Militärisch25.06.20264 Min. Lesezeit

7 Stolpersteine im EAV, die kaum jemand auf dem Schirm hat

7 Stolpersteine im EAV, die kaum jemand auf dem Schirm hat

Sportlich top, psychologisch solide vorbereitet und trotzdem nicht bestanden. Das sehen wir regelmäßig bei Bewerbern, die auf dem Papier alle Voraussetzungen erfüllen. Nicht an der körperlichen Leistung scheitern sie, nicht am kognitiven Test, sondern an Dingen, die in keiner Ausschreibung stehen.

Seit über 7 Jahren begleiten wir Athleten durch nahezu jedes Auswahlverfahren im deutschsprachigen Raum: KSK, KSM, AAD 10, Jagdkommando, GSG 9, verschiedene SEKs und MEKs der Bundesländer, Personenschutz und weitere Spezialverwendungen. Über die Jahre erkennt man Muster. Bestimmte Stolpersteine tauchen immer wieder auf, werden in der öffentlichen Diskussion aber kaum je erwähnt, weil alle nur über Sport und Psychotests reden.

Hier sind die sieben Punkte, die wir über Jahre hinweg bei fast allen Einheiten beobachtet haben. Je weniger Stellen und je mehr Bewerber, desto teurer werden sie.

1. Ablaufehler beim Hindernisparcours

Fast jedes Auswahlverfahren beinhaltet Hindernisparcours. Manchmal kennt man sie vorher. Oft kommt die Einweisung erst direkt vor Ort. Wer unter Stress die Reihenfolge vergisst, fliegt raus. Merkfähigkeit ist eine Kernkompetenz für zukünftige Operatoren und wird entsprechend früh aussortiert.

Dasselbe gilt für Pendelläufe: Wer im letzten Turn die Pylone nicht sauber berührt und dadurch Sekunden verliert oder die Zeit reißt, ist Geschichte. Auch wenn die sportliche Leistung gepasst hätte. Teilweise gibt es Regeln, dass bestimmte Elemente ausdrücklich nicht berührt werden dürfen. Steht nirgendwo in der Ausschreibung. Kommt erst in der Einweisung vor Ort.

2. Persönliches Auftreten und Außenwirkung

Viele Bewerber verfallen in einen Tunnelblick. Extrem fokussiert, nach innen gerichtet, wollen von allen in Ruhe gelassen werden. Von außen wirkt das schnell arrogant oder verschlossen. Man muss es nicht sein. Man wirkt aber so.

Wer sich nicht für sein Umfeld öffnet, wird als kein Teamplayer abgestempelt. Gerade bei vielen Bewerbern auf wenige Stellen wird auch nach Sympathie entschieden: Wer passt ins Kommando, wer fügt sich ins Teamgefüge ein? Das haben wir bei eigenen Athleten beobachtet, aber auch bei Mitbewerbern, die trotz passender sportlicher und psychologischer Daten genau daran gescheitert sind.

3. Pampige Rückantworten unter Belastung

Im Belastungslauf und bei ähnlichen Disziplinen wird Frustrationstoleranz getestet. Ausbilder provozieren bewusst. Wer dann mit einem lauten 'Ja, ich mache ja schon!' antwortet oder pampige Kommentare gibt, unterschreibt sein eigenes Ende.

Was dann passiert: Sonderbehandlung durch mehrere Ausbilder gleichzeitig, danach in der Regel direkte Herausnahme. Die OCs wollen sehen, wie stressstabil jemand ist. Wer aufgefordert wird aufzugeben oder bewusst provoziert wird, muss trotzdem im Rahmen bleiben und durchziehen. Wer einknickt oder die Beherrschung verliert, ist weg.

4. Merkfähigkeit gezielt trainieren

Ablaufehler lassen sich auf zwei Wegen vermeiden: entweder man kennt den Parcours vorher, oder man hat die Merkfähigkeit so trainiert, dass man auch unter Stress eine Einweisung sauber abspeichern und replizieren kann. Das ist kein Soft-Skill. Das ist eine trainierbare Fähigkeit und gehört zur Vorbereitung.

Wer erst beim EAV merkt, dass er unter Druck wichtige Details vergisst, hat einen blinden Fleck in der Vorbereitung gehabt. Kognitive Trainingsreize — etwa unter körperlicher Belastung neue Abläufe einprägen und wiedergeben — schließen diese Lücke systematisch.

5. Selbstzweifel durch Provokation

Beim Belastungslauf gibt es ein bekanntes Muster: Wer zu weit hinten läuft, hört 'Gib doch auf, das ist nichts für dich.' Wer diese Worte in den Kopf lässt und die Karte zieht, ist draußen. Das klingt simpel. Aber unter körperlicher Erschöpfung nach Stunden eines Auswahlverfahrens ist die Grenze zwischen kontrollierbarem Zweifel und echtem Einbruch sehr viel dünner als man denkt.

Mentale Robustheit unter Erschöpfung ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis von Trainingsreizen, die genau diese Situation simulieren.

6. Position im Feld

Zu weit vorne oder zu weit hinten, beides kann Konsequenzen haben. Nicht weil es sportlich falsch ist, sondern weil es Reaktionen auslöst. Ausbilder schauen, wie jemand auf Sonderdruck reagiert. Wer in Extrempositionen läuft, bekommt diesen Druck gezielt. Das wissen die wenigsten vorher.

7. Kleine Regeln, die nirgendwo stehen

Ob man eine Pylone berühren darf, welche Elemente eines Parcours in welcher Reihenfolge absolviert werden müssen, was bei einem Höhentest erlaubt ist und was nicht: Das steht in keiner Ausschreibung. Es kommt erst in der Einweisung vor Ort. Wer glaubt, er kann sich das schon improvisieren, unterschätzt, wie strikt manche Einheiten dabei aussortieren.

Besonders bei Verfahren mit hohem Bewerberdruck — etwa beim KSK oder bei bestimmten SEKs — werden genau solche Kleinigkeiten genutzt, um aus einem starken Bewerberfeld heraus zu sortieren. Man sucht das Beste aus und braucht dazu Gründe.

Was du jetzt mitnehmen solltest

  • Merkfähigkeit unter Stress gehört zur Vorbereitung, nicht nur Fitness
  • Tunnelblick und Fokus können von außen als Arroganz wirken
  • Provokationen und Aufgabeaufforderungen sind Teil des Tests
  • Verhaltensfehler unter Belastung wiegen schwerer als knapp verpasste Zeiten
  • Regeln vor Ort können über Bestehen oder Nichtbestehen entscheiden
  • Je kleiner der Bewerberpool, desto größer der Puffer. Je größer der Pool, desto teurer werden kleine Fehler.

Das sind keine Gründe zur Panik. Das sind Gründe, die Vorbereitung vollständig zu denken: Sport, Kognition und Auftreten gehören zusammen. Wer nur zwei von drei bearbeitet, spielt mit seiner Chance.

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Im Coaching arbeiten wir Sport, Kognition und Auftreten gemeinsam durch — damit du mit dem vollständigen Bild ins EAV gehst.

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Niklas Voss

Niklas Voss

Gründer PPF Germany · Ehemaliger Soldat

Niklas ist ehemaliger Soldat und Gründer von PPF Germany. Seit 2019 hat er mit seinem Team aus aktiven Spezialeinheitsangehörigen über 738 Athleten erfolgreich durch militärische und polizeiliche Auswahlverfahren begleitet.

Experte für Auswahlverfahren seit 2019Autor-Profil →Alle Trainer

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