Polizei und Bundeswehr gleichzeitig: Was bei parallelen Bewerbungen erlaubt ist

Eine häufige Frage in unserer Beratung: Kann ich gleichzeitig bei der Polizei und bei der Bundeswehr bewerben? Die kurze Antwort ist: grundsätzlich ja. Die längere Antwort enthält einige wichtige Differenzierungen – und ehrliche Hinweise darauf, wo die Informationslage unklar ist.
Grundsatz: Kein allgemeines Verbot
Es gibt in Deutschland kein allgemeines gesetzliches Verbot, parallel bei Polizei und Bundeswehr zu bewerben. Wer noch Zivilist ist, kann sich grundsätzlich bei beiden Organisationen gleichzeitig im Bewerbungsprozess befinden. Die Entscheidung liegt beim Bewerber, bei welchem Dienstherren er am Ende eintreten möchte.
Ausnahme: Aktive Soldaten und Beamte
Wer bereits im aktiven Dienst ist – als Soldat auf Zeit, Berufssoldat oder Polizeibeamter – muss die internen Regelungen seines Dienstherrn beachten. Parallelbewerbungen können Dienstpflichten berühren, und nicht jede Einheit oder jedes Bundesland behandelt das gleich. Im Zweifel klärt man das direkt mit der eigenen Personalstelle.
Strategischer Vorteil: Mehr Optionen, weniger Risiko
Der offensichtliche Vorteil einer parallelen Bewerbung ist die Risikostreuung. Wer nur auf eine Einheit setzt und dort scheitert, hat seinen Bewerbungszyklus verbrannt und muss von vorne beginnen. Wer parallel bewirbt, hält mehrere Optionen offen. Wenn das EAV bei der Polizei nicht klappt, ist der Bundeswehr-Weg noch offen – und umgekehrt.
Wichtige Unterschiede: Zugangsvoraussetzungen
Hier liegt die entscheidende Einschränkung für parallele Bewerbungen, die viele unterschätzen:
- Bundeswehr Spezialkräfte (KSK/KSM): Es gibt keinen Direkteinstieg von außen. Wer zum KSK oder KSM will, muss zuerst als Soldat eintreten, eine mehrjährige Grundausbildung und Verwendungszeit absolvieren und sich dann intern für das Eignungsverfahren bewerben. Eine parallele Bewerbung als Zivilist direkt zur KSK ist nicht möglich.
- Polizei Spezialeinheiten (SEK, BFE): Zugang über die Landespolizei, nach in der Regel 2–3 Jahren Dienst in der Schutzpolizei. Auch hier gibt es keinen Direkteinstieg als Zivilist direkt ins SEK.
- GSG9: Nur über die Bundespolizei erreichbar. Erst regulärer Bundespolizeidienst, dann Bewerbung zur GSG9.
Was als Zivilist parallel beworben werden kann, ist der Einstieg in die jeweiligen Basisorganisationen: Bundeswehr-Grundlaufbahn einerseits, Landespolizei oder Bundespolizei andererseits. Die Spezialkräfte kommen erst im zweiten Schritt.
Zeitliche Planung: Staffelung statt Kollision
Gleichzeitige Auswahlverfahren an verschiedenen Orten und Terminen können organisatorisch problematisch werden. Wer zwei EAVs in derselben Woche hat, kann nicht an beiden teilnehmen. Klüger ist eine Staffelung: Prioritätseinheit zuerst, zweite Option als Absicherung danach. So bleiben beide Optionen realistisch und ohne Terminkollision.
Körperliche Vorbereitung: Überlappung nutzen
Viele EAV-Anforderungen von Polizei und Bundeswehr überlappen sich erheblich: Klimmzüge, Grundausdauer, Hindernisparcours, Kraftausdauer. Eine solide körperliche Vorbereitung für ein Polizei-EAV ist in der Regel auch eine gute Basis für ein Bundeswehr-Eingangstest. Die Unterschiede liegen eher in spezifischen Tests (bestimmte Sportdisziplinen, kognitive Module) als in der körperlichen Grundanforderung.
Wohnsitzfrage
Für Landespolizeien ist der Hauptwohnsitz im jeweiligen Bundesland oft Voraussetzung oder zumindest vorteilhaft. Bei Bundeswehr und Bundespolizei ist eine bundesweite Bewerbung in der Regel möglich. Die genaue Regelung steht in der jeweiligen Stellenausschreibung.
Empfehlung: Klare Priorität setzen
Parallel bewerben heißt nicht, ohne Priorität bewerben. Wer keine klare erste Wahl hat, riskiert, sich in der Vorbereitung zu verzetteln und beide Verfahren mittelmäßig zu absolvieren statt eines exzellent. Unsere Empfehlung: eine Zieleinheit klar priorisieren und die Vorbereitung auf deren spezifisches Profil ausrichten. Die zweite Option dient als Absicherung, nicht als gleichwertige Alternative.
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Niklas ist ehemaliger Soldat und Gründer von PPF Germany. Seit 2019 hat er mit seinem Team aus aktiven Spezialeinheitsangehörigen über 738 Athleten erfolgreich durch militärische und polizeiliche Auswahlverfahren begleitet.
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