KSK Anforderungen Phase 1 (offizieller Bundeswehr-Flyer 2023): 5×1.000m Intervallläufe mit abfallender Sollzeit von 4:30 bis 3:50 Minuten, mindestens 7 Klimmzüge im Ristgriff, CAT-Test (Computer-Assistiertes Testen, kognitiver Eignungstest — kein Cooper-Lauf), PMT (Psycho-Motorik-Test), Liegestütze, Bauchkraftfolge, Nahkampf, Koordinationsstation, Verwundetentransport und Schwimmen. Phase 2 fordert Orientierungsmärsche mit Karte und Kompass über rund 150 Kilometer. Navigationsfehler können zum Ausschluss führen. Das KSK prüft Funktionsfähigkeit unter Erschöpfung, nicht isolierte Maximalleistungen.
Das Potenzialfeststellungsverfahren (PFV) ist das Auswahlverfahren für angehende Kommandosoldaten. Das PFV wurde 2023 auf Initiative des damaligen Kommandeurs grundlegend reformiert. Es besteht jetzt aus mehreren getrennten Phasen, die physische Fitness, kognitive Leistungsfähigkeit und psychische Belastbarkeit systematisch prüfen.
Das reformierte PFV findet zweimal jährlich statt, jeweils im April und Oktober. Die Durchführung liegt beim KSK selbst in Calw. Die sportwissenschaftliche Fakultät der Universität der Bundeswehr München begleitet das Verfahren und überwacht die medizinischen Daten der Bewerber rund um die Uhr.
Nach bestandenem PFV folgt die rund zweijährige Basisausbildung zum Kommandosoldaten. Erst nach deren erfolgreichem Abschluss wird ein Soldat einer der Kommandokompanien zugewiesen.
Die KSK Vorbereitung unterscheidet sich grundlegend von der Vorbereitung auf Polizei-Spezialeinheiten. Wo SEK und GSG9 einen Sporttest mit definierten Disziplinen verlangen, setzt das KSK auf ein mehrtägiges Potenzialfeststellungsverfahren (PFV), das körperliche, kognitive und charakterliche Eignung unter Extrembedingungen prüft. Wer sich auf das KSK-PFV vorbereitet, braucht nicht nur Fitness, er braucht die Fähigkeit, unter Schlafentzug, physischer Erschöpfung und mentalem Druck Leistung zu zeigen.
Eine realistische KSK Vorbereitung umfasst mindestens 12 Monate systematisches Training, und das erst nach Eintritt in die Bundeswehr und einer Mindestdienstzeit. Der Aufbau folgt drei Schritte: Konditionelle Basis (Monat 1 bis 4): Aerobe Grundlagenausdauer aufbauen, mindestens 4-mal pro Woche laufen, Klimmzüge täglich. Keine Intensität, bis die Basis stimmt. Spezifik (Monat 5 bis 8): 5×1.000m Intervalle exakt im KSK-Prüfungsformat, Gepäckmärsche progressiv von 10 kg/10 km auf 35 kg/25 km steigern, Kognitionstraining nach körperlichen Einheiten. PFV-Simulation (Monat 9 bis 12): Schlaf reduzieren, Aufgaben unter Erschöpfung lösen, Gruppenübungen unter Beobachtung. Das PFV ist kein Test, den man in Form meistert. Es ist ein Test, den man erlebt hat oder nicht.
Das Herzstück des PFV II sind Orientierungsmärsche mit Karte und Kompass über eine Gesamtdistanz von rund 150 Kilometern in etwa fünf Tagen. Einzelne Abschnitte erreichen bis zu 50 Kilometer. Wer falsch navigiert, kann ausgeschlossen werden. Orientierung ist kein Nebenfach. Innerhalb der Märsche warten Belastungsstationen: 70 Burpees und 50 Air Squats nach fünf Kilometern, danach weitermarschieren. Die Progression folgt einer klaren Reihenfolge: zuerst Distanz aufbauen, dann Tempo steigern, zuletzt das Gewicht erhöhen. Niemals parallel. Das Tapering beginnt mehrere Wochen vor dem Verfahren. Der 50-Kilometer-Langmarsch gehört in den letzten Trainingsblock, nicht in die Finalwoche. Wer kein bergiges Gelände hat, nutzt den Stairmaster als Ersatz für die Anstiege im Schwarzwald.
KSK EAV: Prüfungsbestandteile
01Infotag (Phase 0): kurzer Sporttest mit Lauf, Klimmzügen, Jump-over-Burpees, Dips und Koordinationsaufgabe. Die Werte veröffentlicht die Bundeswehr nicht; wir kennen sie aus der Kandidatenbegleitung und besprechen sie im Coaching.
02Phase 1: Kognitive Testung: CAT-Test, Schuhfried-Testbatterie (200+ Items) und Mackworth Clock Test, direkt nach Anreise, häufigster Einzelversagensgrund
03Phase 1: Sporttests: 5×1.000m-Intervallläufe (4:30 bis 3:50 min), 200m Kleiderschwimmen im Kampfanzug (max. 7:30 min), 20km Gepäckmarsch 20 kg (max. 3:30h)
04Phase 1: Krafttests: 7 Klimmzüge Ristgriff, 22 Hand-Release-Push-Ups/30s, 20 Sit-Ups/30s, Nahkampf-Sparring 2 min
05Phase 1: Psycho-Motorik-Test (PMT): Hallenhindernisparcours mit Verwundetentransport (50-kg-Puppe) und koordinativen Zwischenstationen
06Phase 2: Burnardbahn und Urbane Hindernisbahn (inkl. Boardingleiter unter Belastung)
07Phase 2: Wasserhindernisbahn: Kleiderschwimmen unter Wellengang, Tauchen, Apnoe-Prüfung
08Phase 2: Kanalisation: 8 Minuten Dunkelheit mit Baumstamm, Nebel, Lärm und Zeitdruck
09Phase 2: Orientierungsmarsch Schwarzwald: 35 km bei Tag und Nacht, Gesamtdistanz ~150 km, Einzelmärsche bis 50 km
10Phase 2: Station der Ungewissheit: Funksprüche merken unter Schlaf- und Kommunikationsverbot, Finale: 5.000m Wettlauf
11Phase 3 (nur Offiziere): dreitägige Führungsprüfung, taktische Entscheidungen unter Extrembelastung
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