Polizei22.06.20263 Min. Lesezeit

WEGA Auswahlverfahren: Jede Sportstation ist ein K.O.-Kriterium, und Bestehen reicht trotzdem nicht

WEGA Auswahlverfahren: Jede Sportstation ist ein K.O.-Kriterium, und Bestehen reicht trotzdem nicht

Das WEGA-Auswahlverfahren hat zwei Hürden, nicht eine. Erstens: Beim Sporttest ist jede einzelne Disziplin ein K.O.-Kriterium. Wer auch nur eine Station reißt, ist sofort aus dem gesamten Verfahren. Zweitens: Selbst wer jede Station besteht, ist noch lange nicht aufgenommen. Am Ende kommt nur der Beste der Rangliste rein, nicht jeder, der bestanden hat. Wir betreuen Bewerber für die WEGA und sehen immer wieder, dass am Ende diese zwei Punkte den Platz kosten, nicht die fehlende Kraft. Hier sind die echten Werte nach aktuellem Stand.

Der Sporttest: jede Disziplin ein K.O.-Kriterium

Die WEGA (Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung) ist die Sondereinheit der Landespolizeidirektion Wien. Bewerben darf sich nur, wer bereits aktiver Polizist ist. Der Sporttest beginnt mit dem Ausdauerlauf, danach folgt der Sechser-Test mit jeweils zwei Minuten Pause zwischen den Stationen. Jeder dieser Werte ist eine harte Grenze:

DisziplinAnforderung (K.O.-Kriterium)
3.000-m-Lauf (Sportbahn)unter 14 min
Hindernisparcours (Sportsaal)unter 50 s, 2 Versuche
Standweitsprungmind. 2,10 m (2,40 m = volle Punkte), 3 Versuche
Bauchaufzügemind. 3 Wiederholungen
Trap Bar (Hebestange)105 kg, mind. 5 Wiederholungen
Bankdrücken80 % des eigenen Körpergewichts, mind. 5 Wiederholungen
Klimmzüge (Obergriff)mind. 3 Wiederholungen, Kinn über die Stange

Diese Mindestwerte sehen auf dem Papier moderat aus. Im Test sind sie es nicht. Wer mit 105 Kilogramm an der Trap Bar exakt fünf Wiederholungen schafft oder die 14 Minuten knapp läuft, hat keinen Puffer für Nervosität, Reisestress und die Ermüdung, die sich über den ganzen Testtag aufbaut. An einem K.O.-Tag entscheidet der Puffer.

Der Schießtest mit der Glock 17

Geschossen wird mit der persönlich zugewiesenen Glock 17. Auch hier gilt: durchfallen heißt raus. Der Schießtest verlangt Präzision und Schnelligkeit unter Druck, wer die geforderte Mindestleistung nicht erreicht, scheidet aus. Ein grober Verstoß gegen die Sicherheitsbestimmungen beendet den Test sofort. Wir erleben oft, dass dienstliche Routine und Test-Stress zwei verschiedene Dinge sind: Wer mit der Glock sicher umgeht, hat einen Vorteil, sollte das Schießen unter Zeit und Stress aber trotzdem gezielt üben.

Der Taktikparcours: hier zählt auch der Kopf

Auch der Taktikparcours ist eine Ausscheidungsstation. Der Knackpunkt steckt mittendrin: Er verlangt Merk- und Rechenfähigkeit unter Stress, während der Puls oben ist. Diesen Bruch sehen wir bei unseren Bewerbern am häufigsten: sportlich top, aber im Parcours fällt unter Stress das Kopfrechnen aus. Wer kognitiv nicht belastbar ist, verliert hier Punkte, die er körperlich nicht mehr aufholt.

Bestenauslese: warum die Mindestwerte nicht reichen

Jetzt kommt der Punkt, der über die Aufnahme entscheidet. Alle bestandenen Stationen fließen in eine Gesamtreihung ein. Aufgenommen in den sechsmonatigen Basisausbildungslehrgang werden nicht alle, die bestanden haben, sondern nur die Besten der Rangliste. Wer überall knapp über dem K.O.-Limit liegt, besteht zwar formal, landet aber am unteren Ende der Reihung und damit meist außerhalb der Aufnahmeplätze. Plane deshalb jede Station so, dass du mit klarem Abstand über dem Limit landest. Knappes Bestehen reicht hier nicht.

Wie wir auf das WEGA-Auswahlverfahren vorbereiten

Wir bereiten WEGA-Bewerber auf drei Ebenen vor. Die K.O.-Disziplinen trainieren wir mit echtem Puffer statt auf Kante. Die spezifischen Übungen üben wir mit ihren Tücken: Trap Bar sauber ohne Bouncen, Bankdrücken auf 80 Prozent Körpergewicht, Bauchaufzüge ohne Wandkontakt. Und die kognitive Belastbarkeit für Taktikparcours und psychologische Diagnostik bauen wir gezielt auf. Am Ende kommt bei der WEGA nicht durch, wer gerade so besteht, sondern wer in jeder Station Abstand nach oben hat und unter Druck den Kopf frei behält. Genau darauf bereiten wir vor. Wie kognitive Vorbereitung unter Belastung systematisch funktioniert, zeigen wir auf unserer Seite zur kognitiven Vorbereitung. Alle Details zur Einheit und zum Verfahren stehen auf der WEGA-Einheitenseite.

Häufige Fragen

Welche Sportwerte verlangt das WEGA-Auswahlverfahren?

Nach aktuellem Stand sind alle Disziplinen K.O.-Kriterien: 3.000-m-Lauf unter 14 Minuten, ein Hindernisparcours unter 50 Sekunden, Standweitsprung mindestens 2,10 m, mindestens 3 Bauchaufzüge, Trap Bar mit 105 kg für mindestens 5 Wiederholungen, Bankdrücken mit 80 Prozent des Körpergewichts für mindestens 5 Wiederholungen und mindestens 3 Klimmzüge. Dazu kommen Schießtest und Taktikparcours.

Was bedeutet K.O.-Kriterium beim WEGA-Sporttest?

Dass jede einzelne Disziplin für sich bestanden werden muss. Wer das Limit einer einzigen Station nicht erreicht, scheidet sofort aus dem gesamten Auswahlverfahren aus. Es gibt kein Verrechnen einer schwachen Disziplin mit einer starken. Deshalb plant man keine Station auf Kante.

Reicht es, die WEGA-Mindestwerte zu schaffen?

Nein. Wer alle Stationen besteht, kommt in eine Gesamtreihung. Aufgenommen werden nur die besten Bewerber dieser Rangliste, nicht jeder, der die Mindestwerte erreicht hat. Wer überall nur knapp über dem Limit liegt, besteht formal, landet aber meist außerhalb der Aufnahmeplätze. Ziel ist Abstand nach oben. Knapp bestehen kostet am Ende den Platz.

Spielt beim WEGA-Verfahren auch der Kopf eine Rolle?

Ja, deutlich. Der Taktikparcours verlangt Merk- und Rechenfähigkeit unter Stress und körperlicher Belastung, dazu kommen eine computergestützte psychologische Eignungsdiagnostik und ein psychologisches Interview. Bewerber, die ihre ganze Vorbereitung in den Körper stecken und die kognitive Belastbarkeit vernachlässigen, verlieren im Taktikparcours Punkte und am Ende den Platz.

Niklas Voss

Niklas Voss

Gründer PPF Germany · Ehemaliger Soldat

Niklas ist ehemaliger Soldat und Gründer von PPF Germany. Seit 2019 hat er mit seinem Team aus aktiven Spezialeinheitsangehörigen über 738 Athleten erfolgreich durch militärische und polizeiliche Auswahlverfahren begleitet.

Experte für Auswahlverfahren seit 2019Autor-Profil →Alle Trainer

Bereit für dein Auswahlverfahren?

Lass uns in einem kostenlosen Gespräch deine Situation besprechen und eine individuelle Strategie entwickeln.

Kostenloses Gespräch buchen

Wöchentliche EAV-Tipps

Jeden Montag: Trainings-Tipps, Insider-Wissen und Strategien direkt in dein Postfach.

Kein Spam. Jederzeit abbestellbar.