Militärisch22.06.20262 Min. Lesezeit

Grenadiere (Schweizer Armee): Warum der Sporttest nur die halbe Eignungsprüfung ist

Grenadiere (Schweizer Armee): Warum der Sporttest nur die halbe Eignungsprüfung ist

Wer sich auf die Grenadier-Eignungsprüfung der Schweizer Armee vorbereitet, schaut meistens nur auf die fünf Sport-Disziplinen. Das ist verständlich, aber zu kurz gedacht. Die Eignungsprüfung in Isone dauert zwei Tage, der Sporttest ist nur ein Teil davon, und rund die Hälfte der Kandidaten besteht sie nicht. Wir begleiten Anwärter durch genau dieses Verfahren und sehen immer wieder dieselben zwei Fehler: Sie trainieren die Disziplinen in der falschen Ausführung, und sie unterschätzen alles, was neben dem Sport noch geprüft wird.

Die fünf Sport-Disziplinen

Das offizielle Sporttest-Dokument der Schweizer Armee legt fünf Disziplinen fest. Wichtig und oft übersehen: Alle Kraftdisziplinen werden im Tarnanzug 90 mit Turnschuhen absolviert, nicht im Sportdress. Das verändert das Bewegungsgefühl spürbar.

DisziplinDurchführung
Liegestützen60 Sekunden, aus der Bauchlage, Hände berühren sich am Rücken, nach dem Strecken berührt eine Hand die andere
Dorsale Rumpfkraftbis maximal 150 Sekunden am Schwedenkasten, im vorgegebenen 1-Sekunden-Takt (Neigung 40 Grad)
KlimmzügeRistgriff, Kinn auf Stangenhöhe, kontrolliert ablassen, maximale Wiederholungen, keine Zeitlimite
Seitliche Rumpfkraftbis maximal 120 Sekunden, Rücken zur Wand, Hüfte im vorgegebenen Takt heben und senken
Einzellauf5 km mit 20 kg Last (Ordonnanzstiefel, Tarnanzug, Rucksack, Stirnlampe), Zeit gemessen

Bestehen heißt Punkte, nicht nur Wiederholungen

Genau hier verschenken die meisten Bewerber Punkte. Jede Disziplin gibt Punkte, und am Ende zählt die Gesamtpunktzahl, nicht das bloße Schaffen einer einzelnen Übung. Dazu kommt eine Hürde, die viele übersehen: Die Selektion läuft über eine Rekrutierungs-Gesamtpunktzahl, und laut der offiziellen Broschüre der Schweizer Armee brauchen angehende Grenadiere mindestens 90 Punkte, um überhaupt für die Grenadier-Rekrutenschule selektiert zu werden. Die Konsequenz fürs Training ist klar: Wer überall nur das Minimum schafft, kommt nicht auf die nötige Punktzahl. Ziel ist ein deutlicher Abstand nach oben in mehreren Disziplinen.

Die Eignungsprüfung ist zwei Tage, nicht ein Sporttest

Der Sporttest ist nur eine Station der zweitägigen Eignungsprüfung in Isone. Dazu kommen eine erweiterte ärztliche Untersuchung, eine psychologische Abklärung mit Motivationsfragen und ein theoretischer Wissensteil. Wer ausschließlich auf den Sport trainiert und am ersten Abend zwar die Disziplinen besteht, aber im Gespräch oder bei der Belastbarkeitsprüfung nicht überzeugt, ist trotzdem draußen. Bei einer Durchfallquote von rund der Hälfte entscheidet selten eine einzelne Disziplin, sondern das Gesamtbild über zwei Tage.

Der häufigste Trainingsfehler: die falsche Version der Übung

Viele Kandidaten sind fit genug und scheitern trotzdem, weil sie die Übungen in einer anderen Ausführung trainiert haben, als der Test verlangt. Drei Klassiker: Liegestütze ohne die geforderte Hand-an-Hand-Berührung am Rücken und ohne durchgehend gerade Körperlinie. Dorsale und seitliche Rumpfkraft ohne den vorgegebenen Sekundentakt, sodass die Wiederholungen nicht zählen. Klimmzüge ohne sauberes, kontrolliertes Ablassen bis zur gestreckten Ausgangslage. Wer die genaue Testausführung nicht von Anfang an trainiert, lässt am Prüfungstag Punkte liegen, die er körperlich längst hätte.

Wie wir auf die Grenadier-Eignungsprüfung vorbereiten

Wir bereiten auf alle drei Ebenen vor: die fünf Disziplinen in exakt der Testausführung und mit Punkt-Reserve statt auf Kante, den belasteten Einzellauf über strukturiertes Marsch- und Gepäcktraining, und die mentale Seite für die psychologische Abklärung. Wie systematisches Marschtraining mit Last funktioniert, zeigen wir im Gepäcklauf-Guide. Die Vorbereitung auf eine verwandte Schweizer Spezialeinheit findest du im AAD10-Trainingsplan. Termine, Disziplinen und Punktegrenzen ändern sich, prüfe vor deiner Bewerbung immer das aktuelle Sporttest-Dokument der Schweizer Armee auf vtg.admin.ch.

Häufige Fragen

Welche Disziplinen hat der Grenadiere-Sporttest?

Fünf: Liegestützen (60 Sekunden, mit Hand-an-Hand-Berührung am Rücken), dorsale Rumpfkraft (bis 150 Sekunden im Takt), Klimmzüge (Ristgriff, ohne Zeitlimite), seitliche Rumpfkraft (bis 120 Sekunden im Takt) und ein Einzellauf über 5 km mit 20 kg Last. Alle Kraftdisziplinen werden im Tarnanzug 90 mit Turnschuhen absolviert.

Wie viele Punkte braucht man bei der Grenadiere-Eignungsprüfung?

Jede Sportdisziplin gibt Punkte, und die Gesamtpunktzahl zählt mehr als das bloße Bestehen einer einzelnen Übung. Für die Selektion zur Grenadier-Rekrutenschule braucht man laut der offiziellen Broschüre der Schweizer Armee mindestens 90 Rekrutierungs-Punkte. Das Minimum überall zu schaffen reicht dafür meist nicht, gefragt ist ein deutlicher Abstand nach oben.

Reicht es, den Sporttest zu bestehen?

Nein. Der Sporttest ist nur eine Station der zweitägigen Eignungsprüfung in Isone. Dazu kommen eine erweiterte ärztliche Untersuchung, eine psychologische Abklärung und ein theoretischer Wissensteil. Rund die Hälfte der Kandidaten besteht die EP nicht, und das selten nur wegen einer einzelnen Sportdisziplin.

Warum scheitern fitte Kandidaten an der Grenadiere-EP?

Häufig an der Ausführung statt an der Fitness. Liegestütze ohne die geforderte Hand-an-Hand-Berührung, Rumpfkraft ohne den vorgegebenen Sekundentakt oder Klimmzüge ohne sauberes Ablassen werden nicht voll gewertet. Wer die genaue Testausführung nicht von Anfang an trainiert, verschenkt Punkte, die er körperlich eigentlich hätte.

Niklas Voss

Niklas Voss

Gründer PPF Germany · Ehemaliger Soldat

Niklas ist ehemaliger Soldat und Gründer von PPF Germany. Seit 2019 hat er mit seinem Team aus aktiven Spezialeinheitsangehörigen über 738 Athleten erfolgreich durch militärische und polizeiliche Auswahlverfahren begleitet.

Experte für Auswahlverfahren seit 2019Autor-Profil →Alle Trainer

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