werden neue Kommandosoldaten einer der vier Kompanien zugewiesen und durchlaufen dort weitere Spezialisierungen.
05Unterstützungskompanie
Stellt Fernmelde-, Logistik- und Aufklärungsunterstützung für die Kommandokompanien bereit. Auch für Unterstützungssoldaten gibt es ein eigenes Auswahlverfahren.
06Ausbildungs- und Versuchszentrum (AVZ)
Verantwortlich für die Durchführung des PFV, die zweijährige Basisausbildung und die Weiterentwicklung von Taktiken, Techniken und Verfahren. Hier werden auch neue Ausrüstung und Waffensysteme erprobt.
Standorte
Graf-Zeppelin-Kaserne, Calw
Das KSK ist vollständig in der Graf-Zeppelin-Kaserne in Calw (Baden-Württemberg) stationiert. Die Kaserne umfasst Schießanlagen, Sprungturm, Kletterwand, Schwimmbecken, Geländeübungsplätze und das Ausbildungs- und Versuchszentrum. Das PFV findet ebenfalls in Calw und Umgebung statt.
Anforderungen & Voraussetzungen
- Aktiver Soldat der Bundeswehr (alle Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche)
- Mannschaften: mindestens 3 Jahre Dienstzeit
- Feldwebel (Unteroffiziere mit Portepee): Laufbahnausbildung muss abgeschlossen sein
- Offiziere: Laufbahnausbildung muss abgeschlossen sein
- Höchstalter Mannschaften: 32 Jahre bei Dienstantritt im KSK
- Höchstalter Unteroffiziere mit Portepee: 35 Jahre bei Dienstantritt
- Deutsche Staatsangehörigkeit
- Sicherheitsüberprüfung durch den MAD (Ü2/Ü3)
- Gesundheitliche Eignung: Verwendungsfähigkeitscode 111/111
- Bewerbung über den Dienstweg: Zugführer, Kompaniechef, BAPersBw Köln (8 Wochen vor PFV-Beginn)
KSK EAV: Prüfungsbestandteile
Ablauf des KSK Auswahlverfahrens im Detail
Phase 1: Potenzialfeststellungsverfahren (ca. 4 Tage)
Phase 1 prüft die körperliche und kognitive Grundeignung über 12 Teststationen: CAT (Cooper Ausdauertest), 5x1.000m-Intervallläufe mit absteigenden Sollzeiten (4:30 bis 3:50 min), Überziehen, 7 Klimmzüge (Minimum), Bauchkraftfolge (Sit-ups), Liegestütze, Psycho-Motorik-Test (PMT), Nahkampfprüfung, Koordinationsstation, Verwundetentransport, Schwimmtest und Marsch. Der KSK-eigene Psychologische Dienst führt kognitive Leistungsdiagnostik durch. Wer die Mindestanforderungen nicht erfüllt, scheidet sofort aus.
Phase 2: Härtephase (ca. 5 Tage)
Phase 2 ist die eigentliche Belastungsprüfung und der Kern des reformierten PFV. Im Unterschied zur früheren 'Höllenwoche' variieren die konkreten Testinhalte von Durchgang zu Durchgang, um gezielte Vorbereitung auf einzelne Stationen zu verhindern. Konstant sind: mehrtägige physische und mentale Belastung unter Schlafentzug, lange Rucksackmärsche mit Kampfgepäck (25-35 kg), Orientierung im Gelände, Teamaufgaben und die Bewertung von Durchhaltevermögen und Entscheidungsfähigkeit unter Erschöpfung. Die große Mehrheit der Bewerber scheitert in dieser Phase.
Phase 3: Führungsprüfung (nur Offiziere, 3 Tage)
Offiziere, die Phase 1 und 2 bestanden haben, durchlaufen zusätzlich eine dreitägige Führungsprüfung. Hier wird die Fähigkeit geprüft, unter extremen Bedingungen Führungsentscheidungen zu treffen, Gruppen zu leiten und taktische Lagen zu bewerten. Diese Phase ist für Mannschaften und Unteroffiziere nicht relevant.

Nach erfolgreicher Basisausbildung: Berechtigung zum Tragen des Sonderabzeichens Kommandosoldat
Ausbildung nach bestandenem EAV
Nach bestandenem PFV folgt zunächst ein Schiesslehrgang und eine dreimonatige Probezeit, in der Kandidaten ihre Fähigkeiten unter realistischen Bedingungen bestätigen müssen. Danach beginnt die Basisausbildung: rund 2 Jahre für Kommandooffiziere, bis zu 3 Jahre für Kommandofeldwebel. Die Ausbildung umfasst über 20 Lehrgänge an mehr als 17 Schulen weltweit, in verschiedenen Klimazonen (Arktis, Wüste, Dschungel, Gebirge). Nach erfolgreichem Abschluss wird das Sonderabzeichen Kommandosoldat durch den KSK-Kommandeur persönlich verliehen. Absolventen werden einer der drei Kommandokompanien zugewiesen und verpflichten sich zu mindestens 6 Jahren Dienstzeit beim KSK.
Ausbildungsmodule im Detail
Schießausbildung
Intensive Waffenausbildung auf KSK-Niveau. Das KSK-Schießhaus verbraucht rund 600.000 Schuss pro Jahr. Schießen ist das Grundhandwerkszeug jedes Kommandosoldaten.
Raumkampf (CQB)
Häuserkampf, Gebäudestürmung, Geiselrettung. Training im urbanen Umfeld mit scharfer Munition. Einer der anspruchsvollsten Ausbildungsabschnitte.
Sprengausbildung
Ausbildung an verschiedenen Sprengmitteln. Jeder Kommandosoldat wird zum Sprengstoffexperten ausgebildet, von Türöffnungsladungen bis zu taktischen Sprengungen.
Sanitätsausbildung (TCCC)
Taktische Verwundetenversorgung unter Gefechtsbedingungen (Tactical Combat Casualty Care). Das KSK verfügt zusätzlich über einen eigenen Sanitätsspezialzug.
SERE-Training
Survival, Evasion, Resistance, Escape. Enthält einen 100-km-Marsch in 4 Tagen mit schwerem Gepäck und unerwarteten Hindernissen wie Abseilen. Stattfindend am Ausbildungszentrum Spezielle Operationen in Pfullendorf.
Fallschirmspringen (HALO/HAHO)
Militärisches Freifallspringen aus bis zu 12.000 m Höhe. HALO: Schirmöffnung bei ca. 800 m. HAHO: Schirmöffnung nach 10-15 Sekunden, Gleiten über 50+ km zum Zielgebiet per GPS-Navigation.
Verbringungsausbildung
Alle Infiltrationsmethoden: Abseilen aus Hubschraubern, Fast Roping, Tauchen, Sturmboote, Faltkajaks, Motorräder und gepanzerte Fahrzeuge. Ausbildung auf allen Geländetypen.
Klimazonenausbildung
Arktis (Nordkanada, unter -30°C), Wüste (USA/Israel), Dschungel (Belize, 30-Tage-Lehrgang an der britischen Dschungelkampfschule), Gebirge (Österreich). Training in realen Einsatzumgebungen weltweit.
Besoldung & Vergütung
Kommandosoldaten des KSK werden nach dem Bundesbesoldungsgesetz (BBesG) besoldet, üblicherweise in den Gruppen A6 bis A13 je nach Laufbahn und Dienstgrad. Hinzu kommen: Stellenzulage für Kommandosoldaten (1.125 Euro monatlich gemäß §23m EZulV), eine einmalige Qualifikationsprämie von 16.000 Euro bei Abschluss der Basisausbildung sowie 9.000 Euro jährlich für Dienst über 6 Jahre hinaus. Zusätzlich: Erschwerniszulage für Sprungdienst und Tauchereinsätze, Auslandsverwendungszuschlag bei Einsätzen sowie Zulagen für besondere zeitliche Belastung.
KSK Vorbereitung: Tipps
- →Beginne mindestens 12 bis 18 Monate vor dem PFV mit gezielter Vorbereitung
- →Trainiere die 5x1.000m-Intervallläufe regelmäßig: Zielzeit deutlich unter 3:50 min pro Lauf
- →Rucksackmärsche mit 25-35 kg Gepäck über 20+ km sind Pflicht in der Vorbereitung
- →Kognitive Belastbarkeit trainieren: Denkaufgaben unter körperlicher Erschöpfung üben
- →Schlafentzug-Resistenz aufbauen: gelegentlich unter reduziertem Schlaf trainieren
- →Orientierung mit Karte und Kompass im Gelände üben, nicht nur auf der Straße
Videos zur KSK Vorbereitung
Wie du ein Auswahlverfahren trotz 80% Ausfallquote bestehst (SEK, KSK, GSG9 und mehr)
Marschleistung steigern für KSK PFV 2, KSM, EGB etc.
KSK Geiselbefreiung: R&B Ausbildung Teil 1 (mit Markus Gaul)
Häufig gestellte Fragen zum KSK Auswahlverfahren
Wer kann sich für das KSK PFV bewerben?
Jeder aktive Soldat der Bundeswehr kann sich bewerben, unabhängig von Teilstreitkraft oder Organisationsbereich. Mannschaften benötigen mindestens 3 Jahre Dienstzeit. Feldwebel und Offiziere müssen ihre jeweilige Laufbahnausbildung abgeschlossen haben. Voraussetzung sind deutsche Staatsangehörigkeit und die Sicherheitsüberprüfung durch den MAD.
Wie läuft die Bewerbung für das KSK ab?
Die Bewerbung erfolgt über den Dienstweg: zuerst beim Zugführer, dann über den Kompaniechef an das BAPersBw in Köln. Die Bewerbung muss spätestens 8 Wochen vor Beginn des PFV eingehen. Das PFV findet zweimal jährlich statt, jeweils im April und Oktober.
Was hat sich beim KSK PFV seit der Reform 2023 geändert?
Das PFV wurde grundlegend reformiert und besteht jetzt aus mehreren getrennten Phasen: Phase 1 (Fitness-Check, kognitive Tests) und Phase 2 (Härtephase). Die konkreten Testinhalte in Phase 2 variieren von Durchgang zu Durchgang, um gezielte Vorbereitung auf einzelne Stationen zu verhindern. Offiziere durchlaufen zusätzlich Phase 3 (Führungsprüfung). Die Phasen finden nicht am Stück statt.
Wie hoch ist die Bestehensquote beim KSK PFV?
Beim PFV selbst bestehen rund 20 bis 25 Prozent der Bewerber. Das PFV ist aber nur der Einstieg: Die anschließende zweijährige Basisausbildung mit Härtephase, SERE, Freifallausbildung und Abschlussprüfung reduziert die Gesamtquote auf unter 10 Prozent. Von der ersten Bewerbung bis zum fertigen Kommandosoldaten ist der Weg lang.
Brauche ich eine Fallschirmspringerqualifikation vor dem PFV?
Nein, eine Fallschirmspringerqualifikation ist keine Voraussetzung für das PFV. Militärisches Freifallspringen wird in der zweijährigen Basisausbildung nach dem PFV gelehrt. Wer bereits Sprungqualifikationen hat, ist im Vorteil, es ist aber kein Ausschlusskriterium.
Welche Sporttest-Werte muss ich beim KSK PFV schaffen?
In Phase 1 sind die 5x1.000m-Intervallläufe zentral: Die Sollzeiten sinken von 4:30 auf 3:50 Minuten, dazwischen nur kurze Pausen. Dazu kommen Klimmzüge, Liegestütze, Sit-ups, der Psycho-Motorik-Test und ein Schwimmtest (500m Zeitschwimmen). Genaue Mindestwerte variieren, aber die Intervallläufe sind der häufigste Ausscheidegrund in Phase 1.
Wie lange dauert die Ausbildung nach dem PFV?
Die Basisausbildung zum Kommandosoldaten dauert rund zwei Jahre. Sie umfasst Gefechtsausbildung, Häuserkampf, Freifallspringen, Kampfschwimmen, Sprengausbildung, TCCC, SERE-Training und Sprachausbildung. Erst nach Abschluss erhält man das Kommando-Barett und wird einer Kompanie zugewiesen.
Kann ich das PFV wiederholen, wenn ich scheitere?
Ja, eine erneute Bewerbung ist möglich. Es gibt keine offizielle Begrenzung der Versuche, solange die Altersgrenze nicht überschritten ist. Zwischen den Versuchen sollte ausreichend Vorbereitungszeit eingeplant werden. Viele erfolgreiche Kommandosoldaten haben das PFV nicht beim ersten Versuch bestanden.
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