Das WEGA-Auswahlverfahren hat zwei Hürden, nicht eine. Erstens: Beim Sporttest ist jede einzelne Disziplin ein K.O.-Kriterium. Wer auch nur eine Station reißt, ist sofort aus dem gesamten Verfahren. Zweitens: Selbst wer jede Station besteht, ist noch lange nicht aufgenommen. Am Ende kommt nur der Beste der Rangliste rein, nicht jeder, der bestanden hat. Wir betreuen Bewerber für die WEGA und sehen immer wieder, dass am Ende diese zwei Punkte den Platz kosten, nicht die fehlende Kraft. Hier sind die echten Werte nach aktuellem Stand.
Der Sporttest: jede Disziplin ein K.O.-Kriterium
Die WEGA (Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung) ist die Sondereinheit der Landespolizeidirektion Wien. Bewerben darf sich nur, wer bereits aktiver Polizist ist. Der Sporttest beginnt mit dem Ausdauerlauf, danach folgt der Sechser-Test mit jeweils zwei Minuten Pause zwischen den Stationen. Jeder dieser Werte ist eine harte Grenze:
| Disziplin | Anforderung (K.O.-Kriterium) |
|---|
| 3.000-m-Lauf (Sportbahn) | unter 14 min |
| Hindernisparcours (Sportsaal) | unter 50 s, 2 Versuche |
| Standweitsprung | mind. 2,10 m (2,40 m = volle Punkte), 3 Versuche |
| Bauchaufzüge | mind. 3 Wiederholungen |
| Trap Bar (Hebestange) | 105 kg, mind. 5 Wiederholungen |
| Bankdrücken | 80 % des eigenen Körpergewichts, mind. 5 Wiederholungen |
| Klimmzüge (Obergriff) | mind. 3 Wiederholungen, Kinn über die Stange |
Diese Mindestwerte sehen auf dem Papier moderat aus. Im Test sind sie es nicht. Wer mit 105 Kilogramm an der Trap Bar exakt fünf Wiederholungen schafft oder die 14 Minuten knapp läuft, hat keinen Puffer für Nervosität, Reisestress und die Ermüdung, die sich über den ganzen Testtag aufbaut. An einem K.O.-Tag entscheidet der Puffer.
Der Schießtest mit der Glock 17
Geschossen wird mit der persönlich zugewiesenen Glock 17. Auch hier gilt: durchfallen heißt raus. Der Schießtest verlangt Präzision und Schnelligkeit unter Druck, wer die geforderte Mindestleistung nicht erreicht, scheidet aus. Ein grober Verstoß gegen die Sicherheitsbestimmungen beendet den Test sofort. Wir erleben oft, dass dienstliche Routine und Test-Stress zwei verschiedene Dinge sind: Wer mit der Glock sicher umgeht, hat einen Vorteil, sollte das Schießen unter Zeit und Stress aber trotzdem gezielt üben.
Der Taktikparcours: hier zählt auch der Kopf
Auch der Taktikparcours ist eine Ausscheidungsstation. Der Knackpunkt steckt mittendrin: Er verlangt Merk- und Rechenfähigkeit unter Stress, während der Puls oben ist. Diesen Bruch sehen wir bei unseren Bewerbern am häufigsten: sportlich top, aber im Parcours fällt unter Stress das Kopfrechnen aus. Wer kognitiv nicht belastbar ist, verliert hier Punkte, die er körperlich nicht mehr aufholt.
Bestenauslese: warum die Mindestwerte nicht reichen
Jetzt kommt der Punkt, der über die Aufnahme entscheidet. Alle bestandenen Stationen fließen in eine Gesamtreihung ein. Aufgenommen in den sechsmonatigen Basisausbildungslehrgang werden nicht alle, die bestanden haben, sondern nur die Besten der Rangliste. Wer überall knapp über dem K.O.-Limit liegt, besteht zwar formal, landet aber am unteren Ende der Reihung und damit meist außerhalb der Aufnahmeplätze. Plane deshalb jede Station so, dass du mit klarem Abstand über dem Limit landest. Knappes Bestehen reicht hier nicht.
Wie wir auf das WEGA-Auswahlverfahren vorbereiten
Wir bereiten WEGA-Bewerber auf drei Ebenen vor. Die K.O.-Disziplinen trainieren wir mit echtem Puffer statt auf Kante. Die spezifischen Übungen üben wir mit ihren Tücken: Trap Bar sauber ohne Bouncen, Bankdrücken auf 80 Prozent Körpergewicht, Bauchaufzüge ohne Wandkontakt. Und die kognitive Belastbarkeit für Taktikparcours und psychologische Diagnostik bauen wir gezielt auf. Am Ende kommt bei der WEGA nicht durch, wer gerade so besteht, sondern wer in jeder Station Abstand nach oben hat und unter Druck den Kopf frei behält. Genau darauf bereiten wir vor. Wie kognitive Vorbereitung unter Belastung systematisch funktioniert, zeigen wir auf unserer Seite zur kognitiven Vorbereitung. Alle Details zur Einheit und zum Verfahren stehen auf der WEGA-Einheitenseite.
Quellen und Stand
Stand: Juni 2026. Die Struktur des WEGA-Aufnahmeverfahrens (3.000-m-Lauf, Schießtest, 6er-Test, Taktikparcours, psychologisches Verfahren) ist über offizielle BMI-Publikationen belegt. Die konkreten K.O.-Werte stammen aus dem offiziellen WEGA-Ablaufdokument und werden vom BMI nicht als Einzelwerte online veröffentlicht. Kursierende Zahlen privater Vorbereitungsseiten sind keine offiziellen Werte.
- WEGA, offizielle Darstellung: Bundesministerium für Inneres, bmi.gv.at
- Landespolizeidirektion Wien: polizei.gv.at
- Wissenschaftliche Einordnung (Ausdauer und Kraft bei COBRA/WEGA): SIAK-Journal, Nimmerichter et al. 2021