Streckentauchen und Zeittauchen trainieren: Sicher auf 30 Meter und 60 Sekunden

Kurze Antwort: Der Sporttest der Kampfschwimmer verlangt mindestens 60 Sekunden Zeittauchen und 30 Meter Streckentauchen. Beides ist trainierbar, weil dich dabei nicht dein Lungenvolumen begrenzt, sondern dein Atemreiz, und der entsteht durch steigendes CO₂, nicht durch fehlenden Sauerstoff. Genau deshalb ist Hyperventilation vor dem Tauchen lebensgefährlich: Sie senkt das CO₂, verschiebt den Atemreiz nach hinten und lässt dich ohne Warnung bewusstlos werden, während der Sauerstoff längst zu niedrig ist. Ein sicherer Aufbau dauert etwa acht Wochen, findet nur mit einem beobachtenden Partner statt und baut die Toleranz in Etappen auf: 15, 20, 25, 30 Meter und 30, 40, 45, 60 Sekunden.
Ein Kampfschwimmer-Offizier hat es in einem öffentlichen Interview so beschrieben: Tauchen war für ihn der Brocken. Er begann bei elf Metern Streckentauchen. Nach ein paar Wochen konnte er eine ganze Bahn, und das sei der Schalter gewesen, weil viele Bewerber gar nicht glauben, dass Tauchen trainierbar ist, bevor sie es probiert haben. Ein Ausbilder des Kommandos ergänzt in einem anderen Interview, dass ihm nicht das Streckentauchen, sondern das stille Ausharren beim Zeittauchen immer schwergefallen sei: Sobald du nicht mehr aktiv bist, sondern still hältst, wird es eine andere Liga.
Dieser Artikel erklärt, was beim Tauchen wirklich passiert, wie du beide Disziplinen technisch angehst und wie ein Aufbau aussieht, der dich zur Norm bringt, ohne dich zu gefährden. Der zweite Teil ist der wichtigere. Wer ihn überspringt, sollte nicht tauchen.
Was dich begrenzt: CO₂, nicht Sauerstoff
Wenn du die Luft anhältst, passieren zwei Dinge gleichzeitig: Der Sauerstoff im Blut sinkt langsam, das Kohlendioxid steigt. Den Atemreiz löst das Kohlendioxid aus. Er kommt lange, bevor der Sauerstoff kritisch wird, und er ist bei Untrainierten früh und heftig. Das ist ein Schutzmechanismus, kein Leistungsmangel. Training verschiebt diesen Reiz nicht weg, es lehrt dich, ihn ruhig auszuhalten, und senkt gleichzeitig deinen Sauerstoffverbrauch durch Entspannung und Bewegungsökonomie.
| Begrenzer | Was er bewirkt | Wie er trainiert wird |
|---|---|---|
| CO₂-Toleranz | Der Atemreiz kommt früh und fühlt sich wie Notfall an | Wiederholte kurze Apnoen mit kurzen Pausen, immer unter der Maximaldauer, immer beobachtet |
| Anspannung | Verspannte Muskeln verbrauchen Sauerstoff, der Puls bleibt hoch | Zwerchfellatmung an Land, bewusstes Lösen von Schultern, Kiefer, Händen vor jedem Versuch |
| Bewegungsökonomie (Strecke) | Jeder Zug kostet Sauerstoff, hektische Züge kosten doppelt | Abstoß, lange Gleitphasen, wenige Züge, Zugzahl pro Bahn zählen |
| Kopf | Panik beim ersten Reiz, Abbruch weit vor der Grenze | Reiz als Signal einordnen, nicht als Alarm; feste Routine vor jedem Versuch |
| Lungenvolumen | Spielt eine Nebenrolle | Kaum trainierbar, für 60 Sekunden und 30 Meter auch nicht nötig |
Die Konsequenz für das Training: Du trainierst nicht deine Lunge. Du trainierst dein Nervensystem, ruhig zu bleiben, wenn es unangenehm wird, und deinen Körper, im Wasser weniger zu verbrauchen. Das ist dieselbe Fähigkeit, die im sechswöchigen Auswahllehrgang und in der Hallenphase des ersten Ausbildungsjahres täglich abgefragt wird.
Warum Hyperventilation nicht hilft, sondern tötet
Wer vor dem Tauchen mehrfach tief und schnell atmet, fühlt sich danach länger wohl unter Wasser. Das ist kein Trainingseffekt, sondern eine Manipulation des Warnsystems. Hyperventilation senkt das CO₂ im Blut, ohne den Sauerstoffvorrat nennenswert zu erhöhen. Der Atemreiz kommt dadurch später, der Sauerstoff sinkt aber im gleichen Tempo wie sonst. Das Ergebnis kann ein Blackout ohne jede Vorwarnung sein, oft in den letzten Metern oder Sekunden, wenn du glaubst, es geschafft zu haben.
Deshalb gilt ohne Ausnahme: Vor jedem Tauchversuch normal atmen. Zwei bis drei ruhige, tiefe Atemzüge zur Entspannung sind in Ordnung, eine Serie schneller Atemzüge nicht. Warum Atemtechniken, die auf Hyperventilation setzen, auch für die Stressregulation im Auswahlverfahren ungeeignet sind, haben wir im Artikel über taktisches Atmen erklärt.
Streckentauchen: Technik für 30 Meter
30 Meter sind im 50-m-Becken gut eine halbe Bahn, im 25-m-Becken eine Bahn plus fünf Meter, also mit Wende unter Wasser. Beides lässt sich trainieren, und du weißt vorher nicht, in welchem Becken getestet wird. Die Technik ist in beiden Fällen dieselbe: möglichst weit kommen mit möglichst wenig Bewegung.
- Abstoß: Kräftig von der Wand, Körper gestreckt, Arme vorn, Kopf zwischen den Armen. Die ersten fünf bis sieben Meter kosten dich keinen Zug.
- Tiefe: Etwa einen Meter unter der Oberfläche. Zu flach erzeugt Wellenwiderstand, zu tief kostet Weg nach unten und oben.
- Zug: Ein langer Brustarmzug bis zu den Oberschenkeln, dann gleiten. Erst wenn die Geschwindigkeit spürbar nachlässt, Beinschlag und Arme wieder nach vorn. Ein Zyklus bringt nach unserer Erfahrung gut trainiert vier bis sechs Meter.
- Gleitphase: Der Teil, den fast alle zu kurz machen. Hektische Züge verbrauchen Sauerstoff und bringen kaum Strecke. Zähle deine Züge pro 25 Meter; unser Richtwert ist unter fünf.
- Wende: Im 25-m-Becken die Wand unter Wasser anfassen, Beine anziehen, abstoßen. Vorher trocken und dann im flachen Wasser üben, damit du an der Wand keinen Sauerstoff mit Orientierung verbrauchst.
- Blick und Kopf: Blick zum Boden, Kopf neutral. Nach vorn schauen hebt den Kopf, senkt die Beine und kostet Strecke.
Der Aufbau geht in Etappen: 11, 15, 20, 25, 30 Meter. Jede Etappe ist so lange dran, bis du sie mit spürbarer Reserve und ruhig tauchst, nicht bis du sie irgendwie erreichst. Wer bei 20 Metern hektisch wird, taucht keine 30, egal wie viele Versuche er macht.
Zeittauchen: 60 Sekunden still

Zeittauchen ist statische Apnoe: Du hältst die Luft an, ohne dich zu bewegen, im Test in der Regel im Wasser. Es ist die Disziplin, die den Kopf am stärksten prüft, weil nichts von dem Reiz ablenkt. Der Ausbilder, der oben zitiert wird, hat recht: Sobald du nicht aktiv bist, ist es eine andere Liga.
- Routine vor dem Versuch: Eine Minute ruhige Zwerchfellatmung, Schultern, Kiefer und Hände bewusst lösen. Immer dieselbe Routine, damit der Körper weiß, was kommt.
- Letzter Atemzug: Tief, aber nicht gepresst. Kein Nachschnappen, keine Hyperventilation davor.
- Position: Im flachen Wasser mit dem Gesicht nach unten, Arme locker, Partner hat die Hand auf deiner Schulter oder deinem Rücken. Du bist entspannt, nicht verkrampft am Beckenrand.
- Der erste Reiz: Kommt bei Untrainierten oft schon nach 20 bis 30 Sekunden, individuell sehr verschieden. Er ist ein Signal, kein Befehl. Bleib ruhig, löse die Schultern noch einmal, zähle langsam weiter.
- Kontraktionen: Nach dem ersten Reiz beginnt das Zwerchfell zu zucken. Trainierte halten diese Phase eine Weile ruhig aus. Für 60 Sekunden brauchst du sie nur kurz. Beim ersten Anzeichen von Schwindel, Tunnelblick oder Kribbeln sofort auftauchen.
- Nach dem Auftauchen: Zwei bis drei ruhige, aktive Ausatmungen, dann normal weiter atmen. Nie sofort wieder abtauchen. Mindestens zwei bis drei Minuten Pause, bei Versuchen nahe der Grenze mehr.
Der 8-Wochen-Aufbau
| Wochen | Streckentauchen | Zeittauchen | Regel |
|---|---|---|---|
| 1 bis 2 | Ausgangswert ohne Maximalversuch, Technik: Abstoß, Gleitphase, ein Zug | Ausgangswert im flachen Wasser, 3 Versuche, Fokus Ruhe | Zwerchfellatmung täglich 10 Minuten an Land |
| 3 bis 4 | 4 bis 6 × 15 bis 20 m, mindestens 2 Minuten Pause | 4 × 30 bis 40 Sekunden, 2 bis 3 Minuten Pause | Zugzahl pro 25 m zählen und senken |
| 5 bis 6 | 25 m mit weniger Zügen, einmal pro Woche nach 200 m ruhigem Schwimmen | 45 Sekunden mit Reserve, Kontraktionen kennenlernen | Eine Einheit mit leichter Vorbelastung |
| 7 bis 8 | 30 m mit Wende (25-m-Becken) oder im 50-m-Becken, maximal 3 Versuche nahe der Grenze | 60 Sekunden mit spürbarer Reserve, maximal 3 Versuche | Einmalig beide Normen frühestens 5 Minuten nach dem 1.000-m-Schwimmen testen, deutlich unter der Grenze, Partner dabei |
Zwei Wassereinheiten pro Woche reichen, jeweils am Ende einer Schwimmeinheit, wenn du warm, aber nicht erschöpft bist. Wer nach einer harten 1.000-m-Einheit mit hohem Puls sofort taucht, trainiert nicht seine Toleranz, sondern sein Risiko. Der Test verlangt genau diese Reihenfolge, deshalb übst du sie ab Woche 7, aber mit Erholungspause und Partner. Wie das Tauchen in eine Gesamtwoche mit Laufen, Kraft und Schwimmen passt, steht im Kampfschwimmer-Trainingsplan.
Sicherheitsregeln, die nicht verhandelbar sind
Ein Blackout unter Wasser kündigt sich nicht an. Er passiert erfahrenen Tauchern, meist am Ende eines Versuchs, und er ist nur dann nicht tödlich, wenn jemand dich innerhalb von Sekunden aus dem Wasser holt. Diese Regeln gelten für jeden Versuch, auch für die kurzen.
- Niemals allein. Kein Apnoe- oder Streckentauchtraining ohne einen Partner, der dich durchgehend beobachtet, in Reichweite ist und weiß, was ein Blackout ist. Der Bademeister am anderen Ende der Halle ist kein Partner.
- Keine Hyperventilation. Vor jedem Versuch normal atmen. Wer schneller und tiefer atmet, um länger zu tauchen, schaltet sein Warnsystem ab.
- Ein Versuch nach dem anderen. Nach jedem Versuch mindestens zwei bis drei Minuten normale Atmung, bei Versuchen nahe der Grenze länger. Nie sofort wieder abtauchen.
- Nicht nach Erschöpfung. Kein Tauchen mit hohem Puls direkt nach einer harten Einheit. Erst erholen, dann tauchen.
- Abbruchzeichen ernst nehmen. Schwindel, Tunnelblick, Kribbeln, Wärmegefühl, Euphorie: sofort auftauchen und den Tag beenden. Zuckungen oder Kontrollverlust nach dem Auftauchen bedeuten für den Partner: sofort sichern, Kopf über Wasser, ansprechen, Hilfe holen.
- Nie im Freiwasser ohne Ausbildung. Der Aufbau gehört ins Schwimmbad mit informiertem Aufsichtspersonal. Freiwasser-Apnoe ist eine eigene Ausbildung.
- Im Zweifel abbrechen. Ein verlorener Trainingstag kostet nichts. Ein Blackout kostet alles.
Diese Regeln decken sich mit den Sicherheitsempfehlungen für Apnoetauchen, wie sie unter anderem das Divers Alert Network veröffentlicht. Wer strukturiert und über 60 Sekunden hinaus trainieren will, ist in einem Apnoe-Kurs oder einer Vereinsgruppe mit ausgebildetem Trainer richtig. Für die Norm reicht der Aufbau oben, aber nur mit Partner.
Die typischen Fehler
| Fehler | Folge | Korrektur |
|---|---|---|
| Aufgeben, bevor es trainiert wurde | Die trainierbarste Norm bleibt die schwächste | Acht Wochen Etappen, dann urteilen |
| Jeden Versuch als Maximalversuch | Kein Fortschritt, hohes Risiko, Frust | Unter der Grenze bleiben, Reserve aufbauen, Grenze nur alle zwei Wochen antasten |
| Hyperventilation als Trick | Blackout-Risiko ohne Vorwarnung | Normal atmen, Entspannung statt Manipulation |
| Hektische Züge beim Streckentauchen | Sauerstoff weg, Strecke nicht | Zugzahl zählen, Gleitphase verlängern |
| Tauchen nur ausgeruht | Im Test kommt es nach dem Schwimmen | Ab Woche 7 mit Vorbelastung und Erholungspause üben |
| Allein trainieren | Der eine Fehler, der nicht korrigierbar ist | Partner oder gar nicht |
Tauchen ist trainierbar. Die Frage ist, in welcher Reihenfolge.
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Stand: September 2026. Die Normen sind auf der Karriereseite der Bundeswehr veröffentlicht. Trainingsaufbau und Etappen sind Erfahrungswerte aus unserer Coaching-Praxis, kein offizieller Plan. Dieser Artikel ersetzt keine Apnoe-Ausbildung und keine medizinische Beratung. Wer Herz-, Lungen- oder Ohrenprobleme hat oder ohnmächtig geworden ist, klärt das ärztlich, bevor er die Luft anhält.
- Bundeswehr: Karriere als Kampfschwimmerin oder Kampfschwimmer, 14.04.2025. Normen: mindestens 60 Sekunden Zeittauchen, 30 Meter Streckentauchen.
- Divers Alert Network: Sicherheitsempfehlungen für Apnoetauchen (Buddy-Prinzip, keine Hyperventilation, Erholungspausen).
- Öffentliche Interviews mit einem Kampfschwimmer-Offizier und einem Ausbilder des Kommandos zum eigenen Tauchtraining, redaktionell dokumentiert, ohne Namensnennung.
Häufige Fragen
Wie weit muss ich für die Kampfschwimmer streckentauchen?
Die veröffentlichte Norm im Sporttest liegt bei 30 Metern Streckentauchen und mindestens 60 Sekunden Zeittauchen. Im 25-Meter-Becken bedeuten 30 Meter eine Bahn plus fünf Meter, also eine Wende unter Wasser. Trainiere beides, weil du vorher nicht weißt, in welchem Becken getestet wird.
Kann man Streckentauchen trainieren?
Ja, und es ist die trainierbarste Disziplin im ganzen Verfahren. Dich begrenzt nicht dein Lungenvolumen, sondern dein Atemreiz, der durch steigendes CO₂ entsteht, und deine Bewegungsökonomie. Beides lässt sich in etwa acht Wochen so entwickeln, dass 30 Meter mit Reserve gehen. Aufbau in Etappen: 11, 15, 20, 25, 30 Meter, jede Etappe bis sie ruhig und mit Reserve klappt.
Warum ist Hyperventilation vor dem Tauchen gefährlich?
Hyperventilation senkt das CO₂ im Blut, ohne den Sauerstoffvorrat nennenswert zu erhöhen. Der Atemreiz, der dich sonst rechtzeitig auftauchen lässt, kommt dadurch später, während der Sauerstoff im gleichen Tempo sinkt. Das kann zu einem Blackout ohne jede Vorwarnung führen, meist in den letzten Metern oder Sekunden. Vor jedem Versuch deshalb normal atmen.
Wie lange sollte ich vor dem Kampfschwimmer-Test Apnoe trainieren?
Wer aktuell 10 bis 15 Meter taucht und 20 bis 30 Sekunden statisch hält, braucht etwa acht Wochen mit zwei Wassereinheiten pro Woche. Wer weiter entfernt ist, plant zwölf Wochen. Wichtiger als die Dauer ist die Struktur: in Etappen, unter der Grenze, mit Partner, ohne Hyperventilation.
Darf ich Apnoe allein im Schwimmbad trainieren?
Nein. Ein Blackout unter Wasser kündigt sich nicht an und ist nur dann nicht tödlich, wenn dich jemand innerhalb von Sekunden aus dem Wasser holt. Jeder Versuch, auch der kurze, braucht einen Partner, der dich durchgehend beobachtet und eingreifen kann. Der Bademeister am anderen Beckenende ist kein Partner.
Was ist der Unterschied zwischen Zeittauchen und Streckentauchen?
Zeittauchen ist statische Apnoe: Luft anhalten ohne Bewegung, im Test mindestens 60 Sekunden. Streckentauchen ist dynamische Apnoe: unter Wasser eine Distanz zurücklegen, im Test 30 Meter. Statisch prüft vor allem den Kopf, weil nichts vom Atemreiz ablenkt. Dynamisch prüft zusätzlich die Bewegungsökonomie, weil jeder Zug Sauerstoff kostet.
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