KSM Auswahlverfahren
Kommando Spezialkräfte der Marine
Das Kommando Spezialkräfte der Marine (KSM) ist die Eliteeinheit der Deutschen Marine und besteht aus Kampfschwimmern — den ältesten Spezialoperationskräften der Bundeswehr. Mit einer Bestehensquote von nur 6 bis 13 Prozent zählt das Auswahlverfahren zu den härtesten in ganz Deutschland. Die dreijährige Kampfschwimmerausbildung in Eckernförde gilt weltweit als Benchmark.
Was ist das KSM?
Das KSM hat seinen Standort in Eckernförde am Marinestützpunkt der Deutschen Marine in Schleswig-Holstein. Kampfschwimmer sind auf maritime Spezialoperationen spezialisiert: Aufklärung an Küsten und in Häfen, Sabotage unter Wasser, Geiselbefreiung auf See, Kampftauchen und Aufklärung hinter feindlichen Linien. Das dreistufige Personalfähigkeitsprüfungsverfahren (PFV) selektiert über mehrere Monate hinweg — nur ein Bruchteil der Bewerber besteht alle Phasen. Die Kampfschwimmerausbildung dauert anschließend drei Jahre und ist eine der anspruchsvollsten militärischen Ausbildungen weltweit.
Kampfschwimmer der Deutschen Marine existieren seit den 1950er Jahren und gehören zu den ältesten Spezialoperationskräften der Bundeswehr. Das KSM kooperiert eng mit den Kampftauchern der Marine sowie mit alliierten Spezialeinheiten wie den britischen SBS (Special Boat Service) und den US Navy SEALs. Bei multinationalen Operationen der NATO und EU ist das KSM ein geschätzter Partner.
Die Kombination aus Kampftauchen, Fallschirmspringen, Überlebenstechniken und direkter Aktion macht Kampfschwimmer zu den vielseitigsten Spezialoperationskräften der deutschen Streitkräfte. Anders als das KSK (Heer) liegt der operative Schwerpunkt in maritimen und amphibischen Umgebungen — Küstenregionen, Häfen, Offshore-Infrastruktur und Schiffe.
Standorte
Eckernförde (Marinestützpunkt)
Heimat des Kampfschwimmerkommandos und des KSM. Direkte Lage an der Ostsee ermöglicht maritime Ausbildung unter realen Bedingungen das gesamte Jahr über.
Anforderungen & Voraussetzungen
- Soldat oder Offizier der Deutschen Marine oder anderer Bundeswehrteilstreitkräfte
- Bestandene Grundausbildung und abgeschlossene militärische Ausbildung
- Mindestalter 18 Jahre, Höchstalter in der Regel 25 Jahre für Zeitsoldaten
- Tauglichkeitsstufe T1 (höchste medizinische Tauglichkeit der Bundeswehr)
- Schwimmereignung und Tauchmedizinische Tauglichkeit
- Fallschirmspringereignung (Höhentauglichkeit und Gleichgewichtsvermögen)
- Keine Eintragungen im Führungszeugnis, erweiterte Sicherheitsüberprüfung (SÜ 2 oder höher)
KSM EAV: Prüfungsbestandteile
Ablauf des KSM Auswahlverfahrens im Detail
Phase 1: Medizinische Eignungsuntersuchung
Umfassende Untersuchung auf Tauchtauglichkeit (Druckausgleich, Herz-Kreislauf, Trommelfell), Flug- und Fallschirmspringereignung (Gleichgewichtsorgan, Höhentauglichkeit) sowie allgemeine Tauglichkeitsstufe T1. Chronische Erkrankungen, Fehlsichtigkeit ab gewissen Grenzwerten und orthopädische Einschränkungen führen zum Ausschluss.
Phase 2: Sporttest
Der härteste Teil des PFV. 5 km Lauf in unter 22 Minuten, 1.000 m Schwimmen in unter 24 Minuten (in der Regel im Freibad oder Olympiabecken), 60 Sekunden statisches Zeittauchen, 30 m Streckentauchen unter Wasser, mindestens 8 Klimmzüge aus dem vollständigen Hang sowie 15 Wiederholungen Bankdrücken mit 50 kg. Die Anforderungen simulieren operative Grundbelastungen eines Kampfschwimmers.
Phase 3: Psychologische Eignungsdiagnostik
Kognitive Tests (verbal, numerisch, figural), Konzentrations- und Reaktionstests sowie Persönlichkeitsfragebögen. Im anschließenden Motivationsinterview werden Belastbarkeit, Teamorientierung und die Fähigkeit geprüft, unter extremem psychischem Druck ruhig und entschlossen zu handeln. Einzelgänger und Risikopersönlichkeiten werden gezielt aussortiert.
Ausbildung nach bestandenem EAV
Die Kampfschwimmerausbildung nach bestandenem PFV dauert drei Jahre und findet am Kampfschwimmerkommando in Eckernförde statt. Sie gliedert sich in mehrere Phasen: Basisphase (Kondition, Schwimmen, Tauchen), Spezialisierungsphase (Kampftauchen, Fallschirmspringen, Sprengstoff) und Einsatzphase (taktische Ausbildung, internationale Übungen). Wer eine Phase nicht besteht, wird zurückversetzt.
Ausbildungsmodule im Detail
Kampftauchen
Kreislaufgerättauchen (geschlossenes Atemkreislaufsystem ohne Blasen), Tieftauchen, Orientierung unter Wasser, Sabotageoperationen an Schiffsrümpfen und Unterwasserinfrastruktur. Nacht- und Schlechtwettertauchen.
Fallschirmspringen
Vom Freifall (HAHO/HALO-Verfahren) bis zum statischen Leinensprung. Kampfschwimmer werden für amphibische Operationen ausgebildet, bei denen der Einsatz per Luftlandung ins Operationsgebiet erfolgt.
Maritime Infanterietaktik
Entern und Durchsuchen von Schiffen (Visit Board Search and Seizure), Küstenaufklärung, Härtungsoperationen in Hafenanlagen, Geiselbefreiung auf See in Kooperation mit GSG 9 und alliierten Einheiten.
Sprengstoff und Demolition
Handhabung von Unterwassersprengstoffen, Zerstörung von Infrastruktur unter Wasser, Kampfmittelräumung. Eine der gefährlichsten Phasen der Ausbildung.
Überleben, Ausweichen, Widerstand, Entkommen (SERE)
Überleben in feindlichem Gebiet, Evasion-Techniken, Verhalten bei Gefangennahme, Widerstandsfähigkeit gegen Verhörtechniken. Ziel: Sicherstellung der operativen Geheimhaltung auch unter extremen Bedingungen.
Besoldung & Vergütung
Grundgehalt nach Bundesbesoldung (je nach Dienstgrad und -grad A7–A13 oder entsprechende Soldatenlaufbahn). Kampfschwimmerzulage: 1.125 €/Monat (nach Abschluss der Ausbildung, für aktive Kampfschwimmer). Fallschirmspringerzulage und weitere einsatzbezogene Zulagen. Im Auslandseinsatz zusätzlicher Auslandsverwendungszuschlag.
KSM Vorbereitung: Tipps
- →Schwimmausdauer aufbauen: 1.000 m in unter 24 Minuten erfordert kontinuierliches Training — 3- bis 4-mal pro Woche im Freibad, beginnend mit 400-m-Intervallen, aufsteigend auf 1.500 m Dauerleistung.
- →Tauchen üben: Statisches Apnoetauchen (Zeittauchen) und Streckentauchen im Schwimmbad trainieren — unter sicherer Aufsicht, niemals allein.
- →Laufausdauer auf 5 km unter 22 Minuten bringen — das entspricht einem Tempo von 4:24 min/km. Tempoläufe und Fahrtspiele aufnehmen.
- →Klimmzüge auf 12–15 Wiederholungen steigern, um im Test sicher 8 zu schaffen.
- →Medizinische Tauglichkeit frühzeitig abklären: Trommelfell und Druckausgleich beim HNO-Arzt testen lassen. Probleme beim Druckausgleich sind ein häufiger Ausschlussgrund.
- →Psychische Belastbarkeit bewusst trainieren: Kälteexposition, Wasserkampf, Nachtübungen — das KSM sucht Bewerber, die unter extremen Bedingungen konzentriert bleiben.
- →Kognitive Tests nicht unterschätzen: Merkfähigkeit, räumliches Denken und Konzentration unter Zeitdruck regelmäßig mit App-gestützten Trainings üben.
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