Militärisch21.06.20263 Min. Lesezeit

AAD10 Trainingsplan: Was die offizielle Vorbereitung leistet, und wo du selbst nachlegen musst

AAD10 Trainingsplan: Was die offizielle Vorbereitung leistet, und wo du selbst nachlegen musst

Anders als bei vielen Spezialeinheiten musst du beim Armeeaufklärungsdetachement 10 (AAD10) der Schweizer Armee nicht raten, wie du dich vorbereitest. Das Kommando Spezialkräfte gibt eine offizielle Trainingsempfehlung für den Vorauswahlkurs heraus, frei abrufbar auf vtg.admin.ch. Das ist ehrlich und gut gemacht. Trotzdem bringt der Plan dich nur bis zu einem bestimmten Punkt. Wir begleiten bei PPF Germany aktuell mehrere Schweizer Athleten in der AAD10-Vorbereitung und sehen genau, wo der offizielle Plan stark ist und wo Bewerber trotzdem scheitern.

Die AAD10-Sportprüfung: die offiziellen Werte

Die Sportprüfung des Vorauswahlkurses läuft über zwei aufeinanderfolgende Tage in einer festen Reihenfolge. Die Reihenfolge ist kein Detail, sie entscheidet mit. Hier die offiziell geforderten Mindestwerte (Quelle: offizielle Trainingsempfehlung der Schweizer Armee, vtg.admin.ch, Stand 2015, plus AAD10-Broschüre 2018):

Disziplin (Reihenfolge)Mindestanforderung (nicht bestanden bei)Bedingungen
1. Klimmzügeunter 10Ristgriff, ohne Unterbruch
2. Rumpfbeugenunter 602 min Pause nach Klimmzügen
3. Liegestützeunter 502 min Pause nach Rumpfbeugen
4. 5-km-Geländelaufüber 24 minSportbekleidung, ca. 30 min nach Liegestützen
5. 8-km-Eilmarschüber 58 minTarnanzug, Feldschuhe, 15 kg, ca. 4 h nach dem Lauf
6. 300-m-Schwimmenüber 10 minTag 2, frühmorgens, Badebekleidung
7. 25-km-EilmarschRichtzeit 3,5 hTarnanzug, Feldschuhe, 25 kg (ohne Verpflegung)

Wichtig zur Einordnung: Klimmzüge, Rumpfbeugen und Liegestütze kommen zwar nacheinander, aber mit definierten Pausen (2 Minuten, 2 Minuten, dann rund 30 Minuten). Es ist also kein Superset ohne Pause, aber sehr wohl ein Ermüdungskontext. Wer die 50 Liegestütze nur isoliert und ausgeruht geübt hat, liegt am Wettkampftag darunter. Genau hier verschenken viele Bewerber ihre Reihung.

Was der offizielle Plan gut macht

  • 12-Wochen-Periodisierung mit drei Leistungsstufen (A, B, C), die zu Beginn per Einstufungstest bestimmt werden. Du trainierst auf deinem Niveau, nicht nach Schema F.
  • Zwei echte Regenerationswochen (Woche 8 und 12) sind fest eingeplant. Das ist seltener und reifer, als man denkt.
  • Eine Testwettkampf-Woche (Woche 10) zur ehrlichen Fortschrittskontrolle vor dem echten Termin.
  • Mustergültige Marsch-Distanzprogression: vom 5-km-Marsch ohne Last bis zu 25-km-Märschen, über zwei Marscheinheiten pro Woche (Donnerstag und Samstag).
  • Intensitätsgesteuertes Lauftraining (70 % und 85 % der Höchstleistung, ergänzt durch Fahrtspiel) statt stumpfem Dauerlauf.

Wo der Plan dich allein lässt

Der offizielle Plan ist eine Trainingsempfehlung, kein Rundum-Coaching. Drei Lücken sehen wir bei unseren Athleten immer wieder. Das Folgende sind unsere Coaching-Empfehlungen, keine offiziellen Armee-Vorgaben:

  • Gewichts-Progression beim Marsch: Der offizielle Plan schreibt die Distanzen wochengenau vor, beim Gewicht sagt er nur 'langsam und kontinuierlich steigern'. Das ist die häufigste Verletzungsquelle. Wir legen eine konkrete, an dein Marschvolumen gekoppelte Lastprogression darüber, damit du am Testtag die 25 kg trägst, ohne dir vorher die Achillessehne oder den Rücken zu ruinieren.
  • Kraft in der Wettkampf-Reihenfolge: Klimmzüge, Rumpfbeugen und Liegestütze müssen in genau dieser Abfolge sitzen, nicht isoliert. Wir trainieren die Verbund-Reihenfolge unter kontrollierter Vorermüdung, damit die 50 Liegestütze auch nach dem oberen Block stehen.
  • Mental, Ernährung und Schlaf: Der offizielle Plan nennt psychische Belastbarkeit als Kriterium und gibt einen Satz zur Ernährung, trainiert aber beides nicht. Beim AAD10, wo nach Insider-Aussage rund 80 Prozent am ersten Kurstag ausfallen, entscheidet genau das. Hier setzt unser strukturiertes mentales Vorbereitungs- und Regenerations-Coaching an.

Wie wir AAD10-Athleten vorbereiten

Wir bauen auf dem offiziellen Gerüst auf und schließen die Lücken. Typische Vorbereitungszeit sind 8 bis 24 Monate, nicht 12 Wochen. Die offizielle Trainingsempfehlung ist auf einen 12-Wochen-Endspurt vor der Sportprüfung ausgelegt, sie baut keine Jahres-Basis auf. Mehrere unserer Athleten sind aktuell offiziell zur Selektion zugelassen. Einige nutzen zusätzlich die Best Sniper Challenge der Schweizer Armee als Realitäts-Probe vor dem Auswahlkurs: vier Tage, 20 Kilometer Marsch mit 25-Kilogramm-Rucksack, unter Winterbedingungen. Wer dort durchkommt, weiß, wo er steht.

Der Auswahlkurs selbst dauert drei Wochen und startet bewusst hart. Das Schweizer Milizsystem verlangt, dass auch ausgeschiedene Bewerber den Kurs physisch zu Ende laufen, sie wandern aber in alternative Module und kehren nicht in die AAD10-Reihung zurück. Wer also nur knapp über den Mindestwerten antritt, hat keinen Puffer für den schlechten Tag, der im Auswahlkurs garantiert kommt. Genau deshalb trainieren wir auf Werte deutlich über dem Minimum.

Mehr zur Einheit, zum dreistufigen Auswahlverfahren und den Voraussetzungen findest du auf unserer AAD10-Einheitenseite.

Hinweis: Die offiziellen Werte stammen aus der Trainingsempfehlung der Schweizer Armee (Stand August 2015) und der AAD10-Broschüre 2018. Anforderungen können sich ändern, prüfe vor deiner Bewerbung immer die aktuelle Ausschreibung auf vtg.admin.ch. Die als PPF-Coaching-Empfehlung gekennzeichneten Punkte sind unsere Trainingspraxis, keine offiziellen Vorgaben der Armee.

Häufige Fragen

Gibt es einen offiziellen AAD10-Trainingsplan?

Ja. Das Kommando Spezialkräfte der Schweizer Armee gibt eine offizielle Trainingsempfehlung für den Vorauswahlkurs heraus, abrufbar auf vtg.admin.ch (Stand August 2015). Sie umfasst 12 Wochen mit drei Leistungsstufen, zwei Regenerationswochen und einer Testwettkampf-Woche. Sie ist solide, deckt aber Mentaltraining, Ernährung und die gewichtsgenaue Marsch-Lastprogression nicht strukturiert ab.

Welche Werte muss ich bei der AAD10-Sportprüfung schaffen?

Die offiziellen Mindestwerte: mindestens 10 Klimmzüge, mindestens 60 Rumpfbeugen, mindestens 50 Liegestütze, 5-km-Geländelauf unter 24 Minuten, 8-km-Eilmarsch mit 15 kg unter 58 Minuten, 300-m-Schwimmen unter 10 Minuten und ein 25-km-Eilmarsch mit 25 kg in einer Richtzeit von 3,5 Stunden. Die Übungen werden in fester Reihenfolge über zwei Tage absolviert.

Werden die Liegestütze unter Ermüdung getestet?

Teilweise. Liegestütze kommen nach Klimmzügen und Rumpfbeugen, aber mit definierten Pausen (2 Minuten nach den Klimmzügen, 2 Minuten nach den Rumpfbeugen, dann rund 30 Minuten vor dem Lauf). Es ist also kein Superset ohne Pause, aber ein klarer Ermüdungskontext. Wer die 50 Liegestütze nur ausgeruht geübt hat, unterschätzt das.

Wie lange sollte ich sie auf das AAD10 vorbereiten?

Die offizielle Trainingsempfehlung ist auf einen 12-Wochen-Endspurt vor der Sportprüfung ausgelegt. Für eine echte Selektionsreife rechnen wir aus der Coaching-Praxis eher mit 8 bis 24 Monaten, weil die aerobe Basis, die Marschfestigkeit unter Last und die mentale Belastbarkeit Zeit brauchen. 12 Wochen reichen, um Werte zu testen, nicht um sie von Grund auf aufzubauen.

Wie hart ist die AAD10-Selektion?

Sehr hart. Nach Insider-Aussage fallen rund 80 Prozent der Bewerber bereits am ersten Tag des dreiwöchigen Auswahlkurses aus. Das Schweizer Milizsystem verlangt, dass auch Ausgeschiedene den Kurs physisch zu Ende laufen, sie kehren aber nicht in die AAD10-Reihung zurück. Wer nur knapp über den Mindestwerten antritt, hat keinen Puffer für den unvermeidlichen schlechten Tag.

Niklas Voss

Niklas Voss

Gründer PPF Germany · Ehemaliger Soldat

Niklas ist ehemaliger Soldat und Gründer von PPF Germany. Seit 2019 hat er mit seinem Team aus aktiven Spezialeinheitsangehörigen über 738 Athleten erfolgreich durch militärische und polizeiliche Auswahlverfahren begleitet.

Experte für Auswahlverfahren seit 2019Autor-Profil →Alle Trainer

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