Kurze Antwort: Die Bezeichnungen T1 bis T5 stehen in keinem Gesetz. § 8a des Wehrpflichtgesetzes kennt genau drei Tauglichkeitsgrade: wehrdienstfähig, vorübergehend nicht wehrdienstfähig und nicht wehrdienstfähig. Die Zentralvorschrift A1-831/0-4000 der Bundeswehr in der Fassung von März 2024 gliedert das feiner auf und nummeriert das Ergebnis als Tauglichkeitsgrad und Signierziffer 1 bis 5. T1 heißt wehrdienstfähig und voll verwendungsfähig, T2 wehrdienstfähig und verwendungsfähig mit Einschränkungen, T3 verwendungsfähig mit erheblichen Einschränkungen, T4 vorübergehend nicht wehrdienstfähig, T5 nicht wehrdienstfähig. Entscheidend für Bewerber ist ein Punkt, der in den meisten Tabellen fehlt: Die Vorschrift stuft die Gradationen IV bis VI, also die Signierziffern 3 bis 6, ausdrücklich als Hindernis für eine Einstellung als Soldat auf Zeit oder Berufssoldat ein. Ein T3 lässt den Wehrdienst damit weiterhin zu, steht einer Einstellung als Soldat auf Zeit oder Berufssoldat nach dieser Regelung aber entgegen, und nur für den freiwilligen Wehrdienst ist nach einer individuellen Prüfung eine Ausnahme vorgesehen.
Wer nach einer Tauglichkeitstabelle sucht, will meistens eine von zwei Fragen beantwortet haben: Komme ich überhaupt rein, und komme ich in die Verwendung, die ich will. Das sind zwei verschiedene Fragen, und die Bundeswehr beantwortet sie mit zwei verschiedenen Systemen. Die Kurzdefinition der Grade steht in unserem Glossareintrag zu T1, T2 und T3. Hier gehen wir das vollständige System durch: wie ein Grad entsteht, was Verwendungsfähigkeit davon unterscheidet, welche Befunde in der Praxis herabstufen und was du vor der Untersuchung klären kannst.
Was im Gesetz steht und was die Vorschrift daraus macht
§ 8a Absatz 1 des Wehrpflichtgesetzes setzt drei Tauglichkeitsgrade fest. Absatz 2 ergänzt: Wehrdienstfähige Wehrpflichtige sind nach ärztlichem Urteil entweder voll verwendungsfähig oder verwendungsfähig mit Einschränkung für bestimmte Tätigkeiten. Mehr steht dort nicht. Nach § 2 Absatz 3 gilt § 8a auch außerhalb von Spannungs- und Verteidigungsfall, ist also aktuelles Recht.
Die feinere Einteilung stammt aus der Zentralvorschrift A1-831/0-4000 „Wehrmedizinische Begutachtung“. Tauglichkeitsgrad und Signierziffer meinen darin dasselbe: Der Tauglichkeitsgrad ist das ärztliche Urteil, die Signierziffer die Zahl, mit der dieses Urteil erfasst wird (Nummer 1026). Diese Zahl dient laut Vorschrift nur der Statistik und der Signierung im Personalwirtschaftssystem, sie ist also eine Verwaltungsnummer und keine Bewertung deiner Person (Nummer 1029). Den Grad 3 gibt es außerdem nur außerhalb der allgemeinen Wehrpflicht, nämlich für aktive Soldaten und für Bewerber (Nummer 1027). Deshalb kommt T3 in der klassischen Musterung ungedienter Wehrpflichtiger nicht vor, in der Einstellungsbegutachtung dagegen schon.
T1 bis T5: die Tabelle mit den Bedingungen dahinter
Die folgende Tabelle gibt Tabelle 1 der Vorschrift in der Fassung von März 2024 wieder. Die linke Spalte ist die Zahl, die viele als T-Grad kennen, die rechte Spalte die Bedingung, unter der sie vergeben wird.
Grad
Ärztliches Urteil
Bedingung laut Vorschrift
T1 / SZr 1
wehrdienstfähig und voll verwendungsfähig
keine Gesundheitsziffer oder nur Gradation II und III, keine davon begründet einen Verwendungsausschluss
T2 / SZr 2
wehrdienstfähig und verwendungsfähig mit Einschränkungen
nur Gradation II und III, aber mindestens eine begründet einen Verwendungsausschluss
T3 / SZr 3
wehrdienstfähig und verwendungsfähig mit erheblichen Einschränkungen
mindestens eine Gradation IV, keine V oder VI. Nur für aktive Soldaten und Bewerbende
T4 / SZr 4
vorübergehend nicht wehrdienstfähig
mindestens eine Gradation V, keine VI
T5 / SZr 5
nicht wehrdienstfähig
mindestens eine Gradation VI
Dazu kommen drei Sonderziffern, die nur Reservisten betreffen: SZr 6 als Entsprechung zu T3, SZr 9 für eine Einzelfallentscheidung und SZr X für eine Verwendung in Stabsverwendungen im Inland ohne körperliche Belastung. In der klassischen Musterung ungedienter Wehrpflichtiger sind laut Vorschrift nur die Ergebnisse 1, 2, 4 und 5 zulässig, für gediente Wehrpflichtige zusätzlich 6. Wenn dir also eine Tabelle T3 als Musterungsergebnis verkauft, beschreibt sie die Einstellungsbegutachtung, nicht die Musterung. Wie die Musterung selbst abläuft, steht im Glossareintrag zur Musterung und im Artikel zum neuen Wehrdienst.
Tauglichkeit und Verwendungsfähigkeit sind zwei Fragen
Der Tauglichkeitsgrad beantwortet: Kannst du überhaupt Wehrdienst leisten. Die Verwendungsfähigkeit beantwortet: In welchen militärischen Tätigkeitsbereichen. Die Vorschrift nennt einen solchen Tätigkeitsbereich „Verwendung“ und regelt in Nummer 1014: Kann eine Person den gesundheitlichen Anforderungen einer bestimmten Verwendung nicht entsprechen, ist sie durch ärztliches Urteil von dieser Verwendung auszuschließen. Das ist der Verwendungsausschluss. Jede Verwendung hat ein vierstelliges Anforderungssymbol, und zu jedem Symbol ist hinterlegt, welche Gesundheitsziffern es sperren.
Davon getrennt gibt es besondere Verwendungsfähigkeiten, die in eigenen Untersuchungen festgestellt werden. Die Vorschrift führt unter anderem auf: TUKV für Taucher, U-Boot-Fahrer und Kampfschwimmer, WFV für Wehrflieger, FSSV und FFSV für Fallschirm- und Freifallspringer, BDV für den Borddienst und KFV für Kraftfahrer. Dazu kommen anlassbezogene Begutachtungen, etwa auf Fast Roping und Speed Rappelling oder auf absturzgefährdende Tätigkeiten. Für Bewerber heißt das: Ein T1 aus der Grunduntersuchung ist keine Eintrittskarte für eine Spezialverwendung. Die zugehörige besondere Verwendungsfähigkeit wird gesondert geprüft. Was bei der maritimen Variante untersucht wird, steht im Glossareintrag zur Tauchtauglichkeit.
Wie ein Grad zustande kommt: Gesundheitsziffer und Gradation
Der Arzt vergibt keinen T-Grad, sondern Gesundheitsziffern. Eine Gesundheitsziffer besteht aus einer römischen Zahl, der Gradation, und einer arabischen Zahl von 1 bis 89, der Gesundheitsnummer. Die Gesundheitsnummer sagt, welche Körperregion oder welches Organsystem betroffen ist, die Gradation sagt, wie stark sich der Befund auswirkt. Der Grad ergibt sich anschließend aus der Ziffer mit der höchsten Gradation.
Gradation
Bedeutung laut A1-831/0-4000 (März 2024)
Wirkung auf den Grad
II
Befund geht mit der Dienst- und Verwendungsfähigkeit einher
T1, bei Verwendungsausschluss T2
III
Befund geht mit der Dienst- und Verwendungsfähigkeit einher
T1, bei Verwendungsausschluss T2
IV
Befund geht mit der Dienstfähigkeit einher, wirkt sich aber erheblich aus
T3, Einstellungshindernis für Soldat auf Zeit und Berufssoldat
V
akut aufgetreten, vorübergehend; Einschränkung besteht bei Einstellungsuntersuchungen voraussichtlich länger als vier Wochen
T4
VI
dauerhaft, schließt die gesundheitliche Eignung für die angestrebte Laufbahn grundsätzlich dauerhaft aus
T5
Der für Bewerber wichtigste Punkt der Vorschrift steht in Nummer 1030. Wer als Soldat auf Zeit (Kurzform SaZ) oder als Berufssoldat (BS) eingestellt oder weiterverpflichtet werden soll, wird vorher auf körperliche Eignung geprüft. Die Gradationen IV bis VI, also die Signierziffern 3 bis 6, stellen bei dieser Prüfung ein Einstellungshindernis dar. Nummer 1031 lässt eine Ausnahme zu. Wird die Gesundheitsstörung, die zur Gradation IV geführt hat, im Einzelfall geprüft, ist eine Einstellung als freiwillig Wehrdienstleistender (FWDL) mit Signierziffer 3 möglich. Die verbreitete Aussage „T3 ist kein Ausschluss“ trifft deshalb nur zur Hälfte zu: Für den Wehrdienst gilt sie, für die Laufbahn als Soldat auf Zeit in aller Regel nicht.
Was Spezialverwendungen tatsächlich verlangen
Für Spezialkräfte gibt es keine offizielle Ansage „T1 erforderlich“. Es gibt Verwendungsausschlüsse je Anforderungssymbol und zusätzlich benannte besondere Verwendungsfähigkeiten. Die folgende Übersicht enthält nur, was auf offiziellen Bundeswehr-Seiten steht.
Einzelkämpfertauglichkeit, Fallschirmsprungtauglichkeit und Fallschirmsprungwilligkeit, Verwendungsfähigkeit Fast Roping und Speed Rappelling, Belastungs-EKG
bundeswehr.de, KSK Soldat werden, 27.07.2026
EGB / Spezialisierte Kräfte des Heeres
uneingeschränkt tauglich für jedes Einsatzgebiet und für den Fallschirmsprung
ärztliche Untersuchung im Schifffahrtmedizinischen Institut der Marine in Kiel, Feststellung der Taucherverwendungsfähigkeit im PFV I
bundeswehr.de, Karriere als Kampfschwimmer, 14.04.2025
Wie streng die Grenzen sind, zeigt das öffentlich dokumentierte Regelwerk zu den Anforderungssymbolen. Damit die folgenden Beispiele lesbar sind, hier zuerst die Codes:
Anforderungssymbol, zum Beispiel A760. Ein Buchstabe und drei Ziffern stehen für eine militärische Verwendung. Jede Verwendung hat ihr eigenes Symbol. A760 und A761 gehören zu den Spezialkräften des Heeres, A560 und A580 zu Fallschirmjägern und Infanteristen in Spezialoperationen, D860 zu den Kampfschwimmern.
Gesundheitsziffer, zum Beispiel III 2 (2). Die römische Zahl ist die Gradation und sagt, wie stark sich ein Befund auswirkt. Die arabische Zahl dahinter ist die Gesundheitsnummer und sagt, um welchen Bereich es geht: 2 steht für das Gewicht, 22 für die Sehschärfe. Die Zahl in Klammern ist die Stufe innerhalb dieser Gradation.
So gehören beide zusammen. Zu jedem Anforderungssymbol ist hinterlegt, welche Gesundheitsziffern es sperren. Steht deine Ziffer auf dieser Liste, ist die betreffende Verwendung für dich ausgeschlossen.
Ein Beispiel dafür liefert das Gewicht, ein weiteres die Sehschärfe, beide nach der Fassung von März 2024. Beim Gewicht schließt die Gesundheitsziffer III 2 (2), also ein Taillen-Größe-Verhältnis von 0,57 bis 0,68 im Alter von 15 bis 40 Jahren, unter anderem die Symbole A760 und A761 für Spezialkräfte des Heeres, A560 und A580 für Fallschirmjäger und Infanteristen in Spezialoperationen sowie D860 für Kampfschwimmer aus. Die Stufe darunter, III 2 (1) mit einem Verhältnis von 0,51 bis 0,56, schließt keine einzige Verwendung aus. Bei der Sehschärfe sperrt die Ziffer III 22 (1), also eine korrigierte Sehschärfe von 0,7 auf beiden Augen, die Symbole A560, A580, A760 und A761, nicht aber D860. Der Kampfschwimmer-Zugang ist bei der Sehschärfe also weiter gefasst als der der Heeres-Spezialkräfte, beim Gewicht dagegen genauso eng.
Verbindlich sind diese Zuordnungen nicht über unseren Artikel, sondern über das interne Informationssystem der Bundeswehr, auf das die Regelung selbst verweist. Was das für die Vorbereitung bedeutet, steht auf unseren Seiten zum KSK, zu den EGB-Kräften und zum Kommando Spezialkräfte der Marine. Die sportlichen Anforderungen sind ein eigenes Thema und in den Artikeln zum KSK-Sporttest im PFV, zum EGB-Auswahlverfahren und zur Kampfschwimmer-Ausbildung beschrieben.
Häufige Gründe für eine Herabstufung
Die folgende Übersicht beschreibt, welche Gesundheitsnummern in der Praxis am häufigsten zu Einschränkungen führen. Sie ist eine Beschreibung des Systems und keine medizinische Einschätzung deines Falls. Ob und wie ein Befund eingeordnet wird, entscheidet ausschließlich der untersuchende Arzt.
Bereich
Gesundheitsnummer
Was dort geprüft wird
Sehstärke
GNr 22
korrigierte Sehschärfe je Auge und beidäugig sowie die zulässige Stärke der Gläser; ab Gradation III ist in Zweifelsfällen ein augenärztlicher Befundbericht erforderlich
Gewicht
GNr 2
absolutes Gewicht und Taillen-Größe-Verhältnis; die Regelung hält fest, dass ausreichende körperliche Leistungsfähigkeit gegeben sein muss und diese bei bestandenem Basis-Fitness-Test anzunehmen ist
Orthopädie
GNr 42, 59, 41, 58
Wirbelsäule, Gelenke, Schultergürtel, Bein und Fuß
Allergien
GNr 45
Allergien an Haut und Schleimhäuten
Psyche
GNr 13 und 15
psychische und Verhaltensstörungen sowie Störungen durch psychotrope Substanzen und Arzneimittel; maßgeblich ist die Auswirkung auf Anpassungs-, Leistungs- und Gemeinschaftsfähigkeit
Zähne
GNr 37
Zähne, Mund und Kiefer; laufende Behandlungen können eine Zurückstellung auslösen
Für Bewerber hat das zwei praktische Folgen. Die Skala ist feiner, als sie in Foren dargestellt wird: Beim Taillen-Größe-Verhältnis liegt zwischen „keine Verwendung ausgeschlossen“ und „Spezialverwendungen gesperrt“ nur ein einziger Schritt. Und ein Teil dieser Punkte lässt sich verändern, ein anderer nicht. Körperzusammensetzung und Trainingszustand kannst du über Monate beeinflussen, während eine dauerhafte strukturelle Einschränkung so bestehen bleibt, wie sie ist.
Was du vor der Untersuchung selbst klären kannst
Die Untersuchung entscheidet über den Grad, nicht deine Sportwerte. Was du vorher klären kannst, klärst du besser vorher.
Die Karrierecenter geben dazu eigene Merkblätter heraus. Die folgenden Punkte stammen aus den öffentlich abrufbaren Informationsblättern der Karrierecenter Stuttgart und Wilhelmshaven zur ärztlichen Untersuchung.
Unterlagen mitbringen: ärztliche Befunde, Krankenhaus- und OP-Berichte, Allergiepass oder Notfallpass sowie eine Auflistung ärztlich verordneter Medikamente. Originale werden kopiert und zurückgegeben.
Brille und Nachweis: Bei Fehlsichtigkeit gehören Brille und ein aktueller Brillen- oder Kontaktlinsenpass beziehungsweise ein augenärztlicher Befund dazu.
Kontaktlinsen mindestens 24 Stunden vorher weglassen. Kontaktlinsen verändern die Geometrie der Hornhaut und damit das Ergebnis des Sehtests.
Refraktive Chirurgie: Eine Laserbehandlung der Hornhaut soll laut Informationsblatt mindestens drei Monate zurückliegen.
Fachärztliche Atteste: Für Bewerberinnen wird ein aktuelles gynäkologisches Attest erbeten, für Bewerber ein urologisches Attest. Die Kosten trägt im Einstellungsverfahren die Bundeswehr nicht.
Medikamente: Präparate oder Beipackzettel mitnehmen.
Betäubungsmittel: Festgestellter Konsum oder Handel führt laut Merkblatt zum sofortigen Abbruch der Eignungsfeststellung und gilt als Einstellungshindernis.
Ein Unterschied, der oft untergeht: Im Musterungsverfahren nach dem Wehrpflichtgesetz ist das Verfahren kostenfrei, und nach § 19 Absatz 5 gehören auch die Kosten für Unterlagen, deren Beibringung dir aufgegeben wird, zu den erstattungsfähigen Auslagen. Im Einstellungsverfahren als Bewerber gilt das nach den Merkblättern der Karrierecenter nicht.
Widerspruch, Neubegutachtung und was danach nicht mehr geht
Gegen den Musterungsbescheid steht der Widerspruch offen. Nach § 33 Absatz 1 des Wehrpflichtgesetzes ist er binnen zwei Wochen nach Zustellung des Bescheides schriftlich oder zur Niederschrift bei der Behörde zu erheben, die den Verwaltungsakt erlassen hat. Absatz 2 gibt dem Widerspruch gegen den Musterungsbescheid aufschiebende Wirkung, Absatz 3 weist die Entscheidung dem Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr zu. Unabhängig davon können die Karrierecenter nach § 17 Absatz 4 eine nochmalige Untersuchung durch einen anderen Arzt anordnen. Nach § 17 Absatz 5 wird dir das Untersuchungsergebnis unter Angabe von Tauglichkeits- und Verwendungsgrad schriftlich ausgehändigt. Aus diesem Papier geht hervor, welche Gesundheitsziffer den Ausschlag gegeben hat, und erst damit lässt sich beurteilen, ob eine weitere Abklärung oder ein Widerspruch überhaupt zu einem anderen Ergebnis führen kann.
Für Bewerber gilt ein eigener Weg. Stellt sich bei der Einstellungsuntersuchung nach Dienstantritt, aber vor der Einstellung eine wesentliche Änderung heraus, läuft das über ein gesondertes Verfahren mit dem Formular „Vorschlag zur Änderung des Tauglichkeitsgrades bei Einstellung“, und ein aussagefähiger, aktueller fachärztlicher Befund ist in jedem Fall erforderlich. Nach der Einstellung beziehungsweise Ernennung ist eine Änderung des Grades ausdrücklich nicht mehr zulässig, ändern kann sich dann nur noch die Verwendungsfähigkeit für bestimmte Anforderungen. Eine Einschränkung, die sich ärztlich abklären oder korrigieren lässt, solltest du deshalb vor der Untersuchung angehen und nicht erst nach dem Bescheid.
Typische Fehler
Die Tabelle mit dem Ergebnis verwechseln. T1 bis T5 sind Signierziffern für die Statistik. Was deine Verwendung wirklich sperrt, ist die einzelne Gesundheitsziffer, nicht die Gesamtzahl.
Annehmen, T3 sei harmlos. T3 heißt wehrdienstfähig, ist nach der Vorschrift aber ein Hindernis für die Einstellung als Soldat auf Zeit oder Berufssoldat.
T1 mit Spezialkräfte-Zulassung gleichsetzen. Fallschirmsprungtauglichkeit, Taucherverwendungsfähigkeit und die Verwendungsfähigkeit für Fast Roping werden gesondert festgestellt.
Ohne Unterlagen erscheinen. Fehlende Befunde führen zu Nachforderungen und verzögern das Verfahren, im schlechtesten Fall über dein Bewerbungsfenster hinaus.
Erst nach dem Bescheid an die Augen denken. Kontaktlinsen 24 Stunden vorher, Laser mindestens drei Monate vorher, augenärztlicher Befund bei Grenzwerten. Danach ist der Sehtest gelaufen.
Den schriftlichen Bescheid nicht lesen. Ohne die konkrete Gesundheitsziffer weißt du nicht, ob ein Widerspruch oder eine Abklärung überhaupt Sinn ergibt.
Kläre, was dein Grad für deinen Weg bedeutet
Im kostenlosen Erstgespräch ordnen wir deinen Bescheid, dein Bewerbungsfenster und deine Zielverwendung ein. Wir geben keine medizinische Beurteilung ab und keine Bestehensprognose. Falls du deinen schriftlichen Bescheid hast, bring ihn mit.
Stand: September 2026. Dieser Artikel ist eine redaktionelle Aufbereitung von PPF Germany und keine offizielle Veröffentlichung der Bundeswehr oder des Bundesministeriums der Verteidigung. Er ersetzt keine medizinische und keine rechtliche Beratung und beurteilt keinen Einzelfall. Verbindlich sind ausschließlich der ärztliche Befund, dein schriftlicher Bescheid und die Auskunft deines Karrierecenters. Die Zentralvorschriften stammen aus dem Geschäftsbereich des Verteidigungsministeriums und sind über Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz öffentlich abrufbar. Konkrete Grenzwerte können sich mit neuen Fassungen ändern.
Bundeswehr: Werden Sie Teil des KSK, 27.07.2026. Einzelkämpfertauglichkeit, Fallschirmsprungtauglichkeit, Fast Roping und Speed Rappelling, Belastungs-EKG.
Karrierecenter der Bundeswehr Wilhelmshaven: Merkblatt Ärztliche Untersuchung. Atteste, Medikamente, Umgang mit Betäubungsmitteln.
Häufige Fragen
Was bedeuten die Tauglichkeitsgrade T1 bis T5 bei der Bundeswehr?
T1 steht für wehrdienstfähig und voll verwendungsfähig, T2 für wehrdienstfähig und verwendungsfähig mit Einschränkungen, T3 für verwendungsfähig mit erheblichen Einschränkungen, T4 für vorübergehend nicht wehrdienstfähig und T5 für nicht wehrdienstfähig. Diese Nummerierung stammt nicht aus dem Gesetz, sondern aus der Zentralvorschrift A1-831/0-4000 der Bundeswehr, die den Tauglichkeitsgrad zugleich als Signierziffer führt. Das Wehrpflichtgesetz selbst kennt in § 8a nur drei Grade: wehrdienstfähig, vorübergehend nicht wehrdienstfähig und nicht wehrdienstfähig.
Kann man mit T2 zur Bundeswehr?
Ja. T2 bedeutet wehrdienstfähig und verwendungsfähig mit Einschränkungen. Vergeben wird der Grad, wenn ausschließlich Gesundheitsziffern der Gradationen II und III vorliegen und mindestens eine davon einen Verwendungsausschluss begründet. Der Dienst ist damit möglich, einzelne Verwendungen sind gesperrt. Welche das sind, steht in deinem schriftlichen Bescheid. Für körperlich sehr anspruchsvolle Verwendungen wie Spezialkräfte, Fallschirmjäger oder Kampfschwimmer sind die Ausschlusslisten deutlich enger als für den allgemeinen Dienst.
Bedeutet T3 bei der Bundeswehr, dass man ausgemustert ist?
Nein, T3 heißt weiterhin wehrdienstfähig. Der Grad hat aber eine Folge, die oft unterschlagen wird: Die Zentralvorschrift stuft die Gradationen IV bis VI, also die Signierziffern 3 bis 6, als Hindernis für die Einstellung oder Weiterverpflichtung als Soldat auf Zeit oder Berufssoldat ein. Eine Einstellung als freiwillig Wehrdienstleistender mit Signierziffer 3 ist nach individueller Prüfung der zugrunde liegenden Gesundheitsstörung möglich. In der klassischen Musterung ungedienter Wehrpflichtiger wird T3 gar nicht vergeben, dort sind nur die Ergebnisse 1, 2, 4 und 5 zulässig.
Welchen Tauglichkeitsgrad braucht man für das KSK?
Die Bundeswehr nennt für das KSK keinen T-Grad, sondern benannte Voraussetzungen. Auf der offiziellen Seite „Werden Sie Teil des KSK“ stehen mit Stand 27.07.2026 Einzelkämpfertauglichkeit, Fallschirmsprungtauglichkeit und Fallschirmsprungwilligkeit, die Verwendungsfähigkeit für Fast Roping und Speed Rappelling sowie ein Belastungs-EKG. Dazu kommen die Sicherheitsüberprüfung und die dienstlichen Voraussetzungen. In der Praxis läuft es darauf hinaus, dass eine Gesundheitsziffer, die das zugehörige Anforderungssymbol sperrt, den Weg beendet, unabhängig von deiner Sportleistung.
Kann ich mit Brille zur Bundeswehr oder zu den Spezialkräften?
Eine Sehhilfe schließt den Dienst nicht aus. Maßgeblich sind die korrigierte Sehschärfe und die zulässige Stärke der Gläser, geregelt unter der Gesundheitsnummer 22. Je schlechter die Werte, desto höher die Gradation und desto mehr Verwendungen fallen weg. Nach dem öffentlich dokumentierten Stand von März 2024 sperrt eine korrigierte Sehschärfe von 0,7 auf beiden Augen unter anderem die Anforderungssymbole für Spezialkräfte des Heeres und für Fallschirmjäger in Spezialoperationen. Bei Grenzwerten ist ab Gradation III ein augenärztlicher Befundbericht erforderlich. Kontaktlinsen solltest du mindestens 24 Stunden vor dem Sehtest weglassen.
Wie kann ich gegen einen Tauglichkeitsgrad Widerspruch einlegen?
Gegen den Musterungsbescheid ist der Widerspruch nach § 33 des Wehrpflichtgesetzes binnen zwei Wochen nach Zustellung schriftlich oder zur Niederschrift bei der Behörde zu erheben, die den Bescheid erlassen hat. Er hat aufschiebende Wirkung, entschieden wird durch das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr. Zusätzlich können die Karrierecenter nach § 17 Absatz 4 eine nochmalige Untersuchung durch einen anderen Arzt anordnen. Für Bewerber gibt es vor der Einstellung ein eigenes Verfahren zur Änderung des Grades, für das ein aktueller fachärztlicher Befund erforderlich ist. Nach Einstellung oder Ernennung ist eine Änderung des Grades nicht mehr zulässig.
Niklas ist ehemaliger Soldat und Gründer von PPF Germany. Seit 2017 hat er mit seinem Team aus aktiven Spezialeinheitsangehörigen über 738 Athleten erfolgreich durch militärische und polizeiliche Auswahlverfahren begleitet.