BFE+ Auswahlverfahren 2026: Anforderungen, Ablauf & Vorbereitung

Dezember 2015. Nach den Terroranschlägen in Paris erkennt das Bundesinnenministerium eine kritische Lücke: Die GSG 9 kann nicht an mehreren Orten gleichzeitig eingesetzt werden. Was folgt, ist die Gründung der BFE+, einer neuen Anti-Terror-Einheit der Bundespolizei, die dezentral stationiert ist und die GSG 9 bei gleichzeitigen Lagen entlasten soll.
Wer zur BFE+ will, geht keinen direkten Weg. Es gibt kein offenes Bewerbungsportal, keine Stellenausschreibung. Der Weg führt über Jahre in der regulären Bundespolizei, dann in eine BFE-Einheit und erst dann in Richtung BFE+. Dieser Artikel erklärt, was diesen Weg ausmacht und was im Auswahlverfahren konkret verlangt wird.
Was ist die BFE+ und woher kommt sie?
Die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit Plus (BFE+) ist die Anti-Terror-Komponente der Bundespolizei. Sie wurde am 16. Dezember 2015 von Bundesinnenminister Thomas de Maizière der Öffentlichkeit vorgestellt, als direkte Antwort auf die Terroranschläge vom 13. November 2015 in Paris.
Seit April 2015 hatte eine Arbeitsgruppe des Bundespolizeipräsidiums an einem Konzept für eine 'robuste Einheit' gearbeitet. Die GSG 9 erhielt den Auftrag, das Personal der neuen Einheit auszubilden. Die erste Einheit wurde in der Bundespolizeiabteilung Blumberg aufgebaut. Bis Juni 2017, pünktlich zum G20-Gipfel in Hamburg, war die volle Einsatzbereitschaft aller fünf BFE+ Einheiten hergestellt.
Die BFE+ schließt die taktische Lücke zwischen den regulären Einsatzhundertschaften der Bundespolizei und der GSG 9. Ihr Auftrag: Bei besonderen Gefährdungslagen Angreifer binden, Unbeteiligte schützen, Verletzte versorgen und die GSG 9 bei zeitlich länger dauernden Sonderlagen entlasten. Die fünf Einheiten umfassen insgesamt rund 250 Polizeivollzugsbeamte. Eine Übersicht aller Auswahlverfahren findest du hier.
BFE+ Standorte
Es gibt fünf BFE+ Einheiten in Deutschland. Jede ist einer bestehenden BFE-Hundertschaft angegliedert und bildet innerhalb der Hundertschaft die dritte BFE (neben zwei regulären Einheiten):
- Uelzen (Bundespolizeiabteilung Uelzen, Norddeutschland)
- Blumberg (Bundespolizeiabteilung Blumberg, Baden-Württemberg)
- Bayreuth (Bundespolizeiabteilung Bayreuth, Bayern)
- Sankt Augustin (Bundespolizeiabteilung Sankt Augustin, Nordrhein-Westfalen)
- Hünfeld (Bundespolizeiabteilung Hünfeld, Hessen)
Kein Zufall: Bei gleichzeitigen Terrorlagen in verschiedenen Regionen soll immer eine BFE+ Einheit schnell einsatzbereit sein.
Der einzige Weg zur BFE+: über die reguläre BFE
Der wichtigste Punkt zuerst: Es gibt keine Direktbewerbung bei der BFE+. Wer aus der Bundeswehr kommt, bei einer Landespolizei arbeitet oder sich als Zivilist bewirbt, hat keine Chance — egal wie fit er ist.
Der einzige Weg führt über:
- Polizeiausbildung bei der Bundespolizei (mittlerer oder gehobener Dienst)
- Regulärer Dienst in der Bundespolizei
- Überdurchschnittliche Leistungen in Sporttest, Schießen und Einsatzbewertungen
- Im Optimalfall: Empfehlung durch die BFE-Hundertschaftsführung
- Erweiterte Sicherheitsüberprüfung (SÜ2)
Die Vorauswahl erfolgt intern. Die tägliche Arbeit in der BFE ist also bereits Teil der Selektion. Wer dort nur Mindestleistungen erbringt, hat schlechte Karten. Plane für den gesamten Weg — Bundespolizei-Ausbildung, BFE-Versetzung — mindestens 4 bis 5 Jahre ein.
Aufgaben der BFE+ im Einsatz
Die BFE+ ist nicht für den täglichen Polizeidienst aufgestellt. Ihre Kernaufgaben:
- Entlastung der GSG 9 bei gleichzeitigen Terrorlagen an mehreren Orten
- Binden und Isolieren von Angreifern in aktiven Gefährdungslagen
- Schutz und Evakuierung unbeteiligter Personen aus Gefahrenbereichen
- Taktische Verletztenversorgung unter Bedrohung (TECC)
- Sicherung und Unterstützung bei Einsätzen der GSG 9
- Qualifizierte Zugriffe und Festnahmen in Hochrisikosituationen
Die BFE+ ist kein GSG-9-Ersatz. Sie arbeitet eng mit ihr zusammen, ergänzt und entlastet. Das zeigt sich auch in der Ausbildung: Die Fortbildung der BFE+ Beamten findet bei der GSG 9 in Sankt Augustin/Hangelar statt.
BFE+ vs. GSG 9: die wesentlichen Unterschiede
| BFE+ | GSG 9 | |
|---|---|---|
| Träger | Bundespolizei | Bundespolizei |
| Standorte | 5 (dezentral) | 2 (Sankt Augustin/Hangelar, Berlin) |
| Stärke | ca. 250 Beamte gesamt | Geheim |
| Auftrag | Anti-Terror-Entlastung, Binden von Angreifern, Evakuierung | Anti-Terror, Geiselbefreiung, internationale Einsätze |
| Bewerbungsweg | Nur über reguläre BFE | Über Bundespolizei oder Landespolizei |
| Ausbildung nach EAV | 14 Wochen bei GSG 9 | Mehrmonatige Grundausbildung |
| Einsatzprofil | Nationale Terrorlagen, Entlastungsfunktion | Höchste Risikoeinsätze, national und international |
Die BFE+ ist für viele Bundespolizisten ein Karriereschritt in Richtung GSG 9. BFE+ Erfahrung ist keine Voraussetzung für das GSG 9 Auswahlverfahren, verschafft aber einen messbaren Vorteil: erweiterte taktische Ausbildung, Anti-Terror-Erfahrung und Vertrautheit mit GSG-9-Konzepten.
Das BFE+ Auswahlverfahren: was bekannt ist
Das BFE+ Auswahlverfahren ist nicht öffentlich dokumentiert. Es gibt keinen publizierten Ablauf, keinen Terminkalender und keine offiziellen Mindestwerte. Das Verfahren findet bedarfsabhängig statt — wenn Stellen frei werden, läuft die Information intern über die Hundertschaften.
Die Anforderungen liegen über dem regulären BFE-Niveau. Das BFE-Minimum im Cooper-Test beträgt 3.000 Meter, für die BFE+ wird ein deutlich höherer Wert erwartet. Schießleistung, körperliche Belastbarkeit und Psychologie kommen dazu. Genaue Testformate, Disziplinen und Grenzwerte sind nicht öffentlich bekannt.
Wer sich vorbereiten will, sollte das Gespräch mit BFE+ Beamten am eigenen Standort suchen — sie kennen den aktuellen Ablauf und die konkreten Anforderungen. Allgemeine Informationen zur Vorbereitung auf Sporttests findest du im Sporttest-Artikel und im Klimmzüge-Guide.
Ausbildung nach dem Auswahlverfahren: 14 Wochen bei der GSG 9
Nach bestandenem Auswahlverfahren beginnt die Ergänzungsfortbildung. Sie findet bei der GSG 9 in Sankt Augustin/Hangelar statt und dauert inzwischen 14 Wochen — ursprünglich waren es 6 Wochen. Die Inhalte:
- Erweiterte Schießausbildung (Dienstpistole, Maschinenpistole, unter Bewegung und Stress)
- Close Quarter Battle (CQB): Gebäude- und Raumkampf auf GSG-9-Niveau
- Anti-Terror-Taktik: Notintervention bei aktiven Schusswaffen-Lagen
- Schutz und Evakuierung von Unbeteiligten unter Bedrohung
- Tactical Emergency Casualty Care (TECC), taktische Verletztenversorgung
Nach der Grundausbildung folgen regelmäßige Fortbildungen und gemeinsame Übungen mit der GSG 9. Wer reinkam, kann auch rausfallen. Jährliche Leistungsüberprüfungen sind Standard.
So bereitest du dich auf die BFE+ vor
Wer auf das Auswahlverfahren wartet, hat den Start verpasst. Tag eins in der regulären BFE zählt bereits. Die wichtigsten Prioritäten:
- Cooper-Test auf 3.200 Meter trainieren, nicht auf unter 3.000 m. Trainingsplan als Beispiel: 2x Intervalltraining (800-m-Intervalle), 2x lockere Dauerläufe, 1x Tempolauf pro Woche.
- Klimmzüge auf 12–15 saubere Wiederholungen bringen: Kinn über Stange, kein Schwung. Im Auswahlverfahren fallen die Werte durch Erschöpfung. Wer im Training 10 schafft, wird im Verfahren bei 7 oder 8 landen.
- Schießleistung kontinuierlich verbessern, nicht nur auf Mindestquoten abzielen. Schießen nach körperlicher Belastung trainieren.
- Kognitive Leistung unter Erschöpfung trainieren: nach dem Laufen sofort Konzentrationsaufgaben lösen, Entscheidungen unter Zeitdruck üben. Mehr dazu in Kognitive Vorbereitung.
- In der BFE durch überdurchschnittliche Leistung auffallen.
- Netzwerk aufbauen: Gespräche mit BFE+ Beamten am eigenen Standort über aktuellen Bewerbungsprozess, konkrete Anforderungen und Erfahrungsberichte.
Häufige Fragen zum BFE+ Auswahlverfahren
Kann ich mich direkt bei der BFE+ bewerben?
Nein. Der Weg führt ausnahmslos über die Bundespolizei und dann in eine reguläre BFE-Einheit. Erst nach mindestens zwei Jahren BFE-Erfahrung und mit Empfehlung der Führung kann eine Bewerbung erfolgen. Kein Quereinstieg, keine Ausnahmen.
Was passiert, wenn ich das Auswahlverfahren nicht bestehe?
Wer das BFE+ Verfahren nicht besteht, kehrt in seine reguläre BFE-Einheit zurück, ohne dienstliche Konsequenzen. Meist gilt eine Sperrfrist von einem Jahr. Voraussetzung für eine erneute Bewerbung: Die Hundertschaftsführung empfiehlt erneut. Analysiere genau, woran du gescheitert bist, und arbeite gezielt an den Schwachstellen.
Ist die BFE+ ein Sprungbrett zur GSG 9?
Für viele ja. Die BFE+ verschafft Anti-Terror-Ausbildung und Vertrautheit mit GSG-9-Konzepten — beides hilft im GSG-9-EAV. Eine formale Voraussetzung ist sie nicht. Wer zur GSG 9 will, muss trotzdem das vollständige Auswahlverfahren durchlaufen. Mehr dazu im GSG 9 Auswahlverfahren-Artikel.
Wie oft finden BFE+ Auswahlverfahren statt?
Es gibt keinen öffentlichen Kalender. Die Nachbesetzung erfolgt bedarfsabhängig, typischerweise 1–2 Mal pro Jahr. Die Information über offene Plätze läuft intern über die BFE-Hundertschaften. Wer sich interessiert, muss aktiv das Gespräch mit der Hundertschaftsführung suchen.
BFE+: der Weg, der vor dem Weg beginnt
Kein anderes Auswahlverfahren in Deutschland hat eine so klare Eintrittsbedingung: Du musst bereits drin sein, bevor du dich bewerben kannst. Wer nicht durch die Bundespolizei, durch die BFE und durch die Empfehlung der eigenen Führung ist, kommt nicht rein. Keine Ausnahmen.
Anders als beim SEK oder der GSG 9 gibt es keinen Testtag, auf den man sich einschießen kann. Das Verfahren läuft täglich, mit jedem Einsatz, jeder Leistungsüberprüfung, jedem Kollegen, der sieht wie du arbeitest.
Die sportliche und kognitive Vorbereitung auf das eigentliche Verfahren ist trotzdem entscheidend. Cooper auf 3.000 Meter, Klimmzüge auf 15, Schießen unter Belastung, Kognition unter Erschöpfung. Das sind keine Tipps für das Verfahren allein — das ist der Standard, den du in der BFE täglich zeigen solltest, wenn du zur BFE+ willst.

Niklas Voss
Gründer PPF Germany · Ehemaliger Soldat
Niklas ist ehemaliger Soldat und Gründer von PPF Germany. Seit 2019 hat er mit seinem Team aus aktiven Spezialeinheitsangehörigen über 738 Athleten erfolgreich durch militärische und polizeiliche Auswahlverfahren begleitet.
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