Allgemein15.03.20264 Min. Lesezeit

Stop The Bleed: Was hinter dem Kurs steckt und wo du ihn in Deutschland machst

Stop The Bleed: Was hinter dem Kurs steckt und wo du ihn in Deutschland machst

Jedes Jahr verbluten in Deutschland Menschen an Verletzungen, die mit einem einfachen Druckverband oder Tourniquet hätten gestoppt werden können. Das Problem ist nicht, dass die Techniken kompliziert wären. Das Problem ist, dass sie kaum jemand kennt.

Stop The Bleed will das ändern. Das Programm wurde in den USA nach dem Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School ins Leben gerufen und hat seitdem über 5 Millionen Menschen in 138 Ländern geschult. Die Idee: Jeder sollte in der Lage sein, eine lebensbedrohliche Blutung zu stoppen, bevor der Rettungsdienst eintrifft.

Sandy Hook und der Hartford Consensus

Am 14. Dezember 2012 erschoss ein Angreifer 20 Kinder und 6 Erwachsene an der Sandy Hook Elementary School in Newtown, Connecticut. Die meisten Opfer starben an ihren Schussverletzungen, bevor medizinische Hilfe eintraf.

In den Monaten danach trafen sich Chirurgen, Militärmediziner und Behördenvertreter zum sogenannten Hartford Consensus. Die zentrale Frage: Was können wir tun, damit bei solchen Ereignissen weniger Menschen verbluten? Die Antwort war im Grunde simpel: Laien beibringen, Blutungen zu stoppen. 2015 wurde daraus unter Präsident Obama die offizielle "Stop The Bleed"-Kampagne.

Warum Blutungskontrolle Leben rettet

Ein paar Zahlen, die man sich merken sollte:

  • 30-40% aller Trauma-Todesfälle gehen auf unkontrollierte Blutungen zurück (Eastridge et al., Journal of Trauma 2012)
  • Bei einer schweren Extremitätenblutung kann ein Mensch sein gesamtes Blutvolumen in unter 5 Minuten verlieren
  • Der Rettungsdienst braucht im Durchschnitt 8-12 Minuten. In ländlichen Gebieten deutlich länger
  • Das US-Militär hat durch Tourniquets die Sterberate bei Extremitätenblutungen um 85% gesenkt

Die Lücke zwischen Verletzung und Rettungsdienst ist das Problem. Und genau in diese Lücke passt Stop The Bleed.

Was du im Kurs lernst

Ein Stop-The-Bleed-Kurs dauert zwischen 2 und 8 Stunden, je nach Anbieter. Die drei Kerntechniken sind immer dieselben:

1. Direkter Druck

Die einfachste Methode: Beide Hände auf die Wunde, so fest wie möglich drücken. Klingt banal, aber in der Praxis traut sich kaum jemand, wirklich mit vollem Körpergewicht auf eine blutende Wunde zu drücken. Im Kurs übst du genau das.

2. Wundpackung (Wound Packing)

Bei tiefen Wunden, in die man nicht einfach von außen drücken kann, wird die Wunde mit Verbandsmaterial oder hämostyptischer Gaze (z.B. Celox oder QuikClot) ausgestopft. Das Material wird fest in die Wunde gepackt und dann Druck ausgeübt. Klingt unangenehm, rettet aber Leben, weil es die Blutung direkt an der Quelle stoppt.

3. Tourniquet-Anlage

Das Tourniquet ist ein Abbindesystem für Arme oder Beine. Man legt es oberhalb der Blutung an und dreht die Windlass (Drehstab), bis die Blutung steht. Im Militär hat das Tourniquet die Überlebensraten bei Extremitätenblutungen komplett verändert. Im zivilen Bereich war es jahrelang verpönt, weil man Angst vor Amputationen hatte. Diese Angst ist mittlerweile widerlegt: Ein korrekt angelegtes Tourniquet kann über Stunden liegen bleiben, ohne bleibende Schäden zu verursachen.

Stop The Bleed in Deutschland: Anbieter und Preise

In Deutschland bieten mehrere Organisationen Stop-The-Bleed-Kurse an. Die Preise und Formate unterscheiden sich teilweise deutlich:

  • Stop the Bleed Germany: 249 EUR, 8 Unterrichtseinheiten, inkl. Tourniquet, Emergency Bandage und Zertifikat
  • MIWI Notfalltrainings: 170 EUR, 8 UE, inkl. STB-Kit, auch als Hybrid-Format
  • Andres Industries AG: Preis auf Anfrage, kombiniert mit TECC-Grundlagen
  • PPF Germany (Bleeding Control Kurs): 99 EUR, 5 Stunden, inkl. C-TECC- und STB-Zertifikat

Preisunterschiede kommen vor allem durch die inkludierten Materialien (Tourniquet, Verbandszeug) und die Kursdauer zustande. Manche Anbieter geben dir ein komplettes Kit mit nach Hause, andere nicht.

Stop The Bleed vs. TECC vs. B-CON

Wer sich mit dem Thema beschäftigt, stolpert schnell über mehrere Kursbezeichnungen. Hier die Abgrenzung:

  • Stop The Bleed (STB): Laien-Kurs, 2-8 Stunden, Fokus auf Blutungskontrolle. Keine taktischen Inhalte, keine Szenarien unter Bedrohung
  • B-CON (Bleeding Control): Erweiterter Laien-/Ersthelfer-Kurs. Geht tiefer in Techniken, oft mit realistischeren Szenarien
  • TECC (Tactical Emergency Casualty Care): Profi-Kurs für Einsatzkräfte, 8-16 Stunden. Deckt das komplette MARCH-Schema ab (nicht nur Blutungen), arbeitet mit dem taktischen 3-Phasen-Modell

Kurz gesagt: Stop The Bleed ist der Einstieg. Wer tiefer will, macht einen B-CON- oder TECC-Kurs.

Für wen ist Stop The Bleed gedacht?

Die ehrliche Antwort: für jeden. Die Kampagne richtet sich bewusst an Laien ohne medizinische Vorkenntnisse. Besonders sinnvoll ist der Kurs aber für:

  • Lehrer und Schulpersonal
  • Sicherheitskräfte und Türsteher
  • Mitarbeiter in öffentlichen Einrichtungen
  • Ersthelfer in Betrieben
  • Eltern (ja, ernsthaft)
  • Jeder, der sich im Notfall nicht hilflos fühlen will

In Deutschland ist das Thema seit den Messerangriffen der letzten Jahre präsenter geworden. 2024 gab es laut Polizeilicher Kriminalstatistik über 29.000 Messerangriffe, also im Schnitt alle 18 Minuten einen. Die Wahrscheinlichkeit, als Ersthelfer mit einer Stichverletzung konfrontiert zu werden, ist real.

Häufige Fragen

Brauche ich medizinische Vorkenntnisse?

Nein. Der Kurs ist für komplette Anfänger konzipiert. Du lernst alles von Grund auf.

Ist das Zertifikat international anerkannt?

Ja. Das Stop-The-Bleed-Zertifikat ist weltweit anerkannt und wird von der American College of Surgeons ausgestellt.

Wie lange ist das Zertifikat gültig?

Die offizielle Empfehlung ist, den Kurs alle 2 Jahre aufzufrischen. Eine starre Verfallsdauer gibt es nicht.

Darf ich ein Tourniquet anwenden, ohne Arzt zu sein?

Ja. In Deutschland gilt: Wer Erste Hilfe leistet, handelt nach dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit. Bei einer lebensbedrohlichen Blutung ist ein Tourniquet verhältnismäßig. Wer nichts tut, macht sich eher der unterlassenen Hilfeleistung schuldig.

Was kostet ein gutes Tourniquet?

Ein geprüftes CAT (Combat Application Tourniquet) kostet zwischen 25 und 35 EUR. Finger weg von No-Name-Produkten unter 10 EUR. Die halten im Ernstfall nicht, was sie versprechen.

Gibt es Stop The Bleed auch als Online-Kurs?

Es gibt eine Online-Komponente auf stopthebleed.org, aber die ersetzt nicht den Praxisteil. Tourniquet anlegen und Wundpackung müssen am Modell geübt werden. Reine Theorie reicht nicht.

Bleeding Control Kurs bei PPF Germany

5 Stunden Praxis, C-TECC- und STB-Zertifikat, ab 99 EUR. Von SOF-Instructors mit echtem Einsatzhintergrund.

Zum Bleeding Control Kurs
NV

Niklas Voss

Gründer PPF Germany · Ehemaliger Soldat

Niklas ist ehemaliger Soldat und Gründer von PPF Germany. Seit 2019 hat er mit seinem Team aus aktiven Spezialeinheitsangehörigen über 738 Athleten erfolgreich durch militärische und polizeiliche Auswahlverfahren begleitet.

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